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StreitIG Metall erhebt Vorwürfe gegen Geschäftsführung der Wipperfürther Bernd Richter GmbH

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Ein Arbeiter mit Trillerpfeife (IGM) steht bei einer Kundgebung der IG Metall vor einem Betriebsgelände.

Für Anfang Januar war eigentlich ein neuer Verhandlungstermin angesetzt, der jedoch nicht stattfand.

Die Tarifverhandlungen bei der Kabelfirma in Wipperfürth, einer Tochter des US-Konzerns Amphenol, liegen aktuell auf Eis.

Bei der Bernd Richter GmbH in Wipperfürth stehen die Zeichen auf Arbeitskampf. Geschäftsführung, IG Metall und Betriebsrat  des Unternehmens verhandeln seit Jahren über einen Tarifvertrag. Die Firma, einer Tochter des US-Konzerns Amphenol, stellt Kabel und Steckverbindungen her und zählt  265 Mitarbeiter. Zudem gibt es ein Zweigwerk in Nordmazedonien.

Für den 7. Januar war ein neuer Verhandlungstermin angesetzt. Doch mit einem Aushang – er liegt der Redaktion vor – hat die Firmenleitung die Beschäftigten darüber informiert, dass man diesen Termin abgesagt hat. In dem Aushang ist von „erheblichen und nicht überbrückbaren Differenzen“ mit dem Gewerkschaftssekretär die Rede. „Wir haben die IG Metall gebeten, uns für die weiteren Gespräche einen anderen Ansprechpartner zu nennen. Dieser Bitte wurde nicht entsprochen.“ Und an anderer Stelle heißt es: „Unter diesen Umständen sehen wir uns aktuell nicht in der Lage, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.“

Bernd Richter GmbH Wipperfürth: Arbeitgeber nehmen Stellung

Simon Stefer arbeitet seit 13 Jahren für die IG Metall. „So etwas habe ich in dieser Zeit noch nicht erlebt“, sagt der Gewerkschaftssekretär. Aus seiner Sicht habe die Firmenleitung gar kein wirkliches Interesse an einer Einigung und baue immer neue Hürden auf. Die Firma versuche, mehrere unliebsame Betriebsratsmitglieder fristlos zu kündigen, und wolle dies jetzt vor dem Arbeitsgericht durchsetzen. Zudem würden Teile der Produktion nach Nordmazedonien ausgelagert, entgegen wochenlang vorausgegangener Dementi. „Das ist Gewerkschaftsbashing auf höchstem Niveau“, so Stefer, „wir werden jetzt auf Kampfmodus umstellen“.

Bereits im Oktober 2025 hatte die IG Metall die Beschäftigten zu einer Kundgebung vor dem Firmengelände geladen, um aus ihrer Sicht über die schleppenden Tarifverhandlungen zu berichten. Kurz darauf sei ein Großteil des Betriebsrats zurückgetreten. Das bestätigt auch Alexander Kriebel, der Vorsitzende des Betriebsrats bei Bernd Richter. „Wir fordern die Firmenleitung auf, auf die Gewerkschaft zuzugehen.“

Ulrich Koch ist Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Oberberg und an den Tarifverhandlungen beteiligt. „Die IG Metall ist sehr ungeduldig und will schnell Ergebnisse haben.“ Die Verhandlungen würden zwar lange dauern, man habe sich aber auf erste Zwischenschritte geeinigt.

Weil es bei der Bernd Richter GmbH noch nie einen Tarifvertrag gegeben habe, müsse man über viele Details verhandeln, und das brauche Zeit und Vertrauen. Zudem gebe es einen neuen Personalleiter und mittlerweile den dritten Betriebsratsvorsitzenden, was zu weiteren Verzögerungen führe. „Aus unserer Sicht sind die Verhandlungen nicht gescheitert, sondern nur ausgesetzt“, sagte Koch.

Kevin Rauer ist Geschäftsführer der Bernd Richter GmbH. Er war für eine Stellungnahme am Donnerstag nicht zu erreichen.