In Uganda Bergisch Gladbacher bekämpft seit 15 Jahren Armut

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Mehr als 200 Kinder stehen vor dem Schulgebäude in Uganda.

Den Kindergarten in Kitulikizi besuchen schon mehr als 200 Kinder.

Seit 15 Jahren bekämpft Franz Schwope aus Bergisch Gladbach gemeinsam mit den Ugandern Armut in ihrem Land.

In einem kleinen Dorf in Uganda sucht Franz Schwope gemeinsam mit den Dorfbewohnern nach praktischen Lösungen als Ausweg aus der Armut. Jetzt, nach 15 Jahren, blickt der Herkenrather auf eine steile Erfolgsgeschichte zurück: Aus Kitulikizi ist ein Modelldorf geworden.

Das nächste Projekt ist schon in der Planung. Schwope macht in einem Nachbardorf weiter. Der frühere Unternehmer berichtet von seiner jüngsten Reise nach Ostafrika.

Alle haben sich riesig gefreut: „Die Musungos, die weißen Leute, sind wieder da“, lautete die freudige Begrüßung, als Franz Schwope im Oktober nach einer zweijährigen coronabedingten Pause in Kitulikizi ankommt. Der erfolgreiche Gladbacher Unternehmer, seit 2001 im Ruhestand, ist jetzt 81 Jahre alt: „Aber ich muss wohl 100 werden, wenn es danach geht, wie die Leute in Kitulikizi für mich beten.“ Diesmal ist Sohn Marc mitgekommen und zum ersten Mal auch Enkel René.

Papiere blieben beim Zoll in Uganda liegen

Mitgeschickt hat die Familie diesmal zwei Container: „Das war ein Drama“, erzählt Schwope. Die Papiere blieben unbearbeitet beim Zoll in Uganda liegen. Aber zum Glück kannte Schwope jemanden aus dem Nachbardorf von Kitulikizi, der schließlich helfen konnte.

Die voll beladenen Container konnten endlich mit dem Schiff losgeschickt werden. Allein die Transportkosten summierten sich auf 30.000 Euro.

„Von Containern habe ich erstmal die Nase voll“, sagt der Herkenrather. Aber wie er sich selbst kenne, habe er das bald wieder vergessen und werde sich doch wieder auf das Abenteuer einlassen. An Bord waren diesmal: Näh-, Bohr- und Schweißmaschinen, Winkelschneider, Strom-Generatoren, Werkzeugschränke, Fräswerkzeuge, Rasenmäher, Kisten gefüllt mit Schrauben – das meiste von Schwope bei Auktionen im Umland ersteigert oder geschenkt von Unternehmen – wie zehn Umzugskisten mit Campinggeschirr.

Die Schreinerei läuft wirklich super.
Franz Schwope, Bergisch Gladbacher

Für „kleines Geld“ konnten die Dorfbewohner die Mitbringsel auf einem Basar erwerben. „Den Erlös haben wir geteilt“, berichtet Schwope. Die eine Hälfte ist für den Kindergarten, die andere Hälfte für die Reparatur der landwirtschaftlichen Fahrzeuge bestimmt, die Schwope vor drei Jahren geschickt hat.

Die Einrichtungen und Projekte wie Kindergarten, Gemeindehaus, Farmer-Shop und Werkstätten, die Schwope seit seinem ersten Besuch 2007 aufgebaut hat, tragen sich inzwischen fast alle selbst. Die anfängliche Unterstützung von 8000 Euro jährlich etwa für den Kindergarten konnte auf 1500 Euro reduziert werden.

Die Dorfbewohner beim Ausladen der Container, die Franz Schwope schickte.

Die Dorfbewohner beim Ausladen der Container, die Franz Schwope schickte. Sie sind voll beladen mit Maschinen und Handwerksgeräten

Schwope ist es wichtig, dass die Menschen nicht dauerhaft am Tropf seiner Spenden hängen. Es geht darum, Hilfe zur Selbsthilfe zu organisieren.

