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„Katholino“Neuer Träger der Kita in Wipperfürth-Thier übernimmt erst 2027

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Foto einer Frau, die vor einer Bürgerversammlung spricht.

Eine aus Thierer Sicht gute Zwischenlösung brachte die von Bürgermeisterin Anne Loth geleitete Versammlung am Montagabend hervor. 

Mit ihrem Protest haben die Bürger in Wipperfürth-Thier einen Kompromiss erkämpft. Doch nun melden sich die Eltern aus Kreuzberg.

Die gute Nachricht vorneweg: Die Eltern im Wipperfürther Kirchdorf Thier erhalten ein Jahr Aufschub, der Kindergarten St. Anna bekommt erst zum 1. August 2027 einen neuen Träger. Das bedeutet, dass die Kita im kommenden Sommer sehr wohl neue Kinder aufnehmen wird – die Reduzierung von Plätzen ist damit vorerst vom Tisch, der Status quo wird praktisch eingefroren.

Erleichterung in Wipperfürth-Thier

So sieht die zwischen katholischer Kirche und Stadt verhandelte Lösung aus, die Fachbereichsleiter Marius Marondel am Montagabend bei einer Bürgerversammlung in Thier als „gelungenen Kompromiss“ vorstellte – und dafür viel Beifall erhielt. Die Erleichterung unter den gut 250 Menschen, die sich im Dorfgemeinschaftshaus drängelten, war sofort spürbar.

Das Erzbistum sitzt uns im Nacken.
Thomas Ufer, Kirchengemeinde St. Nikolaus Wipperfürth

Schon zuvor hatte Thomas Ufer für die Kirchengemeinde St. Nikolaus versöhnliche Töne angeschlagen: Die Gemeinde müsse sich sicher die Vorwürfe gefallen lassen, dass sie die Eltern zu spät informiert und in der Vergangenheit zu wenig in das Kita-Gebäude investiert habe. Ufer mahnte allerdings auch, die Situation einmal aus Sicht der Steuerzahler zu betrachten. Und er lenkte den Blick nach Köln: Schon seit 2003 fordere das Erzbistum die Trennung von fünf Wipperfürther Gruppen. Lange habe man Entscheidungen verzögern oder „mit Kunstgriffen“ aufschieben können, allmählich verliere man am Rhein aber die Geduld. „Das Erzbistum sitzt uns im Nacken“, so Ufer.

„Katholino“ soll rund 500 Kitas übernehmen

Gaby Eck, die die Kitas vonseiten der Stadt beaufsichtigt, skizzierte das Kernproblem: Weil das Erzbistum Köln bis zum Jahr 2030 seine mehr als 500 Kindergärten (betroffen sind damit 32.000 Mädchen und Jungen) an die Tochter-GmbH „Katholino“ auslagern will, kommt es rechtlich gesehen zum Trägerwechsel. Der wiederum macht es notwendig, die Betriebserlaubnis für jeden übergehenden Kindergarten neu zu beantragen. Zuständig dafür ist der Landschaftsverband Rheinland.

Würde der LVR die aktuellen Maßstäbe an die Thier Kita anlegen, wären die Räume zu klein. Es fehlt an einem mindestens 55 Quadratmeter großen Turnraum und einem Ruheraum, in dem die U3-Kinder ihren Mittagsschlaf halten können. Bislang interessiert den LVR das nicht, weil der Bestandsschutz greift. Im Falle des Trägerwechsels wären aber die neuen Vorgaben relevant. Die Folge: 14 der derzeit 44 Thierer Plätze müssten weg – oder man baut an.

Wipperfürths Bürgermeisterin ruft zur Zusammenarbeit auf

Bürgermeisterin Anne Loth, die diese Versammlung leitete, rief denn auch dazu auf, das zusätzliche Jahr zu nutzen, um eine gute Lösung für St. Anna zu finden. Die Stadt wolle die Kita in Thier erhalten. Allerdings dürfte die Stadt wenig Interesse daran haben, selbst an der Johann-Wilhelm-Roth-Straße zu investieren. Denn im Sommer werden 40 neue Kitaplätze im „Sonnenkäfer“ und einer Waldgruppe in der Innenstadt startklar sein, im Jahr darauf weitere 60 bis 65 Plätze in einem Neubau der Voss-Stiftung folgen.

Auf das Stadtgebiet gesehen – und nur das ist der rechtliche Maßstab im Rathaus – gibt es also genug Plätze. Die Thierer Eltern wiederum argumentieren verständlicherweise, dass man nicht durch die halbe Stadt fahren wolle, wenn man eine Kita im Dorf habe und plädierten für eine „kirchdorfspezifische Ermittlung“ des Bedarfs.

Auch die Kita in Kreuzberg ist betroffen

Ein ganz wesentliches Problem tauchte zudem am Ende der Thierer Versammlung auf: Da meldeten sich Mütter aus Kreuzberg zu Wort. Die dortige Kita St. Raphael soll ab August 2026 zu Katholino gehören und in diesem Zug zehn der heute 45 Betreuungsplätze verlieren – eine entsprechende Mitteilung an die Eltern, die der Redaktion vorliegt, gab es am vergangenen Donnerstag.

Auf ausdrückliche Nachfrage wollten die beiden Katholino-Vertreterinnen die Kreuzberger Situation am Montag nicht kommentieren. Und auch Anne Loth versuchte, das Thema möglichst schnell abzuräumen, „weil die Dinge dort etwas anders liegen“. Sie versprach aber auch den Kreuzbergern eine Bürgerversammlung. Die Eltern haben eine Online-Petition gestartet, die bis Mittwoch rund 600 Menschen unterzeichneten.

https://www.openpetition.de/petition/online/erhalt-der-kita-plaetze-in-der-kath-kita-st-raphael-kreuzberg-in-wipperfuerth