Anwohner der Laurentiusstraße wurden von Bauarbeiten überrascht. Stadt widerspricht und verweist auf Postwurfsendung.
Bergisch GladbachTiefgarage ohne Vorwarnung blockiert

Die Bagger leisten seit Montagmorgen ganze Arbeit in der Laurentiusstraße in Bergisch Gladbach.
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Anwohner eines Mehrfamilienhauses an der Laurentiusstraße sind aufgebracht. Die Straße inklusive der zum Haus gehörenden Tiefgarage ist gesperrt – und sie wussten nichts davon. Die Stadtverwaltung dagegen betont, Anlieger seien rechtzeitig über Zeitpunkt und Umfang der Bauarbeiten informiert worden.
Gaby Breidenbach ist am Montag immer noch fassungslos: „Ich wollte am Sonntagabend nach Hause und komme mit dem Auto nicht mehr in die Tiefgarage.“ Alles gesperrt, ohne jede Vorwarnung, dass die Bauarbeiten am Montag starten, berichtet sie. Auch ihre Nachbarn im Haus 51, elf Parteien wohnen dort, seien davon überrascht worden. „Ich dachte erst, ich hätte etwas verpasst, aber den anderen im Haus, mit denen ich gesprochen habe, geht es genauso wie mir.“ Alle seien stinksauer.
Stadt weist Vorwürfe zurück
Die Stadtverwaltung ist sich jedoch keiner Schuld bewusst. „Die betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner wurden rechtzeitig in Form einer Postwurfsendung durch die ausführende Firma über Zeitpunkt und Umfang der Maßnahme informiert“, sagt Sprecher Mark Pawlowski auf Nachfrage dieser Zeitung, „dies wurde uns auf Nachfrage nochmals bestätigt.“
Im Haus 51 ist nichts angekommen. „Auch bei meinen Nachbarn nicht“, berichtet Breidenbach. Offenbar ist das Haus beim Austragen der Infopost vergessen worden – ausgerechnet die einzige Immobilie im Baustellenabschnitt mit privater Garage. „Dabei wurde uns fest versprochen, dass wir frühzeitig über die Straßensperrung vor unserer Haustür informiert werden“, sagt Breidenbach. Dies hätten ihr der Bauleiter der Stadt und das Bauunternehmen zuletzt noch in persönlichen Gesprächen versichert.
Patientin muss sich den Weg über das Geröll bahnen
Die Bagger und Baumaschinen sind am Montagmittag schon lautstark vorgerückt bis zur Kreuzung zur Straße Im Broich. Asphaltreste und Erdreich türmen sich vor den Häusern zu kleinen Halden auf. Aus der Haustür raus oder rein kommt man nur über eine Rampe. Wenn man eine hat.
Die Besitzerin einer Physiotherapiepraxis winkt aufgeregt einen Bauarbeiter zu sich heran. „Wie soll meine Patientin hier wegkommen?“, ruft sie ihm zu. Ein Holzübergang wird über das Geröll gelegt. Eine ältere Dame in Begleitung versucht, sich mit ihrem Rollator einen Weg entlang der Hauswände zu bahnen, ohne anzuecken. Das Auto parkt direkt hinter der Straße Am Broich, dann hat sie es endlich geschafft.

Die Bewohner des Mehrfamilienhause sind von der Straßensperrung überrascht worden.
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Als Breidenbach am Sonntagabend vor der rot-weißen Absperrung landet, hat sie viel Gepäck im Auto, sie kommt vom Sport. Zum Glück habe die 56-Jährige diese Sachen bei ihrer Mutter zwischenlagern können. Denn nach einer Schulter-OP, die sie vor kurzem hatte, könne sie nicht schwer tragen.
Gerne hätte sie deshalb Vorkehrungen getroffen für die Zeit ohne Parkplatz, etwa auf Vorrat Getränkekästen eingekauft. „In meinem Haus wohnen einige ältere Menschen, die schlecht zu Fuß sind. Ich weiß nicht, wie sie jetzt klar kommen werden“, meint Breidenbach, „wir können uns ja nichts liefern lassen, weil wir abgeschnitten sind von der Außenwelt.“

Asphaltbrocken türmen sich zu kleinen Bergen.
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Gleich morgens hat sie versucht, bei der Stadt anzurufen, auch eine E-Mail geschrieben. Bis Redaktionsschluss bekommt sie keine Antwort. „Das ist wirklich eine Unverschämtheit“, macht sie ihrem Unmut Luft. Zwischen Wut und Aufregung sei sie auch emotional angefasst: „Ich fühle mich übergangen und ausgeliefert“, sagt die Bergisch Gladbacherin, die von sich selbst sagt, sie habe sich von klein auf eng mit der Stadt verbunden gefühlt. „Sich gar nicht zurückzumelden, das ist einfach bodenlos.“
Zu viele Fragen stünden im Raum. Wohin kommen die Mülltonnen und wer holt sie ab? Bekommen wir eine Rückerstattung, für die Zeit, die die Tiefgarage nicht genutzt werden kann? Wie kommt der Notarzt zu ihrem Haus? Von der Stadt erwarte sie vor allem aber eine Entschuldigung: „Man hat uns vergessen.“
Zwar hat die Stadtverwaltung den Anliegern der Laurentiusstraße für die Zeit der Bauarbeiten die Möglichkeit eingeräumt, über die Ordnungsbehörde Ausnahmegenehmigungen für das Parken auf umliegenden Parkplätzen zu erhalten: an der Buchmühle, an der Straße Am Broich, an der Gnadenkirche und an der Schnabelsmühle. Die Ausweise werden laut Verwaltung ausschließlich nach Bedarf, zeitlich begrenzt und abhängig vom Baufortschritt ausgestellt.
Auch da hätte sich Breidenbach mehr Entgegenkommen der Stadt gewünscht. „Dass wir in der Nähe feste Plätze etwa in der Tiefgarage des Marienkrankenhauses oder im Parkdeck an der Odenthaler Straße bekommen.“
Umleitungen sind ausgeschildert
Noch bis Ende April sollen die Bauarbeiten im zweiten Bauabschnitt auf der Laurentiusstraße laufen. Die Strecke zwischen der Ausfahrt des Marienkrankenhauses und Hausnummer 72, die noch hinter der Abzweigung Am Broich liegt, ist seit Montag voll gesperrt.
Der Verkehr wird durch das erste, bereits sanierte Straßenstück gelenkt und dann durch die Buchmühlenstraße geführt. Die Umleitungen sind laut Stadt ausgeschildert. (ub)