Wenn sich Pflaster und Fassaden im Hochsommer aufgeheizt haben, wird die Gladbacher Innenstadt schnell zum Hitzespeicher. Besonders rund um die Hauptstraße treffen dichte Bebauung, viele versiegelte Flächen und vergleichsweise wenig Grün auf Tausende Menschen, die dort einkaufen, arbeiten oder auf Bus und Bahn warten. Die Stadt will deshalb gegensteuern: mit Wassernebel, mehr Grün und weniger Pflaster.
Hitzesommer macht Handlungsdruck deutlich
Wie dringend das Thema geworden ist, zeigte der Sommer 2026. An der nächstgelegenen amtlichen Wetterstation am Flughafen Köln/Bonn wurden im Juni bis zu 39,2 Grad gemessen. Über den Sommer registrierte die Station 32 Hitzetage mit mindestens 30 Grad und sechs Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sank. Nach dem städtischen Hitzeaktionsplan könnte bis 2050 fast die Hälfte der Bergisch Gladbacher Bevölkerung von hohen nächtlichen Temperaturen betroffen sein.
Genau dazu zählt die Innenstadt rund um die Hauptstraße. Sie ist zugleich Einkaufs- und Dienstleistungszentrum und muss mit Wochenmarkt, Karneval und weiteren Veranstaltungen unterschiedlichste Nutzungen verkraften. Die Verwaltung bündelt deshalb drei Projekte, mit denen dieser Bereich klimaangepasster werden soll.
Nebelanlagen für schnelle Abkühlung
Am unmittelbarsten spürbar wären sogenannte Kühlelemente. Entlang der Fußgängerzone sollen an zwei geeigneten Standorten größere Nebellanzen den Straßenraum abkühlen. Sie zerstäuben Wasser in feine Tröpfchen. Wo Menschen warten, sind kleinere Elemente auf Passantenhöhe vorgesehen. Als Beispiele nennt die Stadt den Platz der Partnerstädte am Bahnhof und den Bereich nahe der Haltestelle „Bergisch Gladbach Markt“ am Konrad-Adenauer-Platz. Dort soll eine kurze Erfrischung per Knopfdruck möglich werden.

Schutz auch vor Starkregenfolgen.
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Das zweite Projekt setzt in den Seitenbereichen der Hauptstraße an. Die von der Fußgängerzone abgehenden Stichstraßen sollen teilweise zu sogenannter blau-grüner Infrastruktur umgestaltet werden. Gemeint ist die Verbindung von Begrünung und Regenwasserbewirtschaftung. Pflanzen und Schatten sollen die Hitze mindern, zugleich soll Niederschlagswasser besser aufgenommen oder versickert werden. So will die Stadt Hitzevorsorge und Schutz vor Starkregen in Projekten miteinander verbinden.
Weniger Pflaster zwischen Löwe und Stadtbücherei
Noch sichtbarer könnte sich der Bereich zwischen Bergischem Löwen und Stadtbücherei verändern. Dort prüft die Verwaltung, einen Teil der gepflasterten Fläche zu entsiegeln. Das Pflaster könnte durch eine wassergebundene, möglichst helle Wegedecke ersetzt werden. Sie soll sich weniger stark aufheizen. Gleichzeitig könnte Regenwasser teilweise im Boden versickern, statt unmittelbar in die Kanalisation zu fließen.
Eine Vorgabe bleibt: Die Fläche muss weiterhin für Veranstaltungen nutzbar sein. Die Verwaltung sucht damit nach einem Kompromiss zwischen Klimaanpassung und den Anforderungen an einen intensiv genutzten Innenstadtplatz.
Noch sind die drei Projekte nicht bis ins Detail beschlossen. Die Verwaltung will sie in den zuständigen politischen Gremien weiter konkretisieren und anschließend zur Entscheidung vorlegen.
Das Ziel ist größer als eine angenehmere Mittagspause in der Fußgängerzone. Begrünung, Verschattung und Verdunstung sollen das Mikroklima verbessern; Entsiegelung soll zusätzlich Wasser im Boden halten und die Kanalisation bei Starkregen entlasten. Die Innenstadt soll so widerstandsfähiger gegen zwei Folgen des Klimawandels werden: mehr Hitze und heftigere Niederschläge. (wg)

