Kulturhaus Zanders ist verkauftEvangelisches Krankenhaus erwirbt Immobilie

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Umtost vom rauschenden Verkehr, liegt das Kulturhaus Zanders am Ende der oberen Hauptstraße.

  1. Das Kulturhaus Zanders ist vom Eigentümer, der Familie Zanders, nach Informationen dieser Zeitung an das Evangelische Krankenhaus verkauft worden.
  2. Damit besitzt die Klinik-Holding eine weitere zentrale Immobilie in diesem Bereich.
  3. Mit dem Kulturhaus hätte es das Krankenhaus nun in der Hand, das gesamte Areal als einziger Ansprechpartner mit der Stadt neu zu ordnen.

Bergisch Gladbach – Das Kulturhaus Zanders ist vom Eigentümer, der Familie Zanders, nach Informationen dieser Zeitung an das Evangelische Krankenhaus verkauft worden. Vor einigen Jahren hatte die Krankenhaus-Gesellschaft – zu der auch das Weyertal in Köln gehört – bereits das Grundstück der Alten Feuerwache am Fuß des Quirlsbergs erworben; dort ist derzeit ein Mitarbeiterparkplatz eingerichtet.

Damit besitzt die Klinik-Holding eine weitere zentrale Immobilie in diesem Bereich. Mit dem Kulturhaus hätte es das Krankenhaus nun in der Hand, das gesamte Areal an der Kreuzung Hauptstraße/Odenthaler Straße als einziger Ansprechpartner mit der Stadt neu zu ordnen.

Keine Stellungnahmen

Offiziell äußern wollte sich Hans Wolfgang Zanders über den Verkauf des Gebäudes nicht: „Das ist mir zu früh, darüber möchte ich jetzt noch nicht sprechen“, sagte er auf Anfrage dieser Zeitung. Beim Evangelischen Krankenhaus wird auf die Verkäufer verwiesen. Offizielle Stellungnahmen werde es nur im Einvernehmen mit der Familie Zanders geben.

Der Verkauf des historischen Gebäudes hat für die Stadt auch kulturell weitreichende Konsequenzen. Im Gebäude ist die Papiergeschichtliche Sammlung der Stiftung Zanders untergebracht, das ehemalige Firmenarchiv. Dort ist die 190 Jahre zurückreichende Historie der Papierfabrik dokumentiert sowie die Jahrhunderte alte Tradition der Papierproduktion im Strundetal. Etwa die Hälfte der Fläche des Gebäudes wird seit 1990 von der Sammlung genutzt, die der Stadt 1989 in einem Stiftungsvertrag zugefallen ist. Im Gegenzug sollte diese für eine „angemessene Unterbringung“ sorgen.

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Beliebter Kulturort: Vernissage im Park zu Georg Beckers Installation „Hängeschnurbaum“ im Jahr 2015.

Noch bis 2022 läuft der Mietvertrag zwischen der Stadt und der Familie Zanders, bis dahin muss ein neuer, ebenfalls „angemessener“ Ort für das auch für die Stadtgeschichte bedeutsame Archiv gefunden werden. Betroffen ist außerdem der Altenberger-Dom-Verein, der ebenfalls im Kulturhaus Zanders seinen Sitz hat. Vor 125 Jahren von Maria Zanders gegründet, ist er bis heute aufs engste mit der Fabrikantenfamilie verbunden. Hans Wolfgang Zanders ist Vorstandsvorsitzender des Vereins, sein Sohn Schatzmeister.

