Abo

Abitur vor 60 JahrenAls Udo Lattek in Wipperfürth Sportlehrer war

3 min
Das Foto zeigt ein Gruppenbild mit neun Männern, die zum 60-jährigen Klassentreffen in Wipperfürth kamen.

Diese neun Herren legten im Jahr 1966 am Engelbert-von-Berg-Gymnasium ihr Abitur ab.

Im Frühjahr 1966 legten 16 junge Männer am EvB-Gymnasium in Wipperfürth ihr Abitur ab. 60 Jahre später sind sie neun von ihnen zum Klassentreffen gekommen

„Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben“ wusste schon Wilhelm Busch. Am Donnerstagabend trafen sich neun Herren älteren Semesters im Weinkeller des „Hotels am Markt“ in gemütlicher Runde. Zuvor hatte Erich Kahl, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Wipperfürth, bei einer Führung viele Details zur Geschichte der Stadt erzählt.

Was die Mitglieder der Gruppe vereint: Die Männer der Jahrgänge 1946 und 1947 haben im Jahr 1966, also vor genau 60 Jahren, am Engelbert-von-Berg-Gymnasium, das damals noch im Alten Seminar residierte, ihr Abitur abgelegt.

Die "Penne" war damals ganz anders

Vieles war damals an der „Penne“ ganz anders als heute. Die Schüler blieben bis zur Reifeprüfung in ihren Klassen zusammen, was den engen Zusammenhalt bis heute erklärt. Das Abi wurde 1966 noch zu Ostern abgelegt. Am EvB gab es zwei Abiturklassen, „unsere Klasse umfasste zum Schluss noch 16 Schüler“, erinnern sich Jochem Claudi und Raimund Wigger, der heute in Hamburg lebt.

Vier ehemalige Mitschüler seien mittlerweile verstorben, zwei sind krankheitshalber verhindert, sonst sind fast alle gekommen. „Anfangs hatten wir drei Mädchen in der Klasse, aber die sind nicht bis zum Abitur geblieben“, erinnern sich die Männer.

Ein junger Sportreferendar namens Udo Lattek

Wie bei Klassentreffen üblich, werden Schoten über die alten Pauker aufgefrischt. Nicht wenige von ihnen hatten promoviert und mussten mit Herr oder Frau Doktor angesprochen werden. „Die meisten Lehrer waren ziemlich streng“, erinnert sich Hartmut Schmidt, „aber wir wussten, was wir zu tun hatten“, ergänzt sein Gegenüber.

Respektiert und auch ein wenig gefürchtet war die Klassenlehrerin Frau Götzfried. „Ich hatte mir im Sportunterricht die rechte Hand gebrochen“, erinnert sich Michael Münker. „Sie hat mich gezwungen, trotzdem die Klassenarbeit mitzuschreiben, ich musste mit links schreiben.“ Stand Chemie bei Lehrer Pee auf dem Stundenplan, wussten die Schüler genau, wie man Periodensystem und Molekularverbindungen umgehen konnte. „Wir mussten nur kurz auf den Zweiten Weltkrieg zu sprechen kommen, dann ging es den Rest der Stunde um nichts anderes mehr.“

Sport hatten die Jungen unter anderem bei einem jungen Referendar, der vor allem Fußball spielen ließ, nebenbei als Trainer beim VfR arbeitete und später Weltruhm erlangte. Sein Name: Udo Lattek. Manchmal habe Lattek zum Schluss einer gelungenen Sportstunde auf dem Sportplatz Dreiböcken alleine gegen alle gespielt. „Er hat uns in Grund und Boden gedribbelt“, erzählt Hartmut Schmidt.

Die feierliche Verleihung der Abiturzeugnisse in der Aula des Alten Seminars steht den Männern auch nach 60 Jahren noch vor Augen. Im Anschluss wurde kräftig gefeiert. Mit einem bunt geschmückten Wagen, der von einem Trecker gezogen wurde, ging es kreuz und quer durch die Stadt – auch zum St. Angela-Gymnasium, damals noch eine reine Mädchenschule. Auf dem Wagen prangte ein Schild mit der Aufschrift „Mutti's Jungs“, in Anlehnung an die Klassenlehrerin. „Das gab Ärger“, erinnern sich die ehemaligen Abiturienten lachend – und zwar wegen des falsch gesetzten Apostrophs.