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Schulbau Gleich zwei Monsterkräne sind in Bergisch Gladbach im Einsatz

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Ein Modul hängt am Haken eines Krans.Gegenüber steht ein zweiter Kran.

Von einem Kran zum anderen schwebt das tonnenschwere Modul-Element auf der Baustelle am Schulzentrum in Herkenrath.

Unter Zeitdruck und komplizierten Bedingungen haben Anlieferung und Montage der Module für den Neubau am Schulzentrum Herkenrath begonnen. 

Hoch oben in der Luft baumelt das mächtige Raummodul am Haken eines Krans, als wäre es ein Legobaustein. Das fliegende Klassenzimmer gehört künftig zum Neubau des Schulzentrums Herkenrath mit Gymnasium und Realschule. Unter großem Zeitdruck und unter komplizierten Bedingungen haben am Dienstag Anlieferung und Montage der Raumsegmente begonnen.

Es sind gleich zwei Monsterkräne, die an diesem Standort zum Einsatz kommen. „Das ist ein bisschen knifflig hier“, erläutert Projektleiter Mentor Sinani von der Leipziger Firma Kleusberg, „wir haben uns viele Gedanken gemacht, um eine Lösung zu finden.“ Denn das Baugrundstück liegt im Nadelöhr des früheren Schulhofs der Realschule in direkter Nähe zum Hauptgebäude. Erschwerend kommt noch dazu: Das Gelände ist stark abschüssig.

Das ist sehr beeindruckend
Sebastian Rolko, Geschäftsführer Schulbau GmbH

Und es klappt. Von der Ladefläche des Schwerlasttransporters, der unten auf dem Schulhof steht, hievt zuerst einer der beiden Mobilkräne das schwergewichtige Modulelement hoch auf die obere Ebene der Baustelle. Dort werden die Tragketten am Haken des zweiten, 250 Tonnen schweren Krans befestigt.

Sein geschätzt 30 Meter langer Arm stemmt das Segment in die Höhe, so als wäre das nichts. Minutenlang schwebt der Koloss im wolkenverhangenen Himmel. Eine kleine Gruppe von Schülern beobachtet das Schauspiel. Handy-Fotos werden gemacht.

Auch Sebastian Rolko, Geschäftsführer der städtischen Schulbau GmbH, sieht sich die Aktion an. „Das ist sehr beeindruckend“, sagt er, obwohl er  das Prozedere in den vergangenen Monaten an anderen Schulstandorten schon so oft begleitet hat. Es ist die Doppelfunktion der Kräne, die ihn in den Bann zieht.

Neben und hinter dem Transporter her gehen Bauarbeiter.

Bauarbeiter leiten die Schwertransporten durch die schmale Passage auf dem Schulhof des Schulzentrums Herkenrath.

In das dreigeschossige, elf Meter hohe Gebäude in Stahlrahmen-Holzbauweise passen zwölf Klassenzimmer, sechs Differenzierungsräume und ein Lehrerzimmer. Die Investitionskosten betragen 8,6 Millionen Euro. Einziehen wird die Realschule, obwohl der Neubau eigentlich für das Gymnasium gedacht ist. Der zusätzliche G 9-Jahrgang, der im Sommer vor der Tür steht, muss untergebracht werden. Im Gegenzug erhält das Gymnasium Unterrichtsräume im Altbau, die von der Realschule genutzt werden.

Inzwischen ist der schwebende Koloss sanft und passgenau auf dem Betonfundament gelandet. Ruckzuck verschrauben Monteure den Baukörper mit dem danebenstehenden Element. „Die Module sind bereits im Werk fix und fertig ausgebaut worden mit Fenstern, allen Strominstallationen sowie einer Fußbodenheizung, die auch kühlen kann“, erläutert Sinani. Es sind sieben Module, die am Dienstag geliefert werden.

Tieflader müssen mitten über den Schulhof fahren

Mit ihrer tonnenschweren Last müssen die Tieflader von der schmalen St. Antoniusstraße kommend mitten über den Schulhof des Gymnasiums fahren. Aus Rücksicht auf den Schulbetrieb stoppt die aufwendige Verladeaktion während der Pausenzeiten. „Die Sicherheit unserer Schüler steht an oberster Stelle“, betont Romina Matthes, stellvertretende Schulleiterin, „kein Hubwagen, nichts, darf hier in den Pausenzeiten unterwegs sein.“

Erst, wenn das letzte Kind den Platz verlassen hat, können die Rangierfahrten fortgesetzt werden. Eine Lehrerin schickt als letztes zwei Jungs weg, die noch vertieft in ihr Tischtennisspiel sind. Der Fahrkorridor ist zwar nicht, wie von der Stadtverwaltung angekündigt, mit Flatterband abgesperrt.

Aber Bauarbeiter sichern, wie vorgesehen, den Fahrweg ab. So verlässt der zehn Meter lange Transporter im Schritttempo die Baustelle. Der nächste steht schon bereit und manövriert rückwärts durch die schmale Passage auf dem Schulhof bis zum Abladestandort.

Parkverbot in Antoniusstraße gilt bis 13. Februar

Noch bis Freitag, 13. Februar, solange wie Anlieferung und Montage der Module dauern, gilt auf der St. Antoniusstraße tagsüber ein Parkverbot. Etwa im Stundentakt fahren die Tieflader bis zu der Stelle auf dem Schulhof, wo der Kran steht. Schulbau GmbH und Stadtverwaltung bitten die Anwohnerinnen und Anwohner um Verständnis für Beeinträchtigungen wie temporäre Sperrungen sowie eingeschränkte Durchfahrtsmöglichkeiten.

Ein Vorteil sei, dass die modulare Bauweise mit hohem Vorfertigungsgrad die Bauzeit im Vergleich zur konventionellen Bauweise sowohl die Baustellenzeit als auch das Verkehrsaufkommen und den Schwerlastverkehr deutlich senke, heißt es in einer Pressemitteilung.

Wie Kleusberg-Projektleiter Sinani erläutert, sei die Montage-Phase in Herkenrath deutlich länger als etwa am Otto-Hahn-Gymnasium, wo der Rohbau innerhlb von einer Woche stand. Dies sei den Umständen geduldet: dem Stillstand in den Pausenzeiten. Aufgrund des Platzmangels hätten zudem die Raumsegmente halbiert werden müssen, so dass doppelt so viele Module verladen werden müssten. Das neue Klassenhaus soll bis zum Sommer 2026 fertiggestellt sein.