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Spenden-HilferufHaus Hardt kämpft um seine Zukunft

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Benjamin Stapf, der Pächter des Naturfreundehauses Haus Hardt in Bergisch Gladbach, steht neben der sanierungsbedürftigen Kläranlage von Haus Hardt.

Neben dem Spielplatz (l.) ist die unterirdische, zu erneuernde Kläranlage abgesperrt. Das Erlebnispädagogik-Programm von Benni Stapf ist vielseitig. Collage

Naturfreunde Köln müssen rund 70.000 Euro für neue Kläranlage in Bergisch Gladbach aufbringen – und bitten dringend um Spenden.

Es ist ein Problem, das man im Naturfreundehaus Haus Hardt am liebsten schnell im Boden verschwinden lassen würde. Doch genau dort liegt es: Die alte Kläranlage des beliebten Ausflugsziels mitten in der grünen Mitte der Kreisstadt funktioniert nicht mehr. Rund 70.000 Euro benötigen die Naturfreunde Köln für eine neue Anlage. Geld, das der gemeinnützige Verein nach eigenen Angaben nicht hat. Jetzt geht es um die Zukunft von Haus Hardt.

Und solange eine dauerhafte Lösung fehlt, fährt einmal in der Woche ein Tankwagen durch den Wald der Hardt zum Naturfreundehaus. Der Wagen pumpt das Abwasser ab, das dort nicht mehr gereinigt und in den Untergrund eingeleitet werden kann. Rund 500 Euro kostet jede Fahrt. Seit Mai sind so bereits etwa 9000 Euro zusammengekommen. Das ist nur eine teure Zwischenlösung.

Unser kleiner Verein ist mit diesen Kosten überfordert. Wir schaffen es nicht mehr, aber wir wollen das Haus auf keinen Fall aufgeben.
Joachim Römer, Vorsitzender der Kölner Naturfreunde

Deshalb haben die Naturfreunde Köln, denen das Haus gehört, eine Spendenkampagne gestartet. Für Pächter Benjamin „Benni“ Stapf, der Haus Hardt zugleich als Erlebnispädagoge zu einem wichtigen Anlaufpunkt und Kooperationspartner für unterschiedlichste Natur-, Umwelt- und Sozialprojekte entwickelt hat, ist die Lage sehr ernst, auch wenn Haus Hardt nicht unmittelbar vor der Schließung steht. Aber: Ohne dauerhafte Lösung werde es schwierig.

Haus Hardt ist nicht an die öffentliche Kanalisation angeschlossen. Der Rheinisch-Bergische Kreis hat bestätigt, dass die bisherige Anlage, die über die Jahrzehnte marode geworden ist, das Abwasser nicht mehr ausreichend reinigen kann, sodass es anschließend auch nicht mehr in den Untergrund eingeleitet werden darf. Derzeit wird es gesammelt und abgefahren. Eine dauerhafte Lösung ist das nicht.

Kläranlage muss zum großen Teil vollständig erneuert werden

Bevor gebaut werden kann, muss allerdings geklärt werden, wie die neue Anlage überhaupt aussehen kann. Ein Gutachten mit Probebohrungen soll zeigen, wo das gereinigte Wasser künftig versickern kann und wie die Anlage dimensioniert werden muss. Die genannten 70.000 Euro sind deshalb nur eine Schätzung. Je nach Ergebnis könne es auch teurer werden.

Kompliziert wird die Planung durch die stark schwankende Auslastung. An gut besuchten Sonntagen fallen erheblich größere Abwassermengen an als im Winter. Stapf zufolge wird deshalb mit der Unteren Wasserbehörde geprüft, ob eine Kleinkläranlage mit vorgeschalteter Kammer die Spitzen abfangen kann. Die technische Lösung steht noch nicht fest.

Haus Hardt ist unser Lebenstraum.
Benjamin Stapf, betreibt das Naturfreundehaus mit seiner Partnerin Tina Liebmann als Pächter

Für Benjamin Stapf und Partnerin Tina Liebmann, die an Haus Hardt auch mit ihrer Familie leben und immer wieder selbst in die Gebäude aus eigener Tasche investieren, bringt die aktuelle Übergangslösung zusätzlichen Aufwand. Täglich lesen sie die Wasserzähler von Gasthaus und Wohnhaus ab und melden die Werte an die Wasserbehörde. So sollen belastbare Daten über die Abwassermengen entstehen. Die Zusammenarbeit mit der Behörde beschreibt Stapf als sehr konstruktiv: „Es sind wirklich alle an einer guten Lösung interessiert.“

Für die Naturfreunde ist Haus Hardt weit mehr als eine Gaststätte. Das frühere Steigerhaus gehörte zum Erzbergwerk Grube Blücher; auf dem heutigen Parkplatz stand einst ein Förderturm. 1958 erhielten die Naturfreunde das Haus als Entschädigung für die Enteignung ihres Arbeiterwandervereins durch die Nationalsozialisten 1933.

Verein, aber auch Pächter haben bereits viel Geld in den Hauserhalt gesteckt

Darauf verweist auch Joachim Römer, Vorsitzender der Kölner Naturfreunde, im Spendenaufruf: „Der Berg unter Haus Hardt ist durchzogen von alten Bergbauschächten und birgt Schwermetalle und andere chemische Rückstände. Um Schaden abzuwenden brauchen wir eine neue Kläranlage.“

Der Verein hat bereits viel Geld in Haus Hardt investiert, unter anderem in ein neues Dach und eine Pelletheizung. Pacht und Mitgliedsbeiträge allein aber reichen für eine Investition der nun anstehenden Größenordnung nicht aus.

Manche Großeltern, die heute Haus Hardt besuchen, kamen schon als Kin hierher

Römer formuliert die Lage drastisch: „Unser kleiner Verein ist mit diesen Kosten überfordert. Wir schaffen es nicht mehr, aber wir wollen das Haus auf keinen Fall aufgeben.“ Und er verweist auf die Bedeutung solcher Orte: „Die Städte werden immer heißer. Orte im Grünen für Familienausflüge und Klassenfahrten braucht es dringender denn je. Generationen von Menschen hier im Bergischen hatten in Haus Hardt eine zweite Heimat.“

Benni Stapf und Tina Liebmann führen Haus Hardt seit zwölf Jahren. Sie haben den Ausflugsort weiterentwickelt und natur- sowie erlebnispädagogische Angebote ausgebaut. „Es ist unser Lebenstraum“. Immer wieder erzählen ihnen auch ältere Gäste, sie seien schon als Kinder hier gewesen, später mit den eigenen Kindern gekommen und heute mit den Enkeln.

Groß angelegte Spendenaktion soll Haus Hardt nun retten

Diese Verbundenheit zeigt sich nun bei der Spendenaktion. Übers Wochenende ist der Spendenstand bereits auf über 23.300 Euro gestiegen. Einzelne Unterstützer geben bis zu 1000 Euro, andere fünf, 50 oder 100 Euro und schreiben dazu, wie wichtig ihnen Haus Hardt sei.

Was geschieht, wenn die 70.000 Euro nicht zusammenkommen, ist offen. Eine Schließung hoffen die Pächter ebenso wie die Naturfreunde abwenden zu können. Fest steht für den Verein ebenso wie die langjährigen Betreiber: Haus Hardt soll erhalten bleiben.

Wer Haus Hardt unterstützen möchte, kann über die Spendenplattform www.betterplace.org spenden oder direkt an die Natur-Freunde Köln. Das Spendenkonto hat die IBAN DE17 3702 0500 0001 2746 00, als Verwendungszweck ist „Zukunft NFH-Hardt“ anzugeben.