Die Kita St. Anna, der einzige Kindergarten in Wipperfürth-Thier, baut 14 Plätze ab. Der Grund: Weil der Träger wechselt, braucht es eine neue baurechtliche Genehmigung.
Empörte ElternKita in Wipperfürth- Thier nimmt keine neuen Kinder auf

Die Katholische Kindertagesstätte St. Anna in Wipperfürth-Thier.
Copyright: Siegbert Dierke
Der Unmut im Wipperfürther Kirchdorf Thier ist groß. Denn der einzige Kindergarten des Dorfes, St. Anna, wird im Sommer 2026 keine neuen Kinder aufnehmen. Die Zahl der Kita-Plätze wird im Rahmen eines Trägerwechsels von 44 auf 30 reduziert. Gleichzeitig wechseln 13 Kinder in die Schule. Eltern, die ihre Kinder in Thier angemeldet haben, müssen jetzt eine Alternative außerhalb suchen.
Das sagen die Eltern
„Die Betroffenen, die schon ein Kind in St. Anna haben, wurden erst kurz vor Weihnachten informiert“, sagt Theresa Karthaus, eine der Mütter. Die Anmeldung zum neuen Kita-Jahr ging aber nur bis zum 7. November. „Man hat uns gesagt, wir sollen auf die Absage warten, die Ende Januar kommt, und uns einen neuen Platz suchen.“ Wo es dann noch freie Plätze gibt, ist ungewiss. Die unmittelbare Folge für Familie Karthaus: „Wir müssen uns ein zweites Auto anschaffen, das war nicht geplant.“
Acht Thierer Mütter haben sich Donnerstagabend zum Austausch getroffen. Sie sind empört und werfen der Kirchengemeinde St. Nikolaus und dem Erzbistum Köln vor, viel zu lange nicht in das Gebäude investiert zu haben. In einem der Gruppenräume gibt es kein fließend Wasser, es fehlen ein Pausenraum für das Personal und eine Turnhalle.
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Kritik an fehlenden Investitionen
„Der Gipfel ist, dass diese Maßnahme als glimpfliche Lösung präsentiert, das argumentiert wird, dass eine komplette Schließung der Einrichtung auch im Bereich des Möglichen ist“, heißt es in einem Schreiben der Eltern.
Was sie außerdem auf die Barrikaden treibt: Während auf dem Dorf Kita-Plätze verschwinden, entstehen neue in der Stadt: Die evangelische Kita Sonnenkäfer erhält eine sechste Gruppe, neben der Jugendherberge wird eine neue Waldgruppe mit 20 Plätzen eingerichtet. Und schließlich will die Voss-Stiftung eine weitere Kita an der Talstraße errichten. „So macht man Thier unattraktiv für Familien mit kleinen Kindern.“
Gespräche mit der Stadt hätten bislang nichts gefruchtet, beklagen die Mütter. „Das Jugendamt sagt, wir sind nicht der Buhmann, und verweist auf die Kirchengemeinde als Träger“, sagt Blanca Berghaus. Die Eltern verstehen nicht, warum nicht zumindest eine Containerlösung als Übergang in Betracht gezogen wird.
Das sagt der Träger
Die katholische Kirchengemeinde St. Nikolaus ist derzeit noch Träger von sechs Kitas in Wipperfürth. Doch das Erzbistum Köln hat verfügt, dass fünf dieser Kitas – darunter auch Thier – von dem neuen Träger „Katholino“, einem Tochterunternehmen des Erzbistums, übernommen werden. Schlankere und zentrale Verwaltungsstrukturen sollen Geld sparen.
„Dass der Trägerwechsel schon 2026 und nicht erst 2027 geschieht, stand erst kurz vor Weihnachten fest“, sagt Thomas Ufer vom Kirchenvorstand der Gemeinde St. Nikolaus. Sonst hätte man die Eltern früher informiert. „Die Mühlen des Erzbistums mahlen manchmal langsam“, bedauert Ufer. Der Trägerwechsel erfordert eine neue baurechtliche Genehmigung. Und weil die Vorschriften verschärft wurden, darf der neue Träger in St. Anna nur maximal 30 Kinder betreuen.
„Baulich ist die Kita in einem guten Zustand“, betont Ufer. Man sei froh, dass es mit Katholino einen neuen Träger gebe, der zur Einrichtung passe. Andernfalls hätte die Gefahr bestanden, dass die Kita St. Anna geschlossen worden wäre. Eine Erweiterung der Kita sei am Standort nicht möglich.
Das sagt die Stadt
„Alle Eltern, auch die aus Thier, wurden im Vorfeld darauf hingewiesen, dass man sein Kind in bis zu vier Kitas anmelden kann und soll“, sagt Tanja Reinhold, Pressesprecherin der Hansestadt Wipperfürth. Es gebe keine Garantie für einen wohnortnahen Kitaplatz, der Rechtsanspruch gelte für das gesamte Stadtgebiet.
Laut Reinhold können Eltern auch jetzt noch über das Portal „Little Bird“ oder das Jugendamt Bedarf anmelden, es gebe ein Nachrückverfahren. Ende Januar werden die Zusagen verschickt, innerhalb einer Woche müssten die Eltern dann mitteilen, wo sie ihr Kind anmelden. Um Karneval herum stehe dann fest, wo es noch freie Plätze gebe. Dass in Thier jetzt Plätze reduziert würden, sei nicht schön, liege aber nicht in der Verantwortung der Stadt. „Wir erweitern ja gerade das Kita-Angebot“, so Reinhold.
Dietmar Bosbach (UWG) ist Ratsherr für Thier. „Wir wollen alles tun, um die Situation zu entschärfen“, sagt er, dazu soll es Gespräche mit der Verwaltung geben. „In erster Linie sehe ich aber die Kirche in der Pflicht.“

