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Pachtvertrag verlängert
Warum es für Zanders in Gladbach doch noch Hoffnung gibt

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Mit neuem Eigentümer wird bei Zanders weiter produziert.

  • Drei weitere Monate gilt der Pachtvertrag zwischen der Papierfabrik Zanders und der Stadt Bergisch Gladbach
  • Bürgermeister Lutz Urbach hegt mit dem Einstieg von Tom Olander in das Unternehmen eine neue Hoffnung für einen langfristigen Erhalt.
  • Lesen Sie hier, wie es aktuell um das Bergisch Gladbacher Traditionsunternehmen steht.

Bergisch Gladbach – Die Produktion bei Zanders wird mindestens bis Ende Dezember weiter laufen. Die Stadt wird den Pachtvertrag mit dem Unternehmen erneut um drei Monate verlängern. Bürgermeister Lutz Urbach erklärte im Arbeitskreis Zanders den Politikern seinen Blick auf die Papierfabrik. Und danach sei es gerechtfertigt, den Pachtvertrag mit Zanders zu verlängern.

Im Gespräch mit dieser Zeitung sagte Urbach: „Meine Hoffnung auf eine langfristige Zukunft für das Werk ist immer noch größer als meine Überzeugung, aber ich sehe mit dem Einstieg von Tom Olander eine neue Qualität in der Unternehmensführung.“

Papierfabrik wird weiter unterstüzt

Tom Olander ist der Chef von Jool Invest, dem schwedischen Unternehmen, das inzwischen nach Informationen dieser Zeitung die Mehrheit bei Zanders übernommen hat. Jool Invest gehören zum Beispiel 51 Prozent der schwedischen Papierfabrik „Lessebo Paper“ und hat weitere Beteiligungen in der Holz- und Papierindustrie. Teilnehmer des Arbeitskreises berichteten, dass die Verlängerung des Pachtvertrages nicht strittig war. Solange für die Stadt kein Risiko bestehe, werde die Papierfabrik weiter unterstützt. Und es gebe kein Risiko, da die Pachtzahlung abgesichert sei.

Zeitplan bis September 2022 für das zanders-gelände

Der Umbau des 37 Hektar großen Geländes der Papierfabrik Zanders und die Einbindung in die Stadtmitte gelten in der Stadtverwaltung als „Jahrhundertaufgabe“. Künftige Nutzungsstrategien sollen über ein Integriertes Handlungskonzept in ein Projekt der Regionale 2025 „Bergisches RheinLand“ einfließen.

Nach mehreren internen Workshops und Werkstatttreffen wird es im November eine erste große Informationsveranstaltung zum Zanders-Areal für die Bürgerschaft geben (Datum noch offen). Angestoßen werden soll bei dem Treffen eine stadtweite Diskussion zur Entwicklung des Geländes. Die Bürger sind an diesem Tag eingeladen, ihre Ideen zur künftigen Gestaltung des Fabrikgeländes einzubringen, in kleinen Gruppen sollen Leitideen und Leitbilder entwickelt werden. Im Januar und Februar 2020 folgen ergebnisoffene Themenabende, an denen Fachreferenten mit interessierten Bürgern diskutieren. Im März und April 2020 sollen Workshops (mit Bürgern, Planern, Verwaltung, Politik, Vereinen, Wirtschaft) Visionen erarbeiten.

Tragfähige Aussagen sollen in einem Workshop (Mai 2020) entwickelt werden, eine öffentliche Abschlussveranstaltung ist dann für Mai oder Juni 2020 geplant. Die Politik soll den Leitideen vor der Sommerpause 2020 zustimmen. Nächster Schritt soll ein planerischer Ideenwettbewerb auf Basis der Leitgedanken (Herbst 2020) und die Kür eines Siegers zum Jahresende 2020 sein. Im Frühjahr 2021 soll das Wettbewerbsergebnis den B-Status (nächsthöhere Stufe im Regionale-Verfahren) bei der Regionale ermöglichen. Das Siegerbüro wird anschließend eingeladen, einen städtebaulichen Rahmenplan/Masterplan für das gesamte Gelände von Zanders (mit Beteiligung der Öffentlichkeit) vorzulegen, Abschluss Ende 2021 oder Anfang 2022.

Der Masterplan gilt bei der Stadt als Bedingung für den A-Stempel der Regionale (Durchführungsreife). Bis Sommer 2022 soll dieser Masterplan für Zanders ins Integrierte Handlungskonzept einfließen; mit ersten umsetzbaren Maßnahmen. Vor der Sommerpause 2022 soll die Politik dieses Handlungskonzept verabschieden. Ein Grundförderantrag soll gemeinsam mit dem Konzept bis 30. September 2022 bei der Bezirksregierung eingereicht werden. (cbt)

Mit einem komplizierten Vertrag – es handelt sich um einen „Duldungsvertrag“ und die Zahlung erfolgt über den Insolvenzverwalter – sieht sich die Stadt auf der sicheren Seite. Die tatsächliche wirtschaftliche Situation im Werk sei für die Politik nicht wirklich zu beurteilen.

Stimmung im Werk sei „ausgesprochen positiv“

Taner Durdu, der Betriebsratsvorsitzende von Zanders, begrüßte die Vertragsverlängerung ausdrücklich. „Und ich bin überzeugt, dass wir zum neuen Jahr einen richtigen Pachtvertrag mit der Stadt verhandeln können.“ Im Werk sei die Stimmung ausgesprochen positiv. „Auch wenn der Bürgermeister noch nicht hundertprozentig überzeugt ist, wir sind es.“ Mit der Jool Invest und Olander würden jetzt genau die richtigen Fachleute im Werk sein.

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Viele für die Papierfabrik wichtigen Fragen könnten nun geklärt werden. Einer der Gründe, warum Zanders Insolvenz anmelden musste, seien die hohen Zellstoffpreise gewesen. Inzwischen würden die Preise sinken. Und mit der Jool-Gruppe und ihren Verbindungen könnten langfristige, günstige Lieferkonditionen für Zellstoff ausgehandelt werden.

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