Stadtweit betrachtet reicht das Angebot im offenen Ganztag für Erstklässler mit Rechtsanspruch. Aber an drei Grundschulen gibt es, Stand jetzt, nicht genug OGS-Plätze.
Bergisch GladbachIm Ganztag an den Grundschulen wird es jetzt richtig eng

Der Neubau an der GGS Hand in Bergisch Gladbach ist ein Hoffnungsschimmer: Ab August können dort 100 Prozent der Schüler bei Bedarf einen Platz im Offenen Ganztag.
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Ab Sommer haben Grundschulkinder einen Anspruch darauf, auch nachmittags betreut zu werden – zunächst gilt das für Erstklässler. Doch schon in den vergangenen Jahren war es in Bergisch Gladbach so, dass Eltern, die eigentlich einen Betreuungsplatz bräuchten, keinen Platz bekamen. Und viele Einrichtungen fanden kein Personal. Wie also soll das klappen?
Eltern kennen das ja schon. Erst kämpfen sie um einen Platz für ihr Kind im Kindergarten, brauchen dabei Glück und Kontakte, manchmal hilft nur die Androhung einer Klage. Dann versuchen sie, für ihr Grundschulkind einen Platz in der Ganztagsbetreuung zu finden. Und müssen wieder erleben: Das ist nicht einfach.
Für die Erstklässler gibt die Verwaltung jetzt Entwarnung: Im Schuljahr 2026/27 reicht das Angebot der Plätze im Offenen Ganztag auf das ganze Stadtgebiet bezogen für Erstklässler mit einem Rechtsanspruch. Das klingt erstmal gut. In einzelnen offenen Ganztagsschulen (OGS) wird es aber nicht genug Plätze geben. Stand jetzt fehlen an der GGS Heidkamp 23, an der GGS Moitzfeld zehn und an der KGS Frankenforst sieben Plätze für Kinder, die eingeschult werden.
An drei Schulen fehlen Plätze für Erstklässler
Die Verwaltung zeigt sich in ihrer Vorlage, die sie dem Jugendhilfeausschuss in seiner jüngsten Sitzung vorgelegt hat, optimistisch, dass bis August an diesen drei Schulen trotzdem ausreichend Betreuungsplätze angeboten werden könnten, um den Rechtsanspruch zu erfüllen. Die besorgte Nachfrage von Dominik Klaas (SPD), ob dafür bestehende Verträge gekündigt werden müssten, verneint Simone Engelberth, Leiterin der Abteilung soziale Dienste.
Aktuell stünde noch nicht exakt fest, erläutert Fachbereichsleiterin Claudia Werker, wie viele Schüler genau an einer Schule angemeldet, wie viele Plätze genau frei würden, wenn Viertklässler die Schule verlassen oder Eltern Kinder aus anderen Gründen abmeldeten. Die genauen Versorgungsquoten der einzelnen Schulstandorte könnten also erst berechnet werden, wenn das Aufnahmeverfahren Ende März abgeschlossen sei.
Die Stadt plant im neuen Schuljahr 82,8 Prozent der Grundschüler nachmittags zu betreuen, insgesamt 3610 Kinder zwischen sechs und zehn Jahren. Das sind 300 Plätze mehr als aktuell vorhanden. Dabei handele es sich laut Jugendamt um „geplante Maximalzahlen“, die mit den Trägern der Einrichtungen abgesprochen worden seien.
In den Grundschulen wird es jetzt noch enger
Das bedeutet konkret: In Schulen, wo der Platzmangel so groß ist, dass noch nicht einmal allen Erstklässlern ein OGS-Platz hätte angeboten werden können, müssen alle noch enger zusammenrücken: Vereinbart wurden Konzeptänderungen, Mehrfachnutzungen von Klassenzimmern für Unterricht und OGS-Betrieb sowie Anpassungen im Zeitablauf.
Dabei herrscht an den meisten offenen Ganztagsschulen im Stadtgebiet schon jetzt große Platznot. Kinder essen in der Mensa in Schichten. Klassenzimmer werden multifunktional genutzt. Es fehlen Rückzugsorte. Vor allem aber finden viele Einrichtungen kein Personal. „Es wird zunehmend schwerer, geeignetes Fachpersonal zu finden“, bestätigt die Verwaltung eine von Trägern immer wieder geäußerte Sorge, die Qualität der Betreuung aufrechterhalten zu können.
An einigen Standorten sind es nur wenige Plätze, die ab Sommer dazukommen: Zwei an der GGS An der Strunde oder drei an der KGS Steinbreche. Viel mehr sind es an der KGS An der Auen (33), GGS Hebborn (23) oder GGS Schildgen (21).
Traumversorgungsquote an der Grundschule Hand
Das größte Plus erfährt die GGS Hand. Dort profitiert die OGS von einem Erweiterungsbau mit Mensa, der gerade hochgezogen wird und im Sommer in Betrieb gehen soll. „Künftig werden dort 100 Prozent der Schüler bei Bedarf einen OGS-Platz bekommen können“, berichtet die Verwaltung.
Eine solche Traum-Versorgungsquote an einem Schulstandort wird aber vorerst ein Einzelfall bleiben. In Planung sind drei weitere Bauvorhaben an der GGS Wittenbergstraße in Refrath, KGS Frankenforst und GGS Schildgen, die aber erst in den nächsten Jahren realisierbar sind.
Will die Stadt keine Klagen wegen Nicht-Erfüllung des Rechtsanspruchs riskieren, muss sie in den kommenden Jahren weitere OGS Plätze schaffen. Die Planungen sehen eine Aufstockung auf 3800 Plätze im Schuljahr 2029/30 vor.
„Jetzt haben wir uns Jahre lang um die Kitas gekümmert. Jetzt stehen wir vor dem nächsten Problem“, sagt Walter Paduch (Grüne), „wir müssen uns das weiterhin sehr aufmerksam ansehen.“
Ob es mit dem Schulwunsch und dem OGS-Platz klappt, sollen die Eltern bis Ende März erfahren. Bis dahin müssen sie noch zittern.
Stadt investiert 1,2 Millionen Euro
Der bundesweite Rechtsanspruch auf Betreuung für Jungen und Mädchen in den ersten vier Schuljahren wurde 2021 beschlossen. Der Ganztagsanspruch beginnt in diesem Sommer zunächst für die ersten Klassen und wird dann schrittweise ausgeweitet, so dass er ab 2029/30 für alle Grundschüler gilt.
Die Stadt Bergisch Gladbach selbst betreibt keine eigenen Offenen Ganztagsschulen. Wie bei den Kitas überträgt sie diese Aufgabe freien Trägern. Die Aufgabe, den Rechtsanspruch zu erfüllen, obliegt aber der Stadt – andernfalls drohen Klagen oder die Zahlung von Ausgleichsgeldern für eine private Ersatzbetreuung.
Die städtischen Ausgaben für den Offenen Ganztag summieren sich nach Abzug der Elternbeiträge und Einnahmen durch das Land auf 2,2 Millionen Euro. (ub)


