Mehr als 20.000 Engel hatte Johann Fischer aus Engeldorf gesammelt. Sie bildeten den Grundstück für das Engelsmuseum, das vor zehn Jahren in Engelskirchen eröffnet wurde.
20.000 Engel verließen KürtenSammlung von Johann Fischer ist Grundstock des Engelmuseums

Ein Bild vom „Kürtener Engelshaus“ aus dem Jahre 2007.
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Die Engel grüßten schon aus der Ferne. Einen besonders großen Engel hatte Johann Fischer in seinen Garten in Kürten platziert, für die Besucher, die er durch Haus und Garten führte, oft einer der ersten, die sie sahen. Und Gäste des leidenschaftlichen Engel-Sammlers sahen viele Engel.
Im Wohnzimmer war nahezu kein Platz mehr, kleine Engel, große Engel, kitschige und künstlerische. In Vitrinen und Schränken standen sie, am Wohnzimmertisch und auf Anrichten und Dinetts. Im Schlafzimmer wachten 333 Engel über Johann Fischer und Ehefrau Lucia.
Johann Fischer kam mit seinen Engeln ins „Guinness-Buch der Rekorde“
Wie viele es waren, wusste der Sammler selbst nicht, ein Inventar gab es nicht. Die Sammlung wuchs stattdessen Tag um Tag, Woche um Woche weiter. Johann Fischer, der dazu noch im Kürtener Weiler Engeldorf wohnte, gab den Engeln dieser Welt gerne eine Heimat. Als im Oktober 2002 die strengen Juroren des „Guinness-Buchs der Rekorde“ nach Engeldorf kamen, zählten sie exakt 12.642 Engel, keinen mehr und keinen weniger; dafür brauchten sie drei Tage. Weltrekord, mehr hatte damals niemand. Johann Fischer schrieb Geschichte.
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Die Engel sind heute nicht mehr in Engeldorf, sondern im oberbergischen Engelskirchen. 2015, vor zehn Jahren, öffnete das „Erste Deutsche Engelsmuseum“ in der Alten Schlosserei. Es werden wohl 20.000 Engel sein, die von Engeldorf nach Engelskirchen ausflogen. Das Museum präsentiert auch andere Sammlungen und Themen, Johann Fischer aus Engeldorf ist ein separater Raum gewidmet. Fischer hatte seine Sammlung 2009 den Engels-kirchenern vermacht. Mit der Bedingung, dass seine Engel öffentlich zu sehen sind. Anläufe für ein Museum in seiner Heimatgemeinde Kürten hatte es zuvor einige gegeben. Mit Sympathie begleiteten Bürgermeister, Verwaltung und Politik die Sammel-Ideen aus Engeldorf. Den Durchbruch gab es aber nie. Einmal verhinderte der Naturschutz den Museumsbau, und auch das fehlende Geld der Kommune spielte wohl eine Rolle, es war in den Jahren der galoppierenden Badausgaben. Die Idee, ein mit Engelsflügeln werbendes Versicherungsunternehmen als Käufer zu gewinnen, zerschlug sich in den Jahren der weltweiten Finanzkrise. Als sich Engelskirchen interessiert zeigte, wanderten die Engel geschlossen aus Kürten ab.
Nach Autounfall 1985 mit dem Sammeln von Engeln begonnen
Johann Fischer sammelte seit 1985 Engel. Nach einem schweren Autounfall lag der Versicherungskaufmann im Krankenhaus, als er von seiner Tochter eine Engel-Puppe geschenkt bekam. Zunächst stand sie als Schutzengel auf seinem Nachttisch im Krankenhaus. Der mitgebrachte Engel bekam nach seiner Genesung einen Ehrenplatz, im Auto hatte Fischer sie immer dabei. Offenbar wurde dem Engel-Freund klar, dass er nur durch viel Glück den Unfall überlebt hatte. Da hätten sicher auch die Engel eine Bedeutung gehabt, sagte er sich.
Auch im alten Toilettenhäuschen auf dem Grundstück platzierte der Sammler seine Lieblinge, dutzendfach gab es sie dort. Auch im Keller und in der Garage fanden sie bei Fischer eine Heimat. Die Krippe ist legendär, dort hatte Johann Fischer mehr als tausend untergebracht. Selbst um den Gold-Engel auf der Siegessäule in Berlin bemühte sich der Sammler. Leider vergebens, auf seinen Brief an den Berliner Senat gab es eine freundliche Absage. Dabei wäre im Garten noch ein Plätzchen frei gewesen für die „Gold-Else“, wie sie liebevoll genannt wird.
Als der Engeldorfer mit seiner Leidenschaft begann, sprach sich das in seiner Umgebung schnell herum. Fischer war im Ort bekannt, zunächst wegen karnevalistischer Aktivitäten. Im Karnevalsverein KCK Blau-Gold Kürten war er Präsident, später Ehrenpräsident. Bei den Schützen Offermannsheide war er Schützenkönig. Und jetzt die Engel, Freunde und Bekannte stellten sich ein, Fischer führte sie durch seine Wohnräume und erzählte von seiner Engelleidenschaft.
Dabei war ihm jeder Engel gleich lieb. Auch aus Werbeprospekten schnitt Fischer die Engel aus, aus Zeitungen und Heften. „Abgeschlossen ist so eine Sammlung nie“, sagte er einmal. War er im Urlaub, brachte er Engel mit. Besucher zahlten als „Eintritt“ einen Engel. Strategien beim Engelsammeln und Engelsuchen hatte Fischer nicht, jeder Engel, den er sah, gelangte in seine Sammlung.
Das Engelmuseum und die Präsentation seiner Sammlung erlebte Fischer nicht mehr, er starb 2012. Vor zehn Jahren öffnete das Engelmuseum, die Sammlung Johann Fischers war der Grundstock.