Einen Impuls zu setzen, dass die Menschen aus eigener Kraft ihre unabhängigen Existenzen aufbauen. „Die Schreinerei läuft wirklich super“, freut sich Schwope, auch wenn seinem kritischen Auge nichts entgeht: „Es hätte ein bisschen aufgeräumter sein können“, sagt er.

Bergisch Gladbacher fliegt einmal im Jahr nach Uganda

Für den Betrieb der Fahrzeughalle mit modernem Bagger und Traktor,   vor drei Jahren geschickt, müsse noch ein Verantwortlicher gefunden werden. Als Anreiz hat sich Schwope ausgedacht: Erwirtschaftet der Betreiber im Monat 100 Euro, gehören die Fahrzeuge ihm.

Man muss bedenken, sagt Schwope, bei seinem ersten Besuch im Dorf Kitulikizi lebten die Menschen ohne Strom, ohne Wasserreservoirs in bitterster Armut. Die Hauptwerkzeuge waren Machete und Harke. „Von der Technik verstehen die Menschen zu wenig. Da muss man sie an die Hand nehmen.“

Deshalb fliegt er einmal im Jahr für zwei Wochen nach Uganda, um den Fortschritt zu kontrollieren. Mit Pater Simon Peter gibt es einen Vertrauten, der hilft, die Nachhaltigkeit der Arbeit sicherzustellen.

Inzwischen gibt es in Kitulikizi 20 Gruppen, Kleinstunternehmen bestehend aus mehreren Familien, die sich auf ein Gebiet spezialisiert haben: Die einen bewirtschaften Fischteiche, andere haben ein Ziegenzucht, bauen Kaffee an oder fertigen Matten und Körbe. Damit die Haushalte sich auf diese Weise eine eigene Existenz aufbauen können, vergibt Schwope kleine Kredite für Anschaffungen. Die Devise seiner privaten Entwicklungshilfe lautet: „Nichts verschenken, die Leute müssen sich beteiligen.“

Franz Schwope inmitten von Menschen aus Uganda, vor ihnen bunte Decken und Matten

Die Dorfbewohner haben sich inzwischen auf verschiedene Tätigkeiten spezialisiert. So auch die Gruppe „Decken und Matten“, die Franz Schwope (Mitte) herzlich empfing.

Dieses Prinzip setzt er auch in seinem „neuen Dorf“, im sieben Kilometer entfernt liegenden Lwanume ein. „Hi Schope“ lautet dort die Begrüßung: „Die Bewohner können kein ‚w‘ aussprechen.“ Um sein privates Hilfsprojekt zu optimieren, kommen neue Ideen hinzu.

So hat der Gladbacher einen Architekten beauftragt, der ein Musterhaus in Holzbauweise entwirft: „Das Material für das Musterhaus werde ich spenden, dann können die Bewohner es nachbauen.“ Und von der kürzlich vereinbarten Zusammenarbeit mit der Hilfsorganisation Ingenieure ohne Grenzen verspreche er sich ebenfalls viel.

Die Schulleiterin in Lwanume wurde von Schwope beauftragt, ein Grundstück mit Stromanschluss zu suchen, um ein Gewerbegebiet zu errichten, damit die Wege kurz sind und man sich untereinander helfen kann. In Kitulikizi seien die Werkstätten einfach irgendwo hingebaut worden.

„Ich bin ein Praktiker und lerne aus meinen Fehlern“, sagt Schwope. Man spürt seine Energie weiterzumachen, die Menschen aus ihrer bedrückenden Lage zu befreien. Sein Ansporn: „Die unermessliche Dankbarkeit der Menschen.“


Bundesverdienstkreuz 2018

Die Eheleute Heidi und Franz Schwope aus Bergisch Gladbach spenden seit 2007 Geld und Hilfsgüter für das Dorf Kitulikizi in Uganda, das zu den ärmsten Ländern der Welt zählt. Für ihr Engagement erhielt das Ehepaar 2018 das Bundesverdienstkreuz.

Das Besondere an ihrem Projekt: Es entsteht ein Modelldorf unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit. Ihren Einsatz sehen die Schwopes als Anregung für andere, sich das Prinzip der Förderung zur Selbsthilfe abzuschauen.

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