In der Kreisstadt Bergisch Gladbach sind 350 Foodsaver bei Foodsharing aktiv.
FoodsharingHildegard Knoch-Will engagiert sich gegen Verschwendung Lebensmitteln in Gladbach

Hildegard Knoch-Will setzt sich dafür ein, genießbare Lebensmittel vor der Entsorgung zu bewahren und damit natürliche Ressourcen zu schonen
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Ein trockenes Brot brachte Hildegard Knoch-Will bei ihrer ersten Lebensmittelrettung ins Grübeln. „Das war bei einem Bäcker. Ich dachte: Oh weh, was machst du damit?“ Wegwerfen kam für sie nicht infrage. „Da ich sehr kreativ bin, habe ich daraus Semmelknödel gemacht.“
Das war 2019. Seitdem engagiert sich Knoch-Will bei Foodsharing und rettet Lebensmittel, die ansonsten im Müll landen würden. Auf die Initiative aufmerksam geworden war sie durch ihre Tochter, die in Hamburg bereits Lebensmittel rettete. „Da habe ich direkt geschaut, ob es das auch in Bergisch Gladbach gibt.“ Heute zählt Foodsharing in Bergisch Gladbach nach Angaben von Knoch-Will rund 350 sogenannte Foodsaverinnen und Foodsaver. Vier Botschafterinnen und Botschafter, zu denen auch Knoch-Will gehört, koordinieren die Arbeit. Insgesamt ist die Initiative mit 132 Betrieben vernetzt, mit 26 von ihnen bestehen derzeit laufende Kooperationen.
Ich habe Freude daran zu sehen, dass man so viele Lebensmittel retten kann.
Ziel ist es, noch genießbare Lebensmittel vor der Entsorgung zu bewahren und damit natürliche Ressourcen zu schonen. Was die Foodsaver bei ihren Einsätzen abholen, wird anschließend kostenlos weitergegeben. Knoch-Will verteilt Lebensmittel beispielsweise im Freundes- und Bekanntenkreis sowie in der Nachbarschaft. Dafür hat sie zwei WhatsApp-Gruppen gegründet. Eine davon nutzt sie in der Stadtmitte, wenn besonders große Mengen verteilt werden müssen.
Wie viel bei einer Rettung zusammenkommt, ist höchst unterschiedlich. Manchmal sind es nur wenige Lebensmittel, in anderen Fällen können es zwei oder drei Rollbehälter sein. Dabei gehe es keineswegs darum, alles mitzunehmen, betont Knoch-Will. Die Retter seien nicht verpflichtet, Abfall oder einzelne welke Blätter einzupacken. Sie sortierten vielmehr aus, was noch gut und verwertbar sei.
Wer bei Foodsharing Lebensmittel abholt, muss bestimmte Regeln beachten
Auch die Gründe, weshalb Lebensmittel nicht mehr verkauft werden, sind vielfältig. So kann beispielsweise in einer Packung Obst oder Gemüse ein einzelnes Stück verdorben sein, während der Rest noch einwandfrei ist. In anderen Fällen nähert sich das Mindesthaltbarkeits- oder Verbrauchsdatum, Verpackungen sind beschädigt oder ein Geschäft hat mehr Ware bestellt, als es voraussichtlich verkaufen kann. Bei Bäckereien bleiben zudem Backwaren übrig, die nach Angaben von Knoch-Will nur am Produktionstag als frisch verkauft werden.
Wer bei Foodsharing Lebensmittel abholt, muss bestimmte Regeln beachten. Die Foodsaver sind registriert und besitzen einen Ausweis, den sie in den Betrieben vorzeigen. Auf einer Internetplattform finden sie Informationen über die jeweilige Abholstelle und einen „Fahrplan“ für die Abholungen. Auch die Kühlkette muss eingehalten werden, warme Lebensmittel müssen schnell heruntergekühlt werden.
Die Tafel unterstützt gezielt bedürftige Menschen
Eine wichtige Abgrenzung gibt es zur Tafel. Diese unterstützt gezielt bedürftige Menschen und hat bei der Abgabe von Lebensmitteln häufig Vorrang. Foodsharing dagegen verfolgt in erster Linie das Ziel, Lebensmittel vor der Entsorgung zu bewahren. Die Namen der beteiligten Betriebe werden nicht öffentlich genannt. Dass bei den Rettungsaktionen bisweilen ungewöhnlich große Mengen anfallen, hat Knoch-Will selbst erlebt. „Wir hatten einmal eine Brötchenrettung, bei der ein Kühlhaus ausgefallen war“, erzählt sie. Glücklicherweise sei es Winter gewesen und draußen hätten Minusgrade geherrscht. „Es waren ungefähr 200 bis 300 Kilogramm Backwaren. Das waren unglaubliche Mengen.“
Die Ware musste schnell verteilt werden, damit sie nicht antaute. Weil der Betrieb sie nicht mehr verkaufen konnte, sprang die Foodsharing-Gruppe ein. „Wir haben damit eine Schule versorgt. Die waren sehr glücklich und konnten die Backwaren weiter einfrieren, weil noch nichts angetaut war.“ Für solche außergewöhnlichen Fälle gibt es eine Notfallrettergruppe, die beispielsweise auch bei Veranstaltungen oder sozialen Einrichtungen Lebensmittel abholt.
Das Engagement lässt sich neben ihrem Hauptberuf gut organisieren
Die Kontaktaufnahme zu den Geschäften musste Knoch-Will nicht bei null beginnen. Als sie zu Foodsharing kam, gab es in Bergisch Gladbach bereits entsprechende Strukturen. Bevor sie selbst aktiv werden konnte, absolvierte sie eine Schulung und ein Quiz. Später sprach sie aus eigener Initiative weitere Betriebe an und vereinbarte Kooperationen. Auch neben ihrem Hauptberuf lasse sich das Engagement gut organisieren, sagt Knoch-Will. Die Abholzeiten der Betriebe seien unterschiedlich. Bei besonders großen Lebensmittelmengen könne es allerdings auch einmal vier Stunden dauern, bis alles verladen und verteilt sei.
Was sie dabei antreibt, ist neben dem Kampf gegen Lebensmittelverschwendung auch der Kontakt zu anderen Menschen. „Ich habe Freude daran zu sehen, dass man so viele Lebensmittel retten kann“, sagt Knoch-Will. Und manchmal führt eine Lebensmittelrettung eben nicht nur zu Semmelknödeln, sondern auch zu einem Gespräch mit den Nachbarn.
