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125. GeburtstagDer Biesfelder Kirchenchor ist mehr als eine einfache Chorgemeinschaft

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Der Kirchenchor singt vor einem Publikum in einer Kirche.

Kraftvolle Lieder präsentierte der Kirchenchor Biesfeld zum Jubiläumskonzert.

Vor 125 Jahren folgten zwölf Männer einem Trend ihrer Zeit und gründeten den Kirchenchor Biesfeld. Zum Geburtstag gab er ein Konzert.

Es waren zwölf sangeslustige Männer, die sich im Jahr 1900 in Biesfeld zu einem Kirchenchor zusammentaten. Das Leben auf dem Lande war damals hart. Tagelöhner und Landarbeiter fanden im Gesang einen Ausgleich von der schweren Arbeit auf den Höfen. Das ist jetzt 125 Jahre her.

Die Männer aus Biesfeld, die sich einst zusammenschlossen, folgten einem Trend der Zeit. Männerchöre waren im Bergischen Land seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts überaus populär.

Ab 1936 nahm der Kirchenchor auch Frauen auf

Söhne folgten auf Väter, und in manchen Dörfern gab es kaum eine Familie, die nicht mindestens mit einem Mitglied in den Männerchören vertreten war. 1936 öffneten sich die Biesfelder und nahmen auch Frauen auf, als gemischter Kirchenchor treten die Aktiven aus Biesfeld und Bechen auch heute noch auf.

Die Mitglieder des Chors sitzen vor einer Kirche.

Als gemischter Kirchenchor treten die Aktiven aus Biesfeld und Bechen auch heute noch auf.

Im Jahr 2017 folgte der Zusammenschluss mit den Sängerinnen und Sängern aus Bechen, zu einer harmonischen Chorgemeinschaft, wie im Chor gesagt wird. Weltliche Darbietungen, Konzerte mit Kirchenliedern und die Organisation des beliebten Volkswandertages immer zu Anfang September belegen, dass die Kirchenchorgemeinschaft verwurzelt ist im gesellschaftlichen Leben der Gemeinde. Schließlich gibt es die großen Jahresausflüge, über mehrere Tage. Geselligkeit und gemeinsames Miteinander schweißen zusammen und halten die Freunde wach.

Das Weihnachtskonzert war der krönende Abschluss

Dass der Biesfelder Chor, noch vor dem Zusammenschluss, im Jahr 2000 das 100-jährige Bestehen außerordentlich feierte, wird manchen Biesfeldern noch in bester Erinnerung sein. Über drei Tage liefen im Jubiläumsjahr die Feierlichkeiten, die alle im Dorf in den Bann zogen. Zum 125-jährigen Bestehen gab es ein besonderes Weihnachtskonzert, das neben den Gastgebern von weiteren Sängern und Musikern unterstützt wurde. Die evangelischen Kirchenchöre aus Bechen und Biesfeld unter der Leitung von Marcus Müller beteiligten sich ebenso wie Gonzalo Paredes am E-Piano und Melissa Mogk an der Orgel (siehe separater Bericht unten).

Das Konzert war der krönende Abschluss der Tätigkeit der Dirigentin Gudrun Fuhrmann. Vor ein paar Wochen hatte Gonzalo Paredes   ihre musikalische Tätigkeit für St. Marien Kürten übernommen. Der vielfach prämierte Musiker will die erfolgreiche Arbeit seiner Vorgängerin fortsetzen. Es warten spannende Zeiten auf die Chorgemeinschaft.


Erst am Sonntag nach dem Dreikönigsfest weichen in der katholischen Kirche die weihnachtlichen weißen Altartücher und Gewänder dem Grün. Bis dahin, bis zum Fest der Taufe des Herrn, ist Weihnachten. Der Kirchenchor Biesfeld nutzte diese Spanne für sein Weihnachtskonzert. Praktisch: Vor genau 125 Jahren trafen sich zwölf Männer und gründeten den Chor. „Interessant ist: Zu dieser Zeit gab es in Biesfeld noch gar keine Kirche“, wundert sich Harald Fischer. Eine Kapelle stand zwar im Ort, und 1908, acht Jahre nach der Gründung des Kirchenchores, nahm man den Bau der neuen Kirche „Zur schmerzhaften Mutter“ in Angriff.

