Bus landet auf dem Dach, verkeilt in die Hauswand eines Restaurants. Die Bergung des Wracks gestaltet sich schwierig. Anwohner sind schockiert.
Eisglatte StraßeBusunglück in Kürten muss aufgearbeitet werden

Die Bergung des tonnenschweren Bus-Wracks gestaltet sich sehr aufwendig und schwierig.
Copyright: Christopher Arlinghaus
Auf glatter Straße ist am Freitagmorgen in Kürten ein Linienbus ins Rutschen gekommen. Nach einem Stoß gegen den Bordstein, überschlägt er sich, kippt einen Hang hinunter und kommt auf dem Dach liegend zum Stillstand. Dabei verkeilt er sich mit dem Hausdach des unterhalb der Böschung liegenden Gebäudes eines griechischen Grillimbisses.
Der Wupsi-Bus ist gegen 7.50 Uhr auf der verschneiten, steilen Bergstraße unterwegs in Richtung Ortszentrum. An Bord der Linie 427 befinden sich außer dem Busfahrer zwei Fahrgäste. Wie die Polizei berichtet, verletzt sich der 47 Jahre alte Fahrer bei dem Unglück schwer, aber nicht lebensgefährlich.
Die Bergung des Busses gestaltet sich sehr schwierig
Die beiden Businsassen ziehen sich zum Glück nur leichte Verletzungen zu. Alle drei sind nach der Erstversorgung am Unfallort zur weiteren Behandlung in Krankenhäuser gebracht worden. Die Bergung des meterlangen und tonnenschweren Fahrzeugs gestaltet sich sehr schwierig.
Alles zum Thema Bergisches Land
Als die 18-jährige Ramsye aufsteht und aus ihrem Fenster blickt, glaubt sie zuerst nicht, was sie sieht: „Überall Polizei und Feuerwehr und dann der Bus, der auf dem Kopf steht“, berichtet sie immer noch vollkommen schockiert, „ich wusste ja nicht, wie viele Leute im Bus saßen.“ Besonders groß ist ihre Sorge, weil ihr Cousin Busfahrer bei der Wupsi ist.

Der tonnenschwere Linienbus 427 wurde vom Restaurantgebäude gestoppt.
Copyright: Christopher Arlinghaus
In ihrer Verzweiflung verständigt sie Johannes de la Haye. Er unterstützt die afghanische Flüchtlingsfamilie seit zehn Jahren ehrenamtlich. Der Cousin saß nicht hinter dem Steuer, das konnte schnell geklärt werden. „Für den Busfahrer tut mir das richtig leid“, sagt de la Haye.
Er kritisiert, dass die Gemeinde Kürten sich nicht genug darum kümmere, dass die viel befahrene, kurvige und steile Bergstraße zwischen Kürten-Zentrum und Bechen gestreut werde. „Ich bin da auch schon mit meinem Wagen ins Rutschen gekommen“, berichtet er.
Vor Ort seit den frühen Morgenstunden ist auch die Freiwillige Feuerwehr Kürten. „Als ich die Alarmierung, verletzte Personen eingeklemmt, mit Adresse erhielt, klingelte es bei mir zunächst nicht“, sagt Timo Lieth. Erst vor Ort realisiert er, dass das beschädigte Gebäude seinem Arbeitgeber, Irlenbusch Versicherungen, gehört.

Mit am Bus befestigten Schwerlastgurten und mithilfe einer Seilwinde wird das Wrack wieder aufgerichtet.
Copyright: Christopher Arlinghaus
Die Kürtener Feuerwehr muss nicht aktiv werden. Als die Wehren aus Kürten, Biesfeld und Olpe eintreffen, sind die Verletzten bereits in Obhut der Rettungsdienste. Lieth hofft, dass alle Beteiligten, bald alles überstanden haben. Eine verletzte Frau habe erzählt, dass Splitter von Glasscherben in ihre Augen geraten seien. Sie habe zu ihm gesagt: „So habe ich mir den Auftakt zum neuen Jahr nicht vorgestellt.“
Theo Papaspirou, Betreiber des Grillimbisses El Greco, auch nicht. „Das hätte wirklich richtig schlimm ausgehen können“, meint er, „jetzt sind Ferien, zu Schulzeiten wäre die Linie 427 rappelvoll gewesen mit Schülern, die zum Teil dicht gedrängt stehen.“
Das Dach ist abrasiert, die Fensterscheiben sind zersplittert
Inzwischen ist es 11 Uhr. Die vier Mitarbeiter eines Spezial-Bergungsdienstes für Lkw und Busse aus Leverkusen haben es geschafft, den Bus mit angebrachten Lastgurten und der Kraft einer Seilwinde Stück für Stück von der Hauswand weg auf den daneben liegenden Parkplatz zu ziehen.
Dort lehnt der Wupsi-Bus jetzt am Hang, die Frontscheibe zersplittert, das Dach abrasiert – ein Totalschaden. Automatisch stellt sich der Zuschauer vor, was die Businsassen durchgemacht haben müssen, in dem Moment der Ohnmacht, als der Bus den Hang hinunter schlitterte.
Ein Jogger bleibt stehen: „Ach, du Scheiße“, sagt er fassungslos zu sich selbst. „Oh Mann! Das gibt es doch gar nicht“. Er atmet tief durch, macht ein Handyfoto und läuft weiter.
Es wird noch mehrere Stunden, bis 14.30 Uhr, dauern, das Wrack in mehreren Versuchen auf dem vereisten Boden mithilfe von hydraulischen Kissen aus der Schräglage wieder in den Stand zu bekommen, sodass der Koloss abtransportiert werden kann.
„Es sieht zunächst so aus, als sei der Unfall einigermaßen glimpflich ausgegangen, ohne schwerste Verletzungen für die Passagiere“, sagt Kristin Menzel, Pressesprecherin der Wupsi. Die Ursachen müssten jetzt aufgearbeitet werden. Das Grillrestaurant muss geschlossen bleiben, bis ein Statiker festgestellt hat, dass das Haus standfest ist.

