Der Wiehler Stadtrat hebt den Kostenrahmen für den Neubau des Bonhoeffer-Gymnasiums auf 63,5 Millionen Euro an. Im November soll ein „Totalunternehmer“ beauftragt werden.
VergabeverfahrenWiehler Gymnasium darf etwas teurer werden

Die sogenannte „optimierte Campus-Variante“ des Schulneubaus war Grundlage der Verhandlungen mit den Bewerbern.
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Der Rat der Stadt Wiehl hat am Donnerstag einstimmig beschlossen, eine neue Obergrenze für den Neubau des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums festzulegen: 63,4 Millionen einschließlich aller Nebenkosten sind jetzt angesetzt. Bisher war man von 55,8 Millionen ausgegangen. Dieser Rahmen ist nun festgeschrieben für die letztgültigen, verbindlichen Angebote, zu denen die fünf verbliebenen Bewerber am Freitag aufgefordert wurden.
Nach den Ferien müssen die verbindlichen Kostenvoranschläge vorliegen. Im November soll der Rat dann dem besten Angebot den Zuschlag geben, damit spätestens ein Jahr später mit den Bauarbeiten begonnen werden kann.
Wiehler Bürgermeister sieht sich als Vorreiter
Der Nachschlag ergab sich aus den Verhandlungen, die seit Oktober mit fünf Interessenten geführt wurden, meist Arbeitsgemeinschaften von Bauunternehmen und Architekturbüros. Diese sollen den Auftrag als „Totalunternehmer“ bekommen, also das ganze Projekt von der Planung bis zum schlüsselfertigen Abschluss verantworten. Davon verspricht sich die Stadt maximale Kostensicherheit und termingerechten Baufortschritt.
Im Nachgang der Sitzung, die nicht-öffentlich abgehalten wurde, sagte Bürgermeister Ulrich Stücker am Freitag, dass die Stadtverwaltung viel Mühe im Vorfeld der Ausschreibung hatte, dieser Aufwand werde sich aber auszahlen. Mit der Totalunternehmervergabe sei die Stadt Vorreiter für andere Kommunen, die nun genauso verfahren.
Stadt Wiehl hat Wunschliste vorgelegt
Grundlage der Planungen war die „optimierte Campus-Variante“, bei der ein Großteil der vorhandenen Bausubstanz erhalten wird. Der vorhandene Gebäudekomplex war deshalb intensiv untersucht worden. Bei der Campus-Teilneubauvariante handelt es sich zunächst nur um einen kostengünstigen Gestaltungsvorschlag, nicht um einen verbindlichen Entwurf. Entscheidend ist, dass sich die Unternehmen an die detailliert ausformulierte Wunschliste der Stadt halten, vor allem aber an den Kostenrahmen.
78 Prozent des Aufwands sind nach Einschätzung der Stadt mit der zwingend notwendigen Sanierung der maroden Schule verbunden. 22 Prozent ergeben sich aus pädagogisch wünschenswerten Modernisierungen. Die stellvertretende Baudezernentin Alexandra Noss sagt über die Etaterhöhung: „Wir haben es mit namhaften Unternehmen zu tun, es sind alles gute Angebote, und das Verfahren war bisher konstruktiv. Die Verwaltung musste sich aber am Ende noch einmal bewegen.“ Zugleich wurde weiteres Sparpotenzial erarbeitet. Wo Echtholzboden hätte liegen können, soll Linoleum verlegt werden.
Der städtische Beigeordnete Peter Madel hat der Politik in der Sitzung dargelegt, dass die Budgeterhöhung finanzierbar ist. In der langfristigen Haushaltsplanung habe man sogar 66,2 Millionen Euro eingebucht. Die Stadt werde auf Zahlungen aus dem Sondervermögen des Bundes zurückgreifen und angesparte Buchungsreserven aus der Schulpauschale einsetzen. Die jährliche Zinsbelastung von anfangs 1,6 Millionen Euro werde kontinuierlich sinken.
Bürgermeister Stücker ist sicher, dass die Stadt von einer veränderten Marktlage profitiert: „Vor zwei Jahren hätten wir gar kein Angebot bekommen.“ Dass der Stadtrat ohne Gegenstimmen den Kostenrahmen angehoben hat, um den Bewerbern entgegenzukommen, sei ein „wichtiges Zeichen“, sagte Stücker am Freitag angesichts der Tatsache, dass es sich um die mit Abstand größte Investition in der Geschichte der Stadt Wiehl handele. „Die Verwaltung und alle Parteien stehen zusammen und wollen das Projekt über die Ziellinie bringen.“ Er fahre jetzt mit einem guten Gefühl in den Urlaub.
Zwischenlösung für das Gymnasium
Eine besondere Herausforderung für das beauftragte Unternehmen wird es sein, während der Bauarbeiten den Unterricht zu ermöglichen. Der Vorschlag der Stadtverwaltung sieht vor, auf dem Parkplatz zwischen BPW und Wiehltalstadion auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Containerdorf zu errichten, in das ab Herbst 2027 ein wechselnder Teil des Schulbetriebs ausgelagert wird. Um den Fußgängerverkehr zwischen Schule und Parkplatz zu erleichtern, hat die Stadt darum jüngst die Treppe erneuern lassen. Wie der Interimsbetrieb tatsächlich organisiert wird und ob er auf dem Parkplatz stattfindet, liegt aber am Ende in der Verantwortung des Bauunternehmens, das auch diese Kosten in ihre Gesamtkalkulation aufnehmen wird.
