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Bergisch GladbachNeue Chefin für die Konversion von Zanders

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Die Frau lehnt sich an einer Hauswand an.

Die neue Geschäftsführerin Maike Krallinger beim Vorstellungstermin in der sogenannten Main-Street, zentrale Hautachse auf Zanders.

Maike Krallinger wird Geschäftsführerin der Zanders Entwicklungsgesellschaft: Die Aufgaben für das Jahrhundertprojekt sind riesig.

Eine der wichtigsten Personalfragen der Stadt Bergisch Gladbach ist beantwortet: Maike Krallinger wird Geschäftsführerin der Zanders Entwicklungsgesellschaft (ZEG). Als Leiterin der städtischen Tochtergesellschaft ist sie zuständig für die städtebauliche Entwicklung des Zanders-Areals im Herzen der Stadt – ein Jahrhundertprojekt angesichts der großen planerischen, technischen, rechtlichen, finanziellen und gesellschaftlichen Herausforderungen.

„Es ist ein großer Tag für uns. Zanders ist eins der wichtigsten Projekte, die wir haben“, sagt Bürgermeister Marcel Kreutz beim offiziellen Vorstellungstermin im „Museum“ genannten denkmalgeschützten Industriegebäude, mittendrin gelegen in der neuen Wirkungsstätte der Diplom-Ingenieurin.

„Mit Frau Krallinger gewinnen wir eine erfahrene Expertin für Stadt- und Quartiersentwicklung, die die anspruchsvolle Entwicklung mit strategischem Weitblick, fachlicher Kompetenz und neuen Impulsen gestalten wird.“ Kreutz bescheinigt der neuen Chefin zudem Weitblick, Führungsstärke und Teamorientierung.

Jetzt gilt es, das Gelände mit Leben zu füllen
Maike Krallinger, Geschäftsführerin Zanders Entwicklungsgesellschaft

„Die ersten großen Grundsteine sind gelegt. Jetzt gilt es, das Gelände mit Leben zu füllen“, sagt die Hauptperson am Tisch. Bei einem ersten Rundgang über das 36 Hektar große Industriegelände habe sich die 51-Jährige einen ersten Eindruck verschafft. Krallinger hebt die „hervorragende Arbeit“ von Udo Krause, stellvertretender Geschäftsführer, und seinem Team hervor.

Krause ist es auch gewesen, der kurzfristig als kommissarischer Geschäftsführer eingesprungen ist, um laufende Prozesse ohne Unterbrechung fortzuführen. „Die Zusammenarbeit mit einem starken Team erleichtert mir den Einstieg sehr“, betont Krallinger. Wie berichtet, ist der im Oktober 2024 eingestellte Geschäftsführer Oliver Brügge nach nur anderthalb Jahren aus privaten Gründen ausgeschieden.

Am 1. August hat Nachfolgerin ihren ersten Arbeitstag. Die künftige Chefin der ZEG lebt mit ihrer Familie in Köln, hat aber auch einen Draht zu Bergisch Gladbach. Denn sie ist in Schildgen aufgewachsen und hat am Nicolaus-Cusanus-Gymnasium Abitur gemacht.

Blick auf die Kulisse von drei Industriegebäuden aus Ziegelsteinen.

Historische Industriebauten prägen das knapp 37 Hektar große Gelände der ehemaligen Papierfabrik im Herzen der Stadt.

Punkten konnte die Diplom-Ingenieurin bei einem bundesweiten, mehrstufigen Bewerbungsverfahren vor allem mit ihrer langjährigen Erfahrung in der Entwicklung ehemaliger Industrieflächen. Einige ihrer Stationen in ihrer über 25-jährigen Berufserfahrung in der Immobilienbranche zählt Krallinger kurz auf: 2017 bis 2022 Wohnkompanie NRW GmbH, inhabergeführtes Unternehmen mit dem Schwerpunkt, nachhaltige Wohnquartiere zu entwickeln, zuletzt als Leiterin der Niederlassung Köln. Die Begleitung des 13 Hektar große Bauvorhabens „werk&wiese in Euskirchen auf dem Gelände der ehemaligen Westdeutschen Steinzeugwerke. Die Umwidmung ehemaliger Kasernen für zivile Zwecke im Auftrag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.

