Von Gladbacher erfundenDrei Euro für eine Portion Pommes aus dem Automaten

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Das Foto zeigt Stefan Ohligschläger, der an seinem Frittenautomaten an der Reuterstraße 110 steht.

Stefan Ohligschläger steht vor seinem Frittenautomaten am Haus Reuterstraße 110 in Bergisch Gladbach.

Der Gladbacher Unternehmer Stefan Ohligschläger hat den Pommes frites-Automaten entwickelt, der in Bergisch Gladbach steht.

Leise rumpelt es im Automaten, ein langgezogenes Zischen und Brummen ist zu hören. Im Innern arbeitet die Maschine jetzt emsig: Fritten fallen ins heiße Öl. Es knistert irgendwo, Öl rinnt in einen Trichter, die Fritten wandern weiter, werden ein zweites Mal durchfrittiert.

Ein Schieber unten am Automaten öffnet sich nach fünf Minuten. Und wie von Zauberhand kommt ein Schälchen mit goldgelben Pommes frites heraus, wahlweise mit oder ohne Salz, mit Mayo oder Ketchup.

Alle 35 Sekunde eine neue Portion Pommes

Damit kann der schnelle Hunger zwischendurch gestillt werden. Bei Andrang liefert der besondere Apparat alle 35 Sekunden. Fünf Minuten sind der Eco-Modus, 35 Sekunden der Schnelldurchlauf. Drei Euro kostet eine Portion aus dem Frittenautomaten.

Das Foto zeigt das Innenleben des Pommes-Automaten an der Reuterstraße.

Das Innenleben des Pommes-Automaten an der Reuterstraße.

Die Reuterstraße in der Stadtmitte ist ja eigentlich eine ganz normale Wohnsiedlung. Dass von hier aus die Geschichte des Schnellimbisses neugeschrieben werden könnte, glaubt Stefan Ohligschläger. Was heißt „glaubt“: Mittlerweile ist er überzeugt davon. Auf einem unscheinbaren Privatparkplatz vor dem Haus Nummer 110 steht nämlich der „Pommat“, Ohligschlägers „Pommat“.

Das Stück ist so groß und wuchtig wie ein Kleiderschrank, und, so sagt Ohligschläger, der weltweit erste funktionierende Pommes frites-Automat. Sieben Tagen die Woche, 24 Stunden am Tag könne die Maschine Fritten machen. „Kross müssen sie sein, nach belgischer oder französischer Art“, sagt Ohligschläger. „Und kross werden sie.“

So etwas gibt es bislang nicht. Eine absolute Marktlücke
Stefan Ohligschläger, Erfinder des Pommes-Automaten

Labbrige Stäbchen mag der Tüftler überhaupt nicht. Damit sie auch wirklich alle knackig werden, erhitzt der geheimnisvolle Automat die Stäbchen auf 175 Grad hoch.

Am Anfang sei es eine Schnapsidee gewesen, sagt der Fritten-Macher. Ohligschläger kommt aus der Reisebranche, im Urlaub in Österreich kam er mit Freunden auf die Idee des Frittenautomaten. „So etwas gibt es bislang nicht. Eine absolute Marktlücke“, sagt der Gladbacher.

Mit den Freunden aus Österreich und seinen Söhnen, die im Siegerland ein Konstrukteursbüro haben, machte sich Ohligschläger ans Werk, gründete eine GmbH. „Aber die Maschine ist deutlich komplizierter als ein Cola-Automat. Da werden ja nur die Flaschen nach vorne aus dem Regal geschoben.“

Technische Komponenten sollen geheim bleiben

Fritten aus dem Automaten: eine schwierige Materie, wegen der tiefgefrorenen Pommes und wegen des Öls, das heiß zu den Fritten kommen müsse. Deswegen gebe es bislang auch kaum Frittenautomaten.

Das System dahinter will Ohligschläger bewusst nicht preisgeben. Mit einem schnellen Blick in den Automaten könne das auf keinen Fall erkannt werden, die technischen Komponenten seien entscheidend. Und sie sollen geheim bleiben, sagt der Pommes-Mann.

Es knallt immer zwischen 0 und 5 Uhr
Stefan Ohligschläger über seinen Pommes frites-Automaten

Sonst kopierten die Chinesen sein System, und seine Geschäftsidee wäre gefährdet. Gefertigt werden die Automaten in Kroatien, der Kosten wegen. Rund ein Dutzend hat Ohligschläger auf Lager, irgendwo im Bergischen.

Ein wenig Know-how für Pommes sei aber schon erforderlich, rät er. Groß Werbung für seine Erfindung hat er noch nicht gemacht, und auch in Bergisch Gladbach wisse längst nicht jeder vom Frittenautomaten. „Es knallt immer zwischen 0 und 5 Uhr“, beschreibt er salopp den nächtlichen Andrang. Mit der S-Bahn kämen die Nachtschwärmer am Bahnhof an, wanderten die Straße hinauf und sähen den Automaten. Die Fritten als Spontankauf seien gerade zu den Nachtzeiten sehr beliebt.

Automaten von Bayern bis an die Ostsee

Pommes-Automaten hat Ohligschläger bereits mehrfach nach Bayern verkauft, oft an Frittenbudenbetreiber. Sie könnten damit ihr Angebot außerhalb der Öffnungszeiten ausbauen. Auch in Scharbeutz an der Ostsee sei sein Pommat zu finden.

Seit kurzem habe er auch Anfragen von Universitäten aus ganz Deutschland auf dem Tisch. Als Ergänzung zur Mensa sollen sie eingesetzt werden, sagt er. Das spare den Unis Personalkosten. Der Fachkräftemangel in der Gastronomie könnte die Nachfrage weiter anfeuern. „Es läuft ganz gut mit dem Pommaten“, findet Ohligschläger. Die Revolution des Schnellimbisses sei im Gange.

Und an der Reuterstraße in Bergisch Gladbach habe alles seinen Anfang genommen.

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