Obdachlose in Bergisch GladbachKreis steigt bei Straßensozialarbeit ein

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Es ist ein Teil des Parkdeck Schnabelsmühle in der Bergisch Gladbacher Innenstadt zu sehen.

Zu einem Unterstand und Anlaufpunkt für Menschen ohne feste Bleibe ist das Parkdeck Schnabelsmühle in der Bergisch Gladbacher Innenstadt geworden.

Das Projekt zur Betreuung wohnungsloser Menschen in der Gladbacher Innenstadt wird ausgebaut. Zukünftig beteiligen sich auch der Kreis und der LVR.

Zwei Streetworkerinnen, die sich seit September 2019 um wohnungslose Menschen in der Bergisch Gladbacher Innenstadt kümmern, sollen ihre Tätigkeit auch nach August 2023 fortsetzen können.

Hatte bislang die Stadt Bergisch Gladbach das Sozialprojekt „Streetwork – Aufsuchende Hilfen Bergisch Gladbach Innenstadt“ alleine finanziert, sollen jetzt zusätzlich der Rheinisch-Bergische Kreis und der Landschaftsverband Rheinland (LVR) mit jeweils 40.000 Euro pro Jahr einsteigen.

Sozialausschuss gibt grünes Licht

Der Sozialausschuss im Kreishaus hat bereits grünes Licht gegeben – einstimmig, ohne öffentliche Debatte und lediglich mit der von einem Ausschussmitglied formulierten Fußnote, dass sich der Bergisch Gladbacher Bürgermeister Frank Stein doch bitte auch daran erinnern möge, wenn er wieder einmal über den Kreis und seine Ausgaben schimpfen wolle.

Nach Schätzung des von Caritas und Diakonie getragenen Netzwerks Wohnungsnot Rhein-Berg, das die Straßensozialarbeit betreibt, liegt die Zahl der Angehörigen der Szene im „niedrigen dreistelligen Bereich“. Den Kern bildeten 20 Personen, die einen „großen Teil ihrer Zeit auf der Straße verbrächten und sehr regelmäßig an den „Szenetreffpunkten“ anzutreffen“ seien.

Angelegenheit sei „kein rein städtisches Problem“

Dass nun der Kreis in die Finanzierung einsteigt, ist aus Sicht der Sozialverwaltung vom Rübezahlwald gut begründet. „Mit dem Einsatz von sozialpädagogischem und pflegerischem Fachpersonal soll positiver Einfluss auf die insbesondere von Obdachlosigkeit bedrohten oder betroffenen Personen genommen werden“, heißt es in der Vorlage von Kreis-Sozialdezernent Markus Fischer.

Aus ordnungsrechtlicher Sicht habe ein Zugang zur Personengruppe erreicht werden sollen, so dass die Bereitschaft entwickelt werde, Hilfeangebote anzunehmen und womöglich erst gar nicht in die Wohnungslosigkeit zu gelangen. Laut Sozialverwaltung des Kreises ist das alles aber „kein rein städtisches Problem“.

Verstärkter Schwerpunkt auf Prävention

Vielmehr gelte: „Die Herausforderung der Obdachlosigkeit, oftmals verbunden mit einer Suchtproblematik, besteht im gesamten Gebiet des Rheinisch-Bergischen Kreises.“ Auch wenn das Gladbacher Stadtgebiet „Hauptanlaufpunkt“ sei, seien in der bestehenden „Szene“ in Bergisch Gladbach „Personen mit sozialen Schwierigkeiten aus dem gesamten Kreisgebiet“ vertreten.

Mit einem verstärkten Schwerpunkt auf Prävention solle sich das Hilfeangebot künftig an Betroffene aus dem gesamten Kreisgebiet richten, die sich gleichwohl zum überwiegenden Teil tagsüber in Bergisch Gladbach aufhalten.

Bereits zwei Anlaufpunkte vorhanden

Fischer: „Durch die präventive Ausrichtung und der Wirkung für das gesamte Kreisgebiet ist ein Einstieg des Rheinisch-Bergischen Kreises in die Projektfinanzierung beabsichtigt.“ Auch der LVR wolle vorbehaltlich der Zustimmung seiner politischen Gremien in die Finanzierung einsteigen.

Zur Kostenaufteilung teilt die rheinisch-bergische Kreisverwaltung mit, dass die Kreisstadt Bergisch Gladbach bereits zwei Anlaufpunkte für die Szene bereitstelle und überdies die laufenden Sachkosten in Höhe von 20.000 Euro weiter zahlen werde. Kreis und LVR wären demgegenüber mit jeweils 40.000 Euro im Rennen.


Vielzahl persönlicher Kontakte

Bei ihren Rundgängen durch die Gladbacher Innenstadt haben die Straßensozialarbeiterinnen 2022 insgesamt 3245 Personen aus der Szene angetroffen, von denen sie 2458 persönlich ansprachen. Der Monat mit den meisten Kontakten war der Juli mit 392 Kontakten, der mit den wenigsten der September mit 199 Kontakten.

Wichtigster Szenetreffpunkt war das Parkdeck Schnabelsmühle mit 1372 Kontakten (42 Prozent), gefolgt vom Netzwerk Wohnungsnot 442 Kontakte/14 Prozent) sowie Fußgängerzone 388/12), Busbahnhof (296/9) und Forumpark (283/9). Das obere Deck des Parkplatzes wurde inzwischen mit Beleuchtung, Unterstand, Sitzgelegenheiten und mobilem WC ausgestattet.

Im Bericht heißt es: „Der „Szenetreffpunkt“ Parkdeck Schnabelsmühle hat sehr schnell eine herausragende Bedeutung gewonnen. Insbesondere für Menschen mit Betäubungsmittelkonsum hat der Ort aufgrund seiner dezentraleren Lage und geringeren Einsichtigkeit offenbar hohe Attraktivität.“ (sb)

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