„Ich sehe was, was du nicht siehst“Fotoausstellung in Bensberg eröffnet am Sonntag

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Ausstellung bensberg 250119

Das Künstlerteam

Bergisch Gladbach – Es ist ein außergewöhnliches Projekt, das sich auch nicht so einfach wiederholen lässt: Die Ausstellung „Ich sehe was, was du nicht siehst“ bringt die Perspektiven von zwölf Fotografen zusammen – der Besucher trifft auf eine enorme Bandbreite origineller Sichtweisen. Und das in einem Raum, der wie geschaffen dafür scheint: Ein 500 Quadratmeter großes Ladenlokal in der Schloßstraße 16 a in Bensberg, das nach einem Umbau des Hauses noch ungenutzt ist, steht für die Ausstellung kostenlos zur Verfügung.

Paar-Szenen, bei denen stets die Frau triumphiert, hat Wim Woeber in theaterhafter Weise inszeniert.

Zu diesem Glücksfall kommt ein Brückenschlag zur Musik – auf die Ausstellungseröffnung am Sonntag, 27. Januar, folgt am selben Abend und im selben Raum ein Konzert in der Reihe „Klänge der Stadt“ mit Anselmo Simini (Violine) und Marco Sanna (Klavier). Ingrid Schaeffer-Rahtgens hat das Musikprogramm für den Verein „Wir für Bergisch Gladbach“ auf die Beine gestellt.

Historische Perspektiven

Treibende Kraft für die Fotoausstellung war Marlis Sauer, selbst Fotografin und als Mitveranstalterin der Kunstbörse „l’ art privé“ bekannt. Sie hat Fotokünstler aus der Region um sich geschart und in Dieter Röseler einen Mitstreiter bei der Organisation gefunden. Mit eigenen Fotoarbeiten blickt Röseler auf historische Orte in Deutschland, Orte des Gedenkens. Sie kommen oft unspektakulär daher, etwa die Baulücke in Solingen, wo vor dem rechtsextremen Brandanschlag vom Mai 1993 das Haus der Familie Genç stand. Gerade die Schlichtheit der Arbeiten regt zum Nachdenken an. Eine historische Perspektive trägt auch Philipp J. Bösel bei, der seine Aufnahmen von der Berliner Mauer aus dem Jahr 1984 mit Strandfotos von 2018 konfrontiert: Das Thema Grenze, zwischen Meer und Land, taucht auch hier auf, die optische Ähnlichkeit zwischen Mauer und Dünen ist verblüffend.

Den Alltag von Jugendlichen fängt Ulla Franke überzeugend ein, während Tom Holtgräwe teilweise sehr persönliche Szenen aus seinem privaten Umfeld zeigt – da wird der fotografierte Augenblick zum Kunstwerk, obgleich die Haltung des Fotografen ganz beiläufig ist. Eine völlig andere Sprache findet Wim Woeber mit seiner Serie „Misconceptions“ (Missverständnisse): Er inszeniert theaterhafte Paar-Szenen, bei denen jeweils die Frau triumphiert, das regt den Betrachter sekundenschnell an, sich eine Geschichte dazu auszudenken. Die Atmosphäre von Musiktheater und musikalische Eindrücke hat Gisela Schwarz festgehalten, mit ihrem fotografischen Ansatz des „verlängerten Augenblicks“ nähert sie sich der Aufführung von Stockhausen-Opern, die Akteure scheinen in Bewegung.

Wagen seit 1977 im Dornröschenschlaf

Zum Entdecken regt Wolfgang Zurborn an, da muss der Betrachter unterschiedliche Bildaspekte aus einem Frisörsalon erst zusammensetzen. Dagegen hat sich Dieter Klein selbst auf Entdeckungsreisen begeben und geradezu märchenhaft wirkende, aber reale Orte mit historischen Autos aufgetan: An einem vor Jahrzehnten aufgegebenen Schrottplatz in Schweden ist ein Wald um aufgetürmte Oldtimer gewachsen, in den USA bleibt ein Wagen seit dem Tod des Besitzers im Jahr 1977 unberührt.

Durch das Sehen von faszinierenden Motiven, die anderen nicht auffallen, glänzt Marlis Sauer: Sie hat von Bauarbeitern vollgeschmierte Fensterscheiben an Baustellen fotografiert und dabei wahre Kunstwerke aufgetan. Ähnlich schafft es Wim Cox, in der Rinde von Bäumen allerlei Gesichter zu finden. Und Maurice Cox übersteigert mit seinem Blick auf Kölner U-Bahn-Stationen deren moderne Architektur, es entsteht ein geradezu futuristischer Rausch. Künstlerisch aufgewertet wird aber auch schlichter Plastik-Müll, Thomas Lüttgen gestaltet Collagen aus Müll-Fotos, die er wiederum auf Plastik projiziert.

Vernissage ist am Sonntag, 27. Januar, 18.30 Uhr, in der Schloßstraße 16 a. Das Konzert „Klänge der Stadt“ mit Werken von Mozart, Beethoven, Grieg und Bartók folgt dort um 20 Uhr – der Eintritt ist frei, Spenden sind erbeten. Die Ausstellung bleibt bis 17. Februar zu sehen: dienstags bis sonntags, jeweils von 15 bis 18 Uhr.

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