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Mehr TodesermittlungenHitzewelle hinterlässt in Rhein-Berg mehr Spuren als zunächst gedacht

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Ein Feuerwehrmann fährt eine Rettungstrage vor einem Löschfahrzeug vorbei.

Auch Löschfahrzeuge waren am Wochenende in Bergisch Gladbach bei medizinischen Notfällen im Einsatz (Symbolfoto)

Polizei registriert nach erneuter Analyse deutlich mehr Todesermittlungen während der heißen Tage.

Die Hitzewelle hat auch im Rheinisch-Bergischen Kreis offenbar mehr Spuren hinterlassen als zunächst angenommen. Nachdem die Polizei am Mittwoch auf Anfrage dieser Zeitung noch keine auffällige Steigerung der Todeszahlen während der vergangenen Hitzetage festgestellt hatte, zeigt eine nun erfolgte Auswertung aller Todesermittlungsverfahren im Juni ein differenzierteres Bild.

Während im Oberbergischen Kreis bereits zu Wochenbeginn fünf Hitzetote gemeldet wurden und in Leverkusen derzeit bei 19 Todesfällen medizinisch geprüft wird, ob die Hitze mitursächlich war, fiel die Bilanz für Rhein-Berg deutlich schwieriger aus. Nach einer ersten Bewertung ausschließlich der Wochenendzahlen ließ Polizeisprecher Christian Tholl nun sämtliche Todesermittlungsverfahren des Monats vergleichen. Das Ergebnis: In der ersten Junihälfte (1. bis 15. Juni) leitete die Polizei zehn Todesermittlungsverfahren wegen zunächst ungeklärter Todesursache ein. In der zweiten Monatshälfte – als die Temperaturen über Tage hinweg außergewöhnlich hoch waren – stieg diese Zahl auf 26 Fälle.

Möglicherweise hat in manchen Fällen eine Kombination aus bestehenden Vorerkrankungen und der Hitze zum Tod geführt.
Christian Tholl, Pressesprecher der Kreispolizei Rhein-Berg

„Das ist natürlich zwei- bis dreimal so viel wie in der ersten Monatshälfte“, so Tholl. Eine direkte Verbindung zur Hitze lasse sich daraus zwar nicht ableiten. Aber: „Wir können keine verlässlichen Aussagen dazu tätigen, inwiefern hier die Hitze zumindest mitursächlich für den Tod der Menschen war“, sagt Tholl. Lediglich in einem Fall sei ein Hitzschlag als Todesursache festgestellt worden. „Möglicherweise hat aber in manchen Fällen eine Kombination aus bestehenden Vorerkrankungen und der Hitze zum Tod geführt“, so der Polizeisprecher.

Für belastbare Aussagen müsste jeder einzelne Todesfall gerichtsmedizinisch untersucht und mit den jeweiligen Vorerkrankungen abgeglichen werden. Das geschehe jedoch nicht in jedem Fall, da Obduktionen nur auf Anordnung der Staatsanwaltschaft erfolgten, erläutert der Polizeisprecher.

Kreis musste zusätzliche Rettungsfahrzeug in Dienst stellen

Bereits am Wochenende hatten sich Rettungsdienst und Krankenhäuser wie berichtet auch im Rheinisch-Bergischen Kreis auf eine stark gestiegene Zahl hitzebedingter Einsätze einstellen müssen. Wie berichtet stellte der Kreis als Träger des Rettungsdienstes zusätzliche Rettungswagen und Krankentransportwagen in Dienst. In Bergisch Gladbach rückten zeitweise sogar Löschfahrzeuge mit rettungsdienstlich ausgebildeten Feuerwehrleuten als sogenannte First Responder zu medizinischen Notfällen aus.

Rettungssanitäter bringen eine Schülerin zu einem Rettungswagen.

Zusätzliche Rettungsfahrzeuge musste der Kreis am Wochenende wegen der zahlreichen Hitzenotfälle in Dienst stellen. (Symbolfoto)

„Am Samstag hatten wir rund 180 Einsätze, normalerweise liegen wir an einem solchen Tag bei etwa 110“, sagt Kreissprecher Alexander Schiele auf erneute Anfrage am Donnerstag.

100 hitzebedinge Notfälle allein im Evangelischen Krankenhaus behandelt

Währenddessen bestätigen die Krankenhäuser im Kreis, dass die Hitzewelle ihre Notaufnahmen und Stationen an die Belastungsgrenze brachte. Besonders ältere Menschen kamen mit Kreislaufproblemen, Dehydrierung und Hitzeschlägen in die Kliniken.

Im Evangelischen Krankenhaus (EVK) Bergisch Gladbach wurden am vergangenen Wochenende nach Angaben von Geschäftsführer Sebastian Haeger mehr als 100 Patientinnen und Patienten wegen hitzebedingter Beschwerden behandelt. „Die hochsommerlichen Temperaturen haben am vergangenen Wochenende für ein deutlich erhöhtes Patientenaufkommen in unserer Notaufnahme gesorgt“, berichtet Haeger. Darunter seien auch schwere Fälle gewesen, die stationär aufgenommen werden mussten.

Hhäufigste Notfälle Ursachen wegen Flüssigkeitsmangel und Hitzschläge

Die häufigsten Ursachen seien Flüssigkeitsmangel infolge unzureichenden Trinkens sowie Hitzschläge gewesen – also eine gefährliche Überhitzung des Körpers. Betroffen waren überwiegend ältere Menschen, sowohl aus dem häuslichen Umfeld als auch aus Senioreneinrichtungen. Viele Patienten mussten mit Infusionen versorgt und durch gezielte Kühlungsmaßnahmen behandelt werden. Haeger dankte ausdrücklich den Rettungsdiensten: „Die hervorragende Zusammenarbeit hat entscheidend dazu beigetragen, diese außergewöhnliche Lage gemeinsam zu bewältigen.“

Auch bei den GFO-Kliniken mit dem Vinzenz-Pallotti-Hospital in Bensberg und dem Marien-Krankenhaus in der Bergisch Gladbacher Innenstadt war die Belastung deutlich zu spüren. Besonders ältere Menschen kamen mit Kreislaufproblemen und Flüssigkeitsmangel in die Zentrale Notaufnahme des Vinzenz-Pallotti-Hospitals.

Auch auf den Stationen machte die Hitze Patienten und Personal gleichermaßen zu schaffen. Nach Angaben der GFO-Kliniken gab es ein „stark erhöhtes Patientenaufkommen“, wie Pressesprecher Jörg Zbick berichtet. Die Intensivstationen seien zwar klimatisiert, „die Anlage kommt aber auch an ihre Grenzen“.