Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 7c des Gladbacher Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums verzichteten für drei Wochen auf ihre Handys.
Bilanz nach ExperimentSchüler aus Gladbach waren drei Wochen ohne Handy

Das Handy-Experiment ist zu Ende. Die Schülerinnen und Schüler stürzten sich regelrecht auf ihre Smartphones. Verena Soworka und Dr. Holger Stawitz gaben die Handys gemeinsam raus.
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An diesem Morgen liegt besondere Aufregung im Klassenzimmer der 7c des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums Bergisch Gladbach in der Luft. Einige Schülerinnen und Schüler haben diesem Moment lange entgegengefiebert: Die Tage ohne Handy neigen sich ihrem Ende zu. Genau hier begann vor drei Wochen auch das Experiment.
Am 4. März gaben 16 Schülerinnen und Schüler sowie zwei Lehrkräfte freiwillig ihre Smartphones für drei Wochen ab. Die Geräte wurden in dieser Zeit im Schulsafe eingeschlossen. Die Idee stammt aus Österreich und wurde dort bereits an mehreren Schulen umgesetzt. Wissenschaftlich begleitet wird der Selbstversuch vom Anton-Proksch-Institut und der Sigmund Freud Privatuniversität Wien.
Fragebögen vor, während und einige Wochen nach der handyfreien Zeit sollen zeigen, was sich durch das Experiment verändert hat. Nun kann die 7c auf die vergangenen Wochen zurückblicken: Alle 16 Teilnehmenden haben durchgehalten und dürfen ihre Smartphones wieder in Empfang nehmen. Schon zur Halbzeit hatte Deutschlehrerin Verena Soworka eine positive Zwischenbilanz gezogen.
Schulkinder ziehen Bilanz: Kommunikation vermisst
Niemand habe aufgegeben und im Unterricht sei alles wie gewohnt gelaufen. Die Schülerinnen und Schüler hätten ihre Erfahrungen zwischendurch besprechen können, allerdings habe es nicht allzu viel Gesprächsbedarf gegeben. Auch Soworka selbst merkte schnell, was ihr fehle und was nicht.
Die Kommunikation mit Familie und Freunden vermisste sie, auf Apps wie Instagram möchte sie auch künftig verzichten. „Die fressen nur Zeit“, sagte sie. Um 9.45 Uhr beginnt schließlich die besondere Unterrichtsstunde. Zunächst tauschen sich die Schülerinnen und Schüler über ihre Erfahrungen aus. Danach füllen sie Fragebögen aus.
Nach dem Applaus folgt das Öffnen des Safes
Einige fühlten sich entspannter oder freier, andere hatten eine noch größere Veränderung erwartet. Auch die Jugendlichen, die nicht teilgenommen hatten, halten ihre Beobachtungen darüber, wie sich ihre Mitschülerinnen und Mitschüler verhalten haben, fest. Dann kommt der Moment, auf den viele gewartet haben. Aufregung breitet sich im Raum aus.
Nach einem Applaus wird der Safe geöffnet und die Schülerinnen und Schüler stürzen sich auf ihre Smartphones. Die erste Euphorie hält allerdings nicht bei allen lange an. „Mein Akku ist ganz leer“, ruft jemand. Doch Klassenlehrer Dr. Holger Stawitz hat vorgesorgt: Mehrfachsteckdosen liegen schon bereit.
Komisches Gefühl für einige – „man hat sich frei gefühlt“
Weil direkt danach der nächste Unterricht beginnt, dürfen die Teilnehmenden ausnahmsweise die große Pause nutzen, um ihre Handys unter Aufsicht wieder zu erkunden. „Das ist gerade ein komisches Gefühl, das Handy wieder in der Hand zu haben“, sagt Melina aus der 7c. „Ich habe manchmal das Gefühl, dass alle erwarten, dass man immer erreichbar ist. In den drei Wochen war das nicht so – man hat sich frei gefühlt.“
Bei anderen fehlte genau diese Erreichbarkeit. „Ich fand es eigentlich relativ entspannt“, erzählt Bruno. „Aber ich konnte nicht einfach meine Eltern anrufen oder Freunden schreiben.“ Eine weitere Schülerin berichtet, dass sie es manchmal schwierig fand, als Letzte von Neuigkeiten aus Whats-App-Gruppen zu erfahren.
Schülerinnen und Schüler ziehen positive Bilanz
Trotzdem bewertet sie das Experiment positiv und würde wieder teilnehmen. Viele erzählen, dass sie mehr Zeit mit Freundinnen und Freunden verbracht haben oder häufiger draußen waren. Insgesamt 15 der 16 Schülerinnen und Schüler würden den Selbstversuch noch einmal machen.
Auch Klassenlehrer Holger Stawitz hält das Experiment für wertvoll. Dadurch, dass die Schule ohnehin handyfrei ist, habe sich am Unterricht zwar wenig verändert, sagt er, dennoch nehme jeder etwas daraus mit. „Die Schülerinnen und Schüler merken nun, wie oft man im Alltag vom Handy getriggert wird und wie frei man auch ohne sein kann.“ Er könnte sich vorstellen, dass ähnliche Projekte künftig auch in anderen oder älteren Klassen stattfinden.
Ob und wann es einen neuen Versuch am NCG geben wird, ist noch offen. Sicher ist aber: Die Schülerinnen und Schüler der 7c haben in den vergangenen drei Wochen eine besondere Erfahrung gemacht und werden einiges daraus mitnehmen.