Das Archiv zur Geschichte und Architektur des Altenberger Doms umfasst Tausende Fotos und Dokumente sowie kunsthistorische Literatur. Inhaltlich und traditionell überschneiden sich beide Archive; deshalb gibt es nach Informationen dieser Zeitung ein erhebliches Interesse daran, zusammen zu bleiben. Denkbar wäre die Überlegung, die Sammlungen mit dem Stadtarchiv zusammenzulegen. Bei der Stadtverwaltung hieß es auf Anfrage: „Wir haben keine konkreten Planungen für die Verlagerung der Papiergeschichtlichen Sammlung.“

Wichtiger Anker der Stadt

Für die mit Ausstellungsräumen nicht gerade üppig ausgestattete Kunst- und Kulturszene der Stadt ist das Kulturhaus Zanders ein wichtiger Anker. Zuletzt zeigte der Arbeitskreis der Künstler (ADK) hier unter dem Titel „Alles ist eitel“ eine umfassende Werkschau. Zahlreiche bildende Künstler präsentieren ihre Arbeiten in einem schönen Rahmen, von der Beethoven-Schau über die Luther-Ausstellung zur Reformation bis zu deutsch-palästinensischen Kulturtagen – für die verschiedensten Veranstalter ist das Kulturhaus eine erste Adresse.

Bereits 2012 hatte Hans Wolfgang Zanders einen Verkauf des Hauses ins Spiel gebracht. Die Miete – die Rede war von einem hohen fünfstelligen Jahresbetrag – war der Stadt zu hoch gewesen. Aber am Ende einigten sich die Parteien.

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Das Evangelische Krankenhaus wiederum sucht seit Jahren nach Möglichkeiten, räumlich zu expandieren. Krankenhausintern wird der Kauf des Gebäudes inoffiziell als „Befreiungsschlag“ beurteilt. Für die räumliche Nutzung gibt es verschiedene Optionen, etwa als repräsentatives Gebäude. Es könnte als Aushängeschild genutzt – und in die neue Verkehrsführung integriert werden.

Kirche und Kneippverein – ein historisches Gebäude

Maria Zanders, die als Fabrikantenwitwe nicht nur die Geschicke der Papierfabrik mit ihren drei Werken erfolgreich lenkte, sondern sich auch um die Etablierung von Bildung und Kultur an der Strunde sehr verdient machte, gab den Bau des heutigen Hauses Hauptstraße 269 nur zwei Jahre nach dem Bau der großbürgerlichen Villa Zanders gegenüber dem späteren Rathaus in Auftrag.

Das Kulturhaus Zanders steht auf dem Eckgrundstück an der Einmündung der Odenthaler Straße in die Hauptstraße – vis-à-vis dem Waatsack und dem Gelände der ehemaligen Feuerwache , das heute dem Evangelischen Krankenhaus gehört. Direkt daneben: das ehemalige Haushaltswarengeschäft Heuser und die Gaststätte „Quirl’s“ der Evangelischen Kirchengemeinde.

An dieses direkt an der Ecke der Odenthaler Straße liegenden Gebäude von 1876 baute Sohn Hans Wilhelm Zanders um 1901 das Wohnhaus 267 an. Während die Villa als Nachfolgebau des alten Herrenhauses der Schnabelsmühle in ihrem Standort an die Fabrik gebunden war, war für die später in der Presse gelegentlich als Zanders’sches Stadtpalais bezeichneten Wohnhäuser die Lage zur Gnadenkirche ausschlaggebend. Zeitweilig soll hier auch der amtierende Pfarrer Quartier gefunden haben. Zuletzt waren sie Wohnstätte von Elisabeth Zanders, die sich um das Gladbacher Gesundheitswesen, insbesondere den Kneippverein, bemüht hatte.

Nach ihrem Tode wurden die Häuser zu einem Zankapfel: Die Stadt wollte das heruntergekommene Baudenkmal nicht übernehmen. Daraufhin wurde es aus Prestigegründen von der Aktiengesellschaft Zanders Feinpapiere, die damals noch im Geld schwamm, aufs Feinste saniert, um dann aus Versehen (genauso wie die Gronauer Gartensiedlung) mit der Firma an International Paper verkauft zu werden.

Als die Amerikaner sich von dem unproduktiven Irrläufer trennen wollten, kaufte die Familie ihn zurück, um die beiden dort behausten Einrichtungen nicht heimatlos werden zu lassen. Ursprünglich waren sie auf dem Zanders-Werksgelände untergebracht. (gf)

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