Nach 36 Jahren wurde aus dem Männerchor ein gemischter Chor. „Damals war Vereinsleben wichtig, das war für die Menschen Heimat“, erklärte Diakon Ferdinand Löhr in seinem Streifzug durch die Chorgeschichte. Heute ringen auch Kirchenchöre um Nachwuchs. Also rücken sie zusammen. So wurden die Kirchenchöre aus Bechen und Biesfeld zu einer Chorgemeinschaft. Und diese Gemeinschaft, Nachfolgerin der zwölf Männer von 1900, lud die Chöre der evangelischen Gemeinden ein, um den festlichen Nachmittag am zweiten Sonntag nach Weihnachten zu feiern. Außerdem kam für die instrumentale Stütze eine kleine Besetzung der Musikgemeinschaft Bechen. Musik verbindet.

Festlich jubelnd singt der Chor unter seiner Dirigentin

Das Konzert beginnt nicht mit Jubel. Es beginnt mit Aufbruch. Wenn die ersten Takte des „Transeamus usque Bethlehem“ den Raum füllen, klingt darin eine Entscheidung. Joseph Schnabels Chorsatz führt uns dorthin, wo die Nacht am dunkelsten und die Verheißung am größten war: an die Schwelle des Stalls. Marcus Müller, Chorleiter der evangelischen Chöre, dirigiert. Das Blechbläserensemble übernimmt die Rolle des Orchesters, und Gudrun Fuhrmann, die Kirchenmusikerin der Gemeinde, spielt die Orgel.

Ein kraftvoller Auftakt. Dann die Weihnachtslieder des Chores: kurze, fein klingende Sätze verschiedener Komponisten. „Joy to the World“ – eines der bekanntesten Weihnachtslieder im englischsprachigen Raum – erklingt als „Freuet euch all, der Herr ist da“. Festlich jubelnd singt der Chor unter seiner Dirigentin, die zugleich Klavier spielt. Dirk Cürten moderiert und lässt die Vorfreude schon in seinen Worten aufscheinen.

Populäre Melodien wie treffen auf orchestrale Wucht

Das Lied der tausend Engel oder ein Weihnachtswiegenlied: Kontraste zwischen Jubel und sanftem Traum. Das Publikum hört gebannt zu, lässt sich immer wieder überraschen. So gelingt auch „Die wunderbarste Zeit ist nah“ von John Rutter, verwirklicht mit vier Solisten. Und „Quand Jésus naquit à Noël“ ist kein besinnliches Weihnachtslied, sondern eine triumphale Klangexplosion. Melissa Mogk spielt das Werk von Claude Balbastre an der Orgel; ansonsten singt sie im Sopran des Chores.

Zum Schluss stehen alle Sängerinnen und Sänger wieder auf. Marcus Müller dirigiert noch einmal. Zunächst „Weihnachten im Lichterschein“, dann „Bethlehem“. Kurt Gäble hat mit seiner „Weihnachtsgeschichte“ kein neues Evangelium geschrieben. Er hat das Vorhandene neu sortiert. Sein Werk ist eine Montage der Vertrautheit: populäre Melodien wie „Stern über Bethlehem“ treffen auf orchestrale Wucht. Popmusik auf solide Chorsätze.

Gudrun Fuhrmann gibt die Leitung des Chores an Gonzalo Paredes ab

Nach langem Applaus tritt Harald Fischer vor. Er verkündet, dass Gudrun Fuhrmann die Leitung des Chores an den Kirchenbereichsmusiker Gonzalo Paredes übergibt, der an diesem Nachmittag bereits kräftig mitmischte – im Chor und am Klavier. Er dankt für die Zusammenarbeit. Und er erzählt von ihren Begegnungen: „Tach, Chef“, habe die Chorleiterin immer gesagt. „Das hat mich irritiert, denn unser gemeinsamer Chef ist ja eigentlich …“ Harald Fischers Blick streift nach oben gen Himmel, er lächelt.

Nach all den Jahren freut er sich, dass die Kirchenmusikerin der Gemeinde teilweise erhalten bleibt und weiterhin Aufgaben übernimmt.