Stadt will die Panne schnellstmöglich beheben. Es handele sich um einen technischen Defekt. Betroffen sind alle 53 Parkautomaten im Stadtgebiet.
Bergisch GladbachDie Störungsnummer der neuen Parkautomaten leitet zur Krankenkasse weiter

Die Störungsnummer, die auf den neuen Parkscheinautomaten angegeben ist, leitet zur Hotline der AOK Rheinland.
Copyright: Christopher Arlinghaus
„Verlassen Sie das Parkhaus!“, dröhnt es laut und unvermittelt aus den Lautsprechern der Schlossberggarage gegenüber vom Amtsgericht. Eine barsche und irritierende Ansage. Dabei geht es doch einfach nur darum, einen Parkschein am Automaten zu ziehen. Doch Fehlanzeige. Immer wieder bricht der Kaufvorgang ab. Kurios: Wählt man die Störungsnummer, landet der Anrufer bei der Hotline der AOK Rheinland/Hamburg. Die Stadt will die Panne schnellstmöglich beheben.
Inzwischen hat sich eine kleine Schlange vor dem Parkautomaten gebildet: ein Ehepaar, eine Frau und die Autorin dieses Artikels. Automatisch suchen alle bei sich selbst die Schuld. „Das kann nur an der Bankkarte liegen“, meint eine der Frauen, „bestimmt hat sie einen Riss.“ An den Geräten könne es ja nicht liegen, sind sich alle einig.
Die Parkautomaten hat die Stadt neu angeschafft
Denn gerade erst hat die Stadt 53 Parkautomaten angeschafft, die nur noch eine Bezahlung per EC-, Kredit- beziehungsweise Debitkarte oder per Handy-App ermöglichen. Bargeld ist keine Option mehr. 20 Geräte sind komplett neu, berichtet die Verwaltung, da die alten nicht mehr brauchbar waren. 30 bestehende Automaten konnten umgerüstet werden. Geblieben ist dabei nur das Gehäuse – die komplette Front und Technik wurden ausgetauscht, so dass kein Unterschied bei der Bedienung besteht.
Alles zum Thema Bensberg
- Bergisch Gladbach Die Störungsnummer der neuen Parkautomaten leitet zur Krankenkasse weiter
- Dramatische Stunden vor Geburt Kommerner Ehepaar: „Wir fühlten uns wie Maria und Josef“
- Bergisch Gladbach Neubau für Gymnasium soll in Rekordzeit stehen
- Spende Picassos Werke helfen dem Geschichtsverein Rhein-Berg bei Anlage eines Lesegartens
- Richtfest Turbo-Modulbau für Gymnasium in Bergisch Gladbach wird pünktlich fertig
- Interview „Auf der Schloßstraße in Bensberg bekommt man alles, was man braucht“
- Bergisch Gladbach Neuanfang für die modernisierte Schloßstraße in Bensberg
Also probieren alle ihre Bank- und Kreditarten aus, die sie dabei haben. Aber keine tut es. Und nach jedem Fehlversuch erschallt unbeeindruckt die Durchsage, die Parkgarage zu verlassen, als wäre Gefahr in Verzug.
Da hilft jetzt nur eines: Die Telefonnummer kontaktieren, die im Falle von Störungen auf dem Automaten angebracht ist. Der erstaunte Gesichtsausdruck der Anruferin zeigt: Auch da stimmt etwas nicht: „Da kommt man bei der AOK Rheinland raus“, sagt sie.

Berge von ungültigen Parkscheinen sammeln sich an.
Copyright: Christopher Arlinghaus
Klare Sache, vertippt, denken alle wieder, der Fehler kann nur bei einem selbst liegen. Komisch ist nur, dass die weiteren Anrufe ebenso fehlgeleitet werden: „Willkommen bei der AOK Rheinland. Bitte rufen Sie erneut an“, lautet die Begrüßung durch eine freundliche Frauenstimme, untermalt mit Musik.
Jetzt bricht sich bei der kleinen Gruppe im Parkhaus endgültig ungläubiges Gelächter Bahn. Nicht zu fassen: Das neue Gerät hat einen Defekt. Die Störungsnummer funktioniert nicht. Die kleine Gruppe in der Schlossberggarage geht ganz ticketlos ihrer Wege.
„Wir haben das überprüft und die Weiterleitung zur AOK ebenfalls festgestellt“, sagt Stadtsprecher Patrick Ortmanns und bedankt sich für den Hinweis. „Der Fehler wird schnellstmöglich behoben.“ Die dort aufgeführte Rufnummer (02202) 141244 sei richtig, stellt er klar. Anscheinend gebe es ein technisches Problem.
Fehler bei der Elekronik entstehen bei der Umrüstung
„Wir sind in der technischen Klärung, weshalb die Rufumleitung von dieser Nummer auf die Ansprechperson, die den Bürgerinnen und Bürgern helfen soll, nicht funktioniert.“ Von der Pressestelle der AOK-Rheinland Hamburg erhielt die Redaktion gestern keine Rückmeldung, wie viele Irrläufer sie erreicht haben.
Die Umstellung auf berührungsloses Bezahlen sei fast abgeschlossen, berichtet Ortmanns, dabei habe es vereinzelt auch mal Fehler gegeben. „Dies bleibt bei der Elektronik nicht aus, ist aber alles in Arbeit und in Abstimmung mit dem Hersteller.“ Die Automaten seien nach wie vor beschriftet mit: „Bei Störung Parkscheibe auslegen.“ Dann gebe es auch keine Knöllchen, verspricht der Pressesprecher.
Die Politik hatte 2025 lange gerungen, um eine Lösung für die Parkscheinautomaten zu finden. Beschlossen war sogar schon die radikale Variante, die Automaten komplett abzuschaffen und ganz auf Handy-Parken per App umzusteigen. Diese Entscheidung wurde dann aber wieder zurückgenommen.
Die Bargeldzahlung hatte von vorneherein keine realistische Zukunft. Der Dienstleister zur Entleerung der Bargeldfächer hatte zum Ende des Jahres 2025 gekündigt und ein Nachfolge-Unternehmen fand sich nicht. Zu aufwendig die regelmäßige Entleerung und die Einzahlung bei der Bank. Auch wollten die Banken diesen Service nicht mehr anbieten.
Am Ende gab es einen Kompromiss: Parkscheinautomaten mit Bankkartenfunktion plus Papiertickets, die in den Bürgerbüros vorher gekauft werden können. 500.000 Euro nimmt die Stadt im Schnitt durch Parkgebühren ein. Mit 265.000 Euro gab die Verwaltung die Kosten für die Anschaffung der neuen Automaten an.

