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TheaterWarum ganz Bergisch Gladbach nun von der Liebe träumt

4 min
Zu sehen ist eine Theater-Besetzung auf der Bühne. Sie recken jeweils ihren linken Arm in die Höhe in Richtung Scheinwerfer.

Turbulent und voller Emotionen ist das Stück, das im Bürgerhaus Bergischer Löwe in seinen Bann zog.

Stefanie Hertel bringt Pariser Flair, Leichtigkeit und Humor in den Bergischen Löwen.

Stimmungsvolle Musik, charmanter Humor und das Lebensgefühl des Paris der 1960er-Jahre. Vergangene Woche verwandelte sich das Bürgerhaus Bergischer Löwe in Bergisch Gladbach in die Kulisse der Stadt der Liebe. Mit ihrem Stück „Ganz Paris träumt von der Liebe“ brachte Stefanie Hertel nicht nur französisches Flair, sondern auch jede Menge gute Laune auf die Bühne.

Der große Saal war gut gefüllt, nur wenige Plätze blieben frei. Punkt 19.30 Uhr wurde das Licht gedimmt, und eine Stimme mit französischem Akzent eröffnete humorvoll den Abend, inklusive der Bitte, die Handys auszuschalten. „Herzschrittmacher und Hörgeräte dürfen selbstverständlich an bleiben“, hieß es. Der erste Lacher ließ nicht lange auf sich warten.

Gestohlene Juwelen und eine verschwundene Verlobte

Ohne lange Einführung ging es direkt ins Geschehen. Ein Zeitungsverkäufer stürmte auf die Bühne und rief die Schlagzeilen des Tages aus: gestohlene Juwelen aus Versailles und eine verschwundene Präsidentenverlobte. Kurz darauf betrat Stefanie Hertel als Gaby die Bühne und stimmte mit „Hinter den Kulissen von Paris“ von Mireille Mathieu den ersten gemeinsamen Song des Ensembles an.

Im Zentrum der Geschichte steht Gaby, die sich kurz vor ihrer Hochzeit mit dem französischen Präsidenten zur Flucht entschließt. Nicht aus Angst vor der Liebe, sondern aus dem Wunsch, ihrem streng vorgezeichneten Leben zu entkommen. Sie möchte nicht länger nur die „perfekte Verlobte“ sein, sondern selbstbestimmt leben. Doch ihr Plan, Paris zu verlassen, scheitert zunächst.

Zunächst nur eine Zweckgemeinschaft

Auf ihrer Flucht trifft sie auf den amerikanischen Geschäftsmann Andrew, der das Hotel sucht, in dem seine Ehefrau bereits auf ihn wartet. Zwischen ihm und Gaby entsteht zunächst eine Zweckgemeinschaft: Gaby hilft Andrew, sich in Paris zurechtzufinden, während sie selbst versucht, unterzutauchen. Doch je länger sie gemeinsam unterwegs sind, desto näher kommen sie sich.

Parallel dazu nimmt das Chaos seinen Lauf. Der Präsident glaubt, Gaby entdeckt zu haben, und setzt alles daran, sie wiederzufinden. Gemeinsam mit Andrews eifersüchtiger Ehefrau macht er sich auf die Suche. Es beginnt eine turbulente Verfolgungsjagd quer durch Paris, bei der Missverständnisse, zufällige Begegnungen und ständig neue Wendungen für Tempo und Humor sorgen.

Bisherige Beziehung oder doch ein Neuanfang?

Zwischen all dem Trubel entwickeln sich nicht nur neue Gefühle, sondern auch Zweifel. Gaby und Andrew müssen sich fragen, ob sie an ihren bisherigen Beziehungen festhalten oder den Mut für einen Neuanfang aufbringen. Am Ende finden sich die Figuren neu zusammen und die Liebe nimmt ihren ganz eigenen Lauf.

Dabei bleibt es nicht bei einer klassischen Romanze: Immer wieder sorgen skurrile Nebenfiguren, etwa ein übereifriger Polizist oder ein überengagierter Hotelmitarbeiter, für zusätzliche Verwicklungen. Auch musikalisch wird einiges geboten: Bekannte Melodien und Evergreens untermalen das Geschehen und bleiben im Ohr. Besonders gut kam beim Publikum an, dass das Stück immer wieder kleine Bezüge zu Bergisch Gladbach einbaute. Als eine Figur empört feststellt: „In Bergisch Gladbach wäre uns so etwas nicht passiert“, erntet sie prompt einen großen Lacher.

Starker Livegesang

Die Darsteller überzeugten mit starkem Livegesang, und die Stimmen füllten mühelos den gesamten Saal. Die lockere, eingespielte Dynamik des Ensembles war deutlich spürbar. Kein Wunder: Die Idee zum Stück entstand bereits 2022 während einer gemeinsamen Tour. Seitdem ist das Team zusammengewachsen und das merkt man auch auf der Bühne.

Zum Abschluss wurde es noch einmal richtig stimmungsvoll: Das Ensemble stimmte gemeinsam den Titelsong „Ganz Paris träumt von der Liebe“ an, und das Publikum ließ sich mitreißen. Viele standen auf, sangen mit und klatschten im Takt.

Publikum war überzeugt

„Das Stück hat uns sehr gut gefallen, das war genau unsere Zeit“, sagten zwei Besucherinnen nach der Vorstellung strahlend. Besonders gefallen habe ihnen die Mischung aus bekannten Liedern und der unkomplizierten Inszenierung. Eine andere Besucherin lobte vor allem Hertels Vielseitigkeit: „Ich fand es toll, sie mal in so einer Rolle zu sehen.“

Am Ende bleibt ein Abend, der vor allem leicht, unterhaltsam und voller Gefühl war. Es war wie ein kleiner Ausflug nach Paris, mitten in Bergisch Gladbach.