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Alemannia AachenEinseitiger Trikottausch landet vor dem Amtsgericht Bensberg

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Ein Mann trägt ein gelb-schwarzes Alemannia Aachen-Trikot.

Ein Trikot des Vereins Alemannia Aachen zog der Angeklagte einem Jugendlichen aus, bevor er davon lief. (Symbolbild)

Angeklagter soll Jugendlichem Alemannia-Aachen-T-Shirt ausgezogen haben. Nach einer Entschuldigung stellte das Gericht das Verfahren ein.

Ein heißer Tag im Bensberger Amtsgericht. Später Vormittag: Noch steht die Sonne nicht so, dass sie in den Sitzungssaal knallt. Doch die Luft hängt. Die Fenster stehen offen, bringen aber kaum Erleichterung. Es geht um einen sehr einseitigen Trikottausch. Zwei Angeklagte aus einer Gruppe Jugendlicher aus Bergisch Gladbach, die in Köln feierten. In der Nähe des Spätis an der Roonstraße. Viel Alkohol im Spiel. Der Hauptangeklagte, nennen wir ihn Tim, näherte sich einem Jugendlichen aus einer anderen Gruppe, ebenfalls deutlich angetrunken. Er forderte ihn auf, sein Alemannia-Aachen-T-Shirt sofort auszuziehen. Erst Worte, dann Taten: Tim ging auf den Geschädigten zu, zog ihm das T-Shirt aus und rannte weg. „Ich habe das T-Shirt zwei Straßen weiter einfach weggeworfen“, gestand der Angeklagte. Er wisse heute nicht mehr, was ihn da geritten habe. Der Geschädigte verletzte sich leicht – ein Kratzer am Hals. „Ich habe mich nicht gewehrt, weil ich keine Eskalation wollte“, schilderte er. Er wirkte sehr reflektiert.

Bei der Vernehmung sagte die Freundin des Geschädigten, der zweite Angeklagte habe sie etwas abgeschirmt, wohl damit sie keinen freien Blick aufs Geschehen hatte. Sie vermutete das. Danach wurde weiter gestritten, bis die Polizei kam und den Vorfall aufnahm.

Angeklagter entschuldigt sich und überreich 100 Euro für neues Trikot

Besonders unverständlich blieben die Aussagen eines Zeugen aus der Gladbacher Gruppe. Es gebe an der Stelle öfter Auseinandersetzungen, er habe nichts Genaues gesehen, sagte er. Auf die Frage des Richters verneinte er, mit Tim – weder nach dem Vorfall noch vor der Verhandlung – über das Geschehen gesprochen zu haben. „Das wirkt lebensfremd“, meinte Richter Ertan Güven. „Ich verstehe das auch nicht, zumal Tim ihm gesagt hat, dass er das Ganze zugeben wolle. Das wirkt sinnfrei“, erklärte die Verteidigerin Mercedes Ramona Formes. „Das ist oft sinnfrei, was manche Zeugen hier sagen“, bestätigte Richter Güven aus langer Erfahrung als Jugendrichter.

Am Ende akzeptierte der Geschädigte die Entschuldigung des Hauptangeklagten. Tim trat von der Anklagebank, reichte ihm die Hand und übergab einen Umschlag mit 100 Euro für ein neues Trikot. Und das Verfahren? Eingestellt. Für beide Angeklagten, ohne Auflagen. Tim hatte den Schaden durch seine Entschuldigung und die Zahlung wiedergutgemacht. Beim zweiten Angeklagten war die Tatbeteiligung sehr gering. Beide leben in geordneten Verhältnissen, die Jugendgerichtshilfe sah deshalb keine Notwendigkeit für erzieherische Maßnahmen.