In den vergangenen Jahren hatte man oft den Eindruck, dass es der Politik schon sehr praktisch erscheint, auf dem riesigen Industrieareal alle Träume und Probleme der Stadt zu verstauen: Wohnraum, vor allem bezahlbarer, moderne neue Schulen und Kitas, Handel, Veranstaltungen, Jugendarbeit, Kultur, Freizeit. „Wir können nicht alle unserer Baustellen, hier berücksichtigen“, stellt Kreutz klar.

Aufbau der technischen Infrastruktur ist noch nicht abgeschlossen

„Nachhaltige Stadtentwicklung bedeutet, das Ruder in der Hand halten und es nicht Investoren zu überlassen“, so drückt es Krallinger aus, „die Frage ist, welche Schwerpunkte kristallisieren sich heraus oder verschieben sich, was sind die Bedarfe und Wünsche, die hier oder woanders im Stadtgebiet realisiert werden müssen.“ In diesen grundlegenden Fragen gibt es noch keine klaren Erkenntnisse, dies geht aus dem Gespräch hervor.

Aber es gibt, wie berichtet, einen von Projektteam Zanders und Architekturbüro „Albert Speer und Partner“ im April vorgelegten Entwurf für eine Planungsvariante mit einer Illustration der beschlossenen Leitideen – allerdings ohne Zeitplan. In den präsentierten Skizzen findet sich alles, was ein neues Stadtviertel braucht, vom Supermarkt über eine Kindertagesstätte bis zur Grundschule. Drei- bis fünfgeschossig soll gebaut werden, für 3000 Menschen.

Der Aufbau der technischen Infrastruktur – die Verlegung von Leitungen für Entwässerung, Wärme, Strom, Glasfaser, Trink- und Abwasser – ist  längst noch nicht abgeschlossen. „Dies ist aber eine Grundvoraussetzung für die Vermarktung der Grundstücke“, so Krallinger .

Die Einschätzung ihres Vorgängers, dass Ende 2027 die ersten Bewohner auf Zanders einziehen könnten, stellt sich also als nicht haltbar heraus. Gesetzt sind dafür bisher die Planungen für drei Projekte: Umbau der alten Zentralwerkstatt zum soziokulturellen Zentrum, Umzug der Berufsschulen in einen Campus sowie Einzug der Stadtbücherei in das ehemalige Kantinengebäude. Die Strategie lautet, durch öffentlich initiierte Projekte das Vertrauen von privaten Investoren zu gewinnen, erläutert Krause.

Insgesamt 140 Häuser stehen aktuell noch auf dem Gelände. Für jedes einzelne, außer den denkmalgeschützten Gebäuden, muss noch eine Entscheidung getroffen werden, ob es sich für eine Nachnutzung eignet. „Zanders ist eines der spannendsten Projekte in NRW. Ich freue mich darauf, diese Transformation mitzugestalten“, sagt Krallinger.


Einstimmiges Votum der Findungskommission

Bei dem von einer Agentur geleiteten Bewerbungsverfahren konnte sich Krallinger in der Endrunde gegen 20 Mitbewerber durchsetzen. Zur Findungskommission des ZEG-Aufsichtsrats gehörten neben Bürgermeister Kreutz und den stellvertretenden ZEG-Geschäftsführern zudem die Mandatsträger Theresia Meinhardt (Grüne), Christian Buchen (CDU) und Andreas Ebert (SPD) sowie Dr. Reimar Molitor als Geschäftsführer der Regionale 2025. Die Entscheidung fiel einstimmig aus, berichtet Kreutz.

40.000 Hektar Bruttogeschossfläche sollen geschaffen werden: Davon: 40 Prozent Wohnen, 30 Prozent Arbeiten, 12 Prozent soziale Infrastruktur, 18 Prozent Parken. 180.000 Quadratmeter sind für Verkehrs- und Freiflächen vorgesehen. (ub)