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Kunst mit vielen GesichternVeronika Moos zeigt Werke aus über 40 Jahren in Herkenrather Galerie

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Veronika Moos steht neben einem Kunstwerk aus geflochtenem Papiergarn.

Mit verschiedenen natürlichen Materialien arbeitet die Künstlerin heute.

Malerei, Skizzen und Installationen mit Löwenzahn: Veronika Moos präsentiert ihre vielfältigen Werke im Partout Kunstkabinett.

Ein Hauch von Frühling liegt in der Luft im Kunstkabinett Partout in Herkenrath. An einer Wand hängt in Reihen aufgefädelter Löwenzahn, nicht gelbe Blüten sondern weiße Pollen, die auch vereinzelt durch den Raum fliegen und sich auf Boden und Fensterbank verteilen.

„Das Spannende an der Pflanze sind ihre vielen Facetten“, sagt Veronika Moos, Künstlerin aus Bensberg, die ihre Werke an den Wänden und auf dem Boden der Galerie ausstellt. Leichtigkeit und Vergänglichkeit vereinen sich im Löwenzahn, eine einzigartige Metamorphose.

Skizzen mit Ölkreide erlauben einen Einblick in die frühe Schaffensphase

„Vierzig Schatten von Weiß“ lautet der Titel der Ausstellung, ab diesem Samstag (25. Juli) in Herkenrath zu sehen. Und auch wenn der Löwenzahn in seiner weißen Facette an der Wand hängt, so müssen Besucherinnen und Besucher nicht lange nach Farbe suchen. Skizzen mit bunten Ölkreiden zeigen etwa braune Stühle, beige Häuser und grüne Felder. Sie hat die Künstlerin in einer frühen Schaffensphase angefertigt, 1985 um genau zu sein.

Anfang der 2000er dann hat sie sich dieselben Farben, die von einigen dieser Bilder stammen, erneut vorgenommen und als ineinander verwobene Linien aufs Papier gebracht. Doch auch in den bunten Werken taucht weiß auf. „Denn die Grundlage bildet das weiße Blatt“, erklärt Moos.

Ich zeige hier über 40 Jahre Kunst
Veronika Moos, Künstlerin

Den großen Teil der Ausstellung allerdings machen Installationen aus, meist aus natürlichen Materialien und aus einer Zeit, in der die Künstlerin sich weiter- und von Malerei wegentwickelt hat. „Ich zeige hier über 40 Jahre Kunst“, sagt sie.

Eine Installation besteht aus Kalkstein, der an blauen und weißen Schnüren von der Decke hängt und durch den Raum zu schweben scheint. Leichtigkeit und Schwere vereint in einem Werk. Und auch die Metamorphose tritt wieder in Erscheinung: „Der Kalkstein besteht aus toten Schalentieren“, erklärt Moos, die damit auch die „Klimathematik“, wie sie sagt, aufgreifen will. „Wird Herkenrath mal am Meer liegen? Oder lag es mal am Meer?“, fragt sie, fragt das Kunstwerk. Die Frage nach Veränderung, nachVergänglichkeit zieht sich ebenso durch Moos’ Kunst, etwa wenn sie, wie auf einigen ausgestellten Fotografien, Linien in einen Sandstrand zieht, die kurze Zeit später durch das Spiel von Ebbe und Flut verschwinden.

Die Werke nehmen immer wieder ein neues Gesicht an

Im selben Raum liegt eine Installation auf dem Boden, die zuerst an eine weiß-beige Steinformation erinnert. Bei näherer Betrachtung entpuppen sich die rundlichen Objekte als Seeigel, fragil, ohne Stacheln und von Sand und Salz geschliffen. Moos hat sie aus ihrem natürlichen Kontext entfernt, sie arrangiert, ihnen eine Ästhetik verliehen. Das macht viele ihrer Werke aus, ebenso das Spiel mit Bedeutung. „Die Farbe Weiß hat viele Bedeutungen“, sagt Moos, denkt an Brautkleider oder die weiße Fahne als Zeichen des Waffenstillstands. Oder aber auch an Weiß als Symbol für den Anfang, der auf Vergangenes folgt.

Um Vergänglichkeit dreht sich auch ein großes, von Moos bereitgestelltes Rechteck aus Sand. „Hier darf jeder fühlen und ausprobieren“, sagt sie. Die Künstlerin will ihre flüchtigen Arbeiten wortwörtlich greifbar machen, und gemeinsam mit dem Publikum Kunst erschaffen, die über den gesamten Ausstellungszeitraum immer wieder ein neues Gesicht annehmen wird. Wie so viele ihrer Werke.

Die Ausstellung „Vierzig Schatten von Weiß“ wird am kommenden Samstag, 25. Juli, um 17 Uhr eröffnet. Die Künstlerin wird vor Ort sein. Ebenso zur Finissage am 6. September um 17 Uhr, bei der die Pralinenmanufaktur Choco Lounge gemeinsam mit Moos ein Kunstwerk in Form eines Kuchens erschaffen wird. Extra für die Ausstellung gibt es außerdem eine Postkartenreihe zum Thema Blüten mit dem Titel „Edition 2026“.