Es ist ein tiefer Einschnitt. Das haus der Familie gibt den Standort auf dem Klosterberg in Wipperfürth auf und fusioniert mit Bergisch Gladbach.
Abschied vom KlosterbergHaus der Familie gibt Standort in Wipperfürth auf

Das Haus der Familie auf dem Klosterberg in Wipperfürth.
Copyright: Siegbert Dierke
In den Wipperfürther Pfarrnachrichten war es nur eine kurze Notiz. Die Standorte der Erwachsenen und Familienbildung in Wipperfürth und Bergisch Gladbach werden zum Sommer 2027 zusammengelegt zum Bildungsforum Bergisches Land. „Daher wird das Gebäude in Wipperfürth leider aufgegeben“, heißt es.
Die Kursangebote im Haus der Familie sollen wie gewohnt bis Juni 2027 stattfinden. Auch danach solle die katholische Erwachsenen- und Familienbildung in Wipperfürth mit einem verlässlichen Angebot vertreten sein, wo, ist noch unklar.
Konzentration auf einen Standort
Thomas Dörmbach ist Leiter des Hauses der Familie und zugleich kommissarischer Leiter der katholischen Familienbildungsstätte in Bergisch Gladbach. Verwaltungstechnisch sind dort bereits die beiden katholischen Bildungswerke für Rhein-Berg und Oberberg angesiedelt. Mit einer Konzentration auf einen Standort will das Erzbistum Köln als Träger Geld sparen. Kündigungen des Personals am Haus der Familie sind nach Informationen unserer Zeitung nicht vorgesehen.
Der langjährige Leiter der Einrichtung nimmt Stellung, auch für das Bildungswerk des Erzbistums Köln: „Wir wissen, dass das Haus der Familie vielen Menschen in Wipperfürth weit mehr als nur ein Veranstaltungsort bedeutet. Es ist ein vertrauter Ort für Bildung, Begegnung und gemeinsames Lernen. Der Abschied von diesem Ort fällt uns deshalb nicht leicht.“
Es bleibt ein Jahr Zeit
Umso wichtiger, so Dörmbach, sei es, die Zeit bis Sommer 2027 bewusst gemeinsam zu gestalten, damit auch zukünftig die Katholische Erwachsenen- und Familienbildung mit einem verlässlichen Bildungsangebot in Wipperfürth vertreten sei.
Pastor Lambert Schäfer ist der leitende Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Nikolaus Wipperfürth. „Ich bedauere die Entwicklung, denn hier ist viel Gutes entstanden“, sagt er. Als Bildungsstätte leiste die Einrichtung wertvolle Arbeit, etwa für geflüchtete Frauen, bei der Integration und generell der Erwachsenenbildung. Ehrlicherweise müsse man auch sagen, dass die Bildungsangebote des Hauses der Familie nicht überlaufen gewesen seien.
Was wird aus dem Gebäude?
Die Konzentration der Bildungseinrichtungen auf einen Standort sieht Schäfer im Zusammenhang mit der gesamten Neuordnung des Erzbistum. Weil die Zahl der Mitglieder der Kirche zurückgehe und damit auch die Einnahmen aus der Kirchensteuer, seien Einschnitte unvermeidbar.
Was aber wird aus dem Gebäudekomplex auf dem Klosterberg, dass aus dem ehemaligen Franziskanerkloster und der daran angrenzenden Klosterkirche besteht? Eigentümer ist die katholische Kirchengemeinde St. Nikolaus.
Über die künftige Nutzung des Gebäudes muss am Ende der Kirchenvorstand entscheiden
„Wir führen Gespräche, aber es gibt noch keine Entscheidung über die künftige Nutzung des ehemaligen Klosters“, sagt Schäfer . Bis zur Rückgabe an die Gemeinde sei noch ein Jahr Zeit, diese Zeit gelte es zu nutzen. „Am Ende muss der Kirchenvorstand entscheiden.“
Unklar bleibt die Nutzung der leerstehenden Klosterkirche, die schon seit Jahren nicht mehr für Gottesdienste genutzt wird. „Wir hatten in Zusammenarbeit mit dem Erzbistum verschiedene Möglichkeiten erörtert, deren Umsetzung aber alle am fehlenden Geld gescheitert sind“, sagt Schäfer.
Die Katholische Familienbildungsstätte „Haus der Familie“ startete 1969 mit 14 Kursen und 300 Teilnehmenden. Der erste Kurs war der Vortrag eines Frauenarztes zum Thema „Säuglingspflege“. Seit 2005 ist das „HdF“ in der Trägerschaft der Erzdiözese Köln. Im ersten Halbjahr 2026 – bis zum 31. Juli – umfasst das Programm 274 Kurse, für das gesamte Jahr 2026 sind es 472 Kurse.
Das „Haus auf dem Klosterberg“ hat eine wechselvolle Geschichte. Erich Kahl, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Wipperfürth, hat sie zusammengetragen. Im Jahr 1639 kamen zwei Patres des Franziskanerordens und zwei Laienbrüder in die Stadt. 1657 überließ die Stadt den Franziskanerbrüder das Gelände an dem Krähenberg – dem heutigen Klosterberg. Dort entstand, in mehreren Bauabschnitten zwischen 1662 und 1674 , ein Kloster.
Beim Stadtbrand von 1795 wurden Kloster und Kirche schwer beschädigt. Im Zuge der napoleonischen Herrschaft wurden Klöster aufgelöst und Kirchengüter eingezogen. 1826 schenkte der preußische König das mittlerweile leerstehende Gebäude der Stadt, die hier das Bürgermeisteramt, das Gericht, das Gefängnis, die Jungen-Volksschule und ein Progymnasium einrichtete.
Seit 1969 wird das Haus auf dem Klosterberg als katholische Familienbildungsstätte genutzt. Sie will als Bindeglied zwischen Kirche und Gesellschaft dienen, mit praktischer Lebenshilfe für Familien und Persönlichkeitsentwicklung.

