Seit Juni lebt unsere neue Redakteurin Janina Rossignol im Rheinland, ab dem Elften im Elften erlebt die Badenerin ihre erste Karnevalssession in Rhein- Berg. Über ihre Erlebnisse schreibt sie in einer Serie. Dieses Mal erlebt sie ihre erste Karnevalssitzung.
ReportageBadische Redakteurin berichtet von ihrer ersten Karnevalssitzung

Beim Hausfrauennachmittag in Bechen lässt sich Redakteurin Janina Rossignol von der Stimmung mitreißen.
Copyright: Christopher Arlinghaus
Etwas aufgeregt starte ich am Mittwoch in den Tag, denn es ist so weit: Ich gehe zu meiner ersten Karnevalssitzung. Zum Hausfrauennachmittag der Karnevalsfreunde Bechen von 1952, um genau zu sein. Ich gehe an den Kleiderschrank und krame das einzige hervor, das nach Kostüm aussieht: Eine Schlaghose mit bunten Wildwest-Motiven darauf mit Jäckchen. Zum Glück habe ich einen zuweilen schrillen Geschmack, denke ich. Sonst hätte ich gar nichts jeckes gehabt.
Als ich um 14.30 Uhr in der Sporthalle ankomme, beginnt mein Termin nicht wie jeder andere. Die Karnevalsfreunde bieten mir direkt das Du an. „Karneval und Siezen, das passt nicht zusammen“, lautet die Begründung. Ich treffe auf Barbara Betzing, Vizepräsidenten für Finanzen, die zu mir sagt: „Ich habe gehört du kommst aus Baden. Ich bin aus Riegel.“ Riegel, so muss man wissen, liegt eine halbe Stunde von meinem Heimatort entfernt. „Ahhh, dann hast du ja die Fasnet für den Karneval getauscht“, sage ich. Aber das trifft es natürlich nicht. „Naja, ich finde, die Fasnet ist schon strenger und traditioneller als hier. Im Karneval ist alles lockerer und offener“, erklärt sie. Ob sich dieser Eindruck bei mir bestätigt, werde ich noch erfahren. Eines merke ich aber: Es tut gut, mal wieder mit „ebber vun deheim zu schwätze“.
Die höchste Ehre erhalten
Dann stößt Rita Schweiger, die die Öffentlichkeitsarbeit für die Karnevalsfreunde macht, zu uns und bevor sie mit mir einen Rundgang macht, wird mir eine besondere Ehre zuteil. „Wir haben für dich einen Orden, das ist die höchste Ehrung im Karneval.“ Ich habe fast ein schlechtes Gewissen, eigentlich habe ich noch nichts gemacht. Aber zu Schmuck kann ich nur schlecht nein sagen, so dass ich Haltung annehme und Barbara mir mein neues Schmuckstück umlegt.
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In der Halle versteht man dann nur noch die Musik. Auf der Bühne tanzen die Rot-Weißen Eselchen und die Damen klatschen im Takt. Hunderte Frauen in originellen Kostümen tanzen, lachen, amüsieren sich. Ein toller Anblick. „Wir sind ausverkauft, das heißt, es sind 660 Gäste gekommen“, sagt Rita. Versorgt werden sie von den Ehrenamtlichen der Karnevalsfreunde. An der Theke bekomme ich einen Eindruck von der Akkordarbeit, die sie leisten und bin überrascht. Keiner wirkt gehetzt. Von jedem bekomme ich ein freundliches „Hallo“.

Stolz ist Redakteurin Janina Rossignol auf ihren brandneuen Orden der Karnevalsfreunde Bechen von 1952.
Copyright: Christopher Arlinghaus
Doch nicht nur mit dem Orden werde ich geehrt, ich darf auch am Tisch von Prinzessin Alexandra I. (Keferstein) und Prinz Andreas I. (Keferstein) sitzen. Neben ihren Gästen habe ich die perfekte Sicht auf die Bühne. Nach den Eselchen ist Guido Cantz angekündigt. Der steckt aber im Verkehr fest, so dass die Mädchen drei Zugaben geben. Beeindruckt schaue ich zur Bühne auf, wo sie, ohne eine Miene zu verziehen, seit einer Dreiviertelstunde die Beine in die Luft werfen, Spagate machen und Hebefiguren vorführen und bekomme schon vom Zuschauen einen Bänderriss. Wenig später kündigt Marc Pütz, Präsident der Karnevalsfreunde, den erwarteten Redner an. Live habe ich Cantz davor noch nie gesehen, aber wie er mit dem Publikum redet, wirkt er wie ein Freund, der in geselliger Runde seine Kumpel unterhält. In dem Fall natürlich Kumpelinen.
Als die Band „Scharmöör“ die Bühne betritt, nehmen die Frauen richtig Fahrt auf. Lauthals singen sie zum kölsche Lied mit, stehen auf den Stühlen und ich… ich verstehe nicht mal den Refrain. Um sich mitreißen zu lassen, muss ich nichts verstehen. Ich klatsche im Takt, wippe von einem Fuß auf den anderen und bin angefixt. Da kommt auch schon der erste Song zum Schunkeln, was ganz neu für mich ist. Auf der Fasnet wird nicht geschunkelt, eher geschwankt. Als Rita an den Tisch kommt, stellen wir uns auf die Stühle, nehmen uns an den Händen und wiegen uns, mit dem restlichen Menschenmeer, hin und her. Da verstehe ich, was mir so oft über den Karneval gesagt wird: Die Verbundenheit der Jecken, der Rheinländer, ist in dem Moment so greifbar wie nie. Ein gemeinsamer Moment der Sorglosigkeit lässt Meinungsverschiedenheiten und Barrieren verschwinden. An diesem Nachmittag sind wir alle Jecke.
Ein unvergessliches Erlebnis
Als Dä Tuppes vum Land (Jörg Runge) seine Pointen zum Besten gibt, schaue ich auf die Uhr. Schon zwei Stunden rum. Die anderen Jecken feiern noch bis 19.30 Uhr, als ich mich bei Rita bedanke für mein erstes, unvergessliches Karnevalserlebnis. Ich verlasse die Sporthalle mit einem Lächeln im Gesicht, einem Orden um den Hals und einem „joode Jeföhl“ im Bauch.
Die Karnevalsfreunde Bechen von 1952 veranstalten auch am 28. und 29. Januar noch Hausfrauennachmittage. Am 28. stehen Martin Schopps, Stadtrand, Paveier, Eldorado, Kasalla und Räuber auf dem Programm und am 29. Bernd Stelter, Miljö, Klüngelköpp, Paveier, Stadtrand und Cat Ballou. Die Karten kosten 44 Euro und sind auf der Website des Vereins erhältlich. www.karnevalsfreunde-bechen.de

