Mit „Unsere Grüne Glasfaser“ und „Glasfaser Plus“ wollen in Marienheide zwei konkurrierende Unternehmen das Netz ausbauen. Das führt zu Verzögerungen.
KonkurrenzDoppelter Ausbau des Glasfasernetzes verzögert Arbeiten in Marienheide

In Marienheide konkurrieren zwei Unternehmen beim Glasfaserausbau, das macht die Planungen komplizierter.
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Pfeilschnelles Surfen im Internet ohne Ruckeln, das funktioniert nur mit einer Glasfaserverbindung. Doch der Ausbau in vielen ländlichen Regionen kommt nur schleppend voran. In Marienheide ist das Unternehmen „Unsere Grüne Glasfaser“ (UGG) seit Frühjahr 2023 am Start, ebenso in Lindlar und Engelskirchen. Die UGG ist ein Joint Venture der Allianz-Unternehmensgruppe und Telefónica Deutschland.
Bei der Vorstellung des Ausbauprogramms, das vom Oberbergischen Kreis angestoßen wurde, waren alle Beteiligten noch optimistisch. Die Bauarbeiten in Marienheide sollten 2023 beginnen und schon im Jahr 2025 abgeschlossen werden, hieß es. Doch davon ist man Anfang 2026 noch ein gutes Stück entfernt.
Hinter dem Zeitplan
Der sogenannte „eigenwirtschaftliche Ausbau“ klemmt – im Gegensatz zum „geförderten Ausbau“ für besonders benachteiligte Gebiete, der abgeschlossen ist. Davon haben unter anderem die Gewerbegebiete und die Schulen profitiert.
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In Marienheide sind mit der UGG und der Telekom-Tochter Glasfaser Plus (unter Beteiligung eines Investors) zwei konkurrierende Unternehmen am Start, beide wollen einen möglichst großen Teil vom Kuchen abbekommen. Sie betonen, dass man die Leitungen im Open-Access-Verfahren verlege, diese also auch anderen zur Verfügung stelle.
Manche Bürger sind verunsichert
„Wir erhalten im Rathaus regelmäßig Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern“, sagt Christoph Dreiner, Fachbereichsleiter Gemeindeentwicklung in Marienheide. „Viele haben einen Vorvertrag mit der UGG abgeschlossen und bekommen jetzt mit, dass Glasfaser Plus bereits Kabel verlegt“, so Dreiner.
Nach Angaben von Glasfaser Plus habe man im Ausbaugebiet Marienheide-Mitte aktuell 60 Prozent der rund 3000 Haushalte erschlossen, teilweise sind die Glasfaseranschlüsse auch schon aktiv. In Marienheide-Mitte arbeitet Glasfaser Plus mit der Telekom zusammen.
In Müllenbach, Rodt, Stülinghausen und Dannenberg rollen bald die Bagger
Spätestens im April 2026 soll das zweite Ausbaugebiet Marienheide-Süd starten, das die Ortslagen Müllenbach, Rodt, Stülinghausen und Dannenberg umfasst. Hier arbeitet Glasfaser Plus mit der RealBau aus Köln zusammen, 1240 Haushalte will man in Marienheide-Süd anschließen.
Der Glasfaserausbau richtet sich nach dem Telekommunikationsgesetz des Bundes. Kommunen sind demzufolge verpflichtet, jedem Unternehmen, dass Glasfaser verlegen will, eine Aufbruchgenehmigung zu erteilen. Auch wenn das dazu führt, dass ein Bürgersteig gleich mehrmals aufgerissen wird. Das sogenannte „Überbauen“, also ein doppeltes Verlegen von Glasfaser in derselben Straße, dürfen Kommunen nicht untersagen. Die Stadt Waldbröl hatte dies versucht, zog aber vor Gericht den Kürzeren.
Einen Doppelausbau ist ökologisch und ökonomisch völlig sinnfrei. Man baut in den Straßen und in die Häuser ja auch keine zwei Wasser- oder Stromleitungen.
Auch in manchen Teilen von Marienheide bauen beide Unternehmen ein Netz auf. Wobei Glasfaser Plus den Vorteil hat, dass das Unternehmen auf das bereits teilweise vorhandene Glasfasernetz der Telekom zurückgreifen kann.
Bei der UGG ist man auf den Konkurrenten überhaupt nicht gut zu sprechen. „Die Telekom baut oft nur den Kern eines Gemeindegebiets aus und nutzt ihre Marktmacht aus“, kritisiert Jens Lauser, Pressesprecher von UGG. Einen Doppelausbau lehne die UGG ab. „Das ist ökologisch und ökonomisch völlig sinnfrei“, sagt Lauser. „Man baut in den Straßen und in die Häuser ja auch keine zwei Wasser- oder Stromleitungen.“
Für betroffene Adressen ist ein zweiter Glasfaseranschluss nicht grundsätzlich nachteilig: Ein zusätzlicher Anschluss kann die Auswahl an Tarifen und Anbietern erhöhen.
Glasfaser-Plus-Sprecher Frank Griesel sieht dies anders. „Für betroffene Adressen ist ein zweiter Glasfaseranschluss nicht grundsätzlich nachteilig: Ein zusätzlicher Anschluss kann die Auswahl an Tarifen und Anbietern erhöhen.“
Wo genau die UGG in den kommenden Monaten ihr Netz ausbauen wird, ist Geschäftsgeheimnis. „Im Hinblick auf die strategischen und tatsächlichen Überbauaktivitäten der Glasfaser Plus wollen wir dies nicht mehr öffentlich machen. Bereits jetzt wurde unnötig viel Energie und Geld in Planung und neue Planung und Anpassungen gesteckt“, sagt UGG-Sprecher Lauser. Die Verantwortlichen seien aber im Austausch, versichert er.
Klar ist, dass beide Unternehmen – die UGG und Glasfaser Plus – ein großes Interesse am Ausbau im Ortskern haben. Nach Angaben der Gemeinde Marienheide laufen Abstimmungsgespräche im Hinblick auf eine gemeinsame Verlegung von Leitungen.
„Eine Einigung scheint möglich, liegt der Gemeinde aber noch nicht vor“, sagt Christoph Dreiner. Für den Fall, dass diese nicht gelingt, droht die UGG indirekt mit einem möglichen Rückzug aus Marienheide. „Es gibt Orte, da haben wir das bereits gemacht.“
Das sagte der Oberbergische Kreis: 34,9 Prozent aller Haushalte in Oberberg hatten Ende 2024 nach Angaben der Kreisverwaltung einen Glasfaseranschluss. Damit liege man knapp unterhalb des Landesdurchschnitts – bundesweit sogar im oberen Drittel. Bis Ende 2026 erwartet man einen Versorgungsgrad von 81,5 Prozent.
Dieser „sprunghafte Anstieg“ sei Folge der bislang geleisteten Vorarbeit. Vor dem Hintergrund der ländlichen Strukturen und der Ressourcenengpässe am Markt sei dies als Erfolg zu werten. Der Kreis sei nahezu täglich im Austausch mit den Unternehmen. Eine Reduzierung der Anschlusszahlen und eine großflächige Verunsicherung erkenne man nicht, heißt es aus dem Kreishaus. Zum Thema „Überbau“ will sich der Kreis nicht äußern, dies sei Sache der Unternehmen.

