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20.000 ElefantenBeim Literatursalon Altenberg geht es um ein Geschenk mit Folgen

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Links sitzt Denis Scheck. Er hört der neben ihm sitzenden, schwarz gekleideten Autorin Gaea Schoeters zu, die in ein Mikro spricht.

Denis Scheck im Gespräch mit der Autorin Gaea Schoeters. Die Flämin schreibt nicht nur über Politik – sie führt sie vor.

Beim Literatursalon in Altenberg stellte Gaea Schoeters im Gespräch mit Denis Scheck ihre bissige Satire vor.

Im April 2024 sorgt der botswanische Präsident Mokgweetsi Masisi mit einem ungewöhnlichen Angebot für Aufsehen: Er bietet Deutschland 20.000 Elefanten als Geschenk an. Masisi kritisierte das deutsche Vorhaben, die Einfuhr von Jagdtrophäen strenger zu reglementieren, als „neokoloniale Bevormundung“ und wollte damit verdeutlichen, wie herausfordernd das Zusammenleben mit einer riesigen Elefantenpopulation sein kann. Doch was hat das alles mit dem Literatursalon in Altenberg zu tun?

Denis Scheck sprach dort mit der flämischen Autorin Gaea Schoeters über ihren Roman „Das Geschenk“, der im Sommer erschienen ist und genau dieses Thema aufgreift. „Ich brauche Anregungen, ansonsten bin ich nicht kreativ“, meint die Autorin bescheiden. Die Ausgangslage ihres Romans: 20.000 Dickhäuter trampeln durch deutsche Vorgärten – eine diplomatische Rache aus Botswana, die Schoeters mit grimmigem Witz seziert. „Ich habe eine Politiksatire geschrieben und das Gute daran ist, dass ich die Faktenlage als Fiktion selbst schaffen kann“, erklärt die sympathische, hochgewachsene Autorin, die ganz in Schwarz gekleidet ist.

Der erste Eindruck bestätigt sich: Gaea Schoeters bleibt bescheiden

Ihre beiden Bücher bringt sie unspektakulär in einem einfachen Stoffbeutel mit auf die Bühne. Der erste Eindruck bestätigt sich im Gespräch mit Denis Scheck beim Literatursalon im Altenberger Hof: Gaea Schoeters bleibt bescheiden. Sie schreibt nicht nur über Politik; sie führt sie vor. Sie nimmt die deutsche Selbstgerechtigkeit beim Wort und lässt sie im Dung der Realität versinken. Denn das erste, was der Bundeskanzler macht, ist die Einrichtung eines Elefantenministeriums.

Das Problem ergibt sich aus der „Faktenlage“: Der botswanische Präsident hat einen Medizinmann gebeten, die Elefanten mit einem Zauber auszustatten: Tötet man einen, treten zwei neue an seine Stelle. 20.000 Gewehrkugeln sind also keine Lösung. Gut, dass Schoeters die Realität selbst bestimmen kann. „Für mich ist der Roman ein Guckkasten. Hier setze ich die Personen hinein“, erklärt sie bildhaft. Daher „befragt“ sie den Bundeskanzler: Wie war Deine Jugend? Wie bist Du groß geworden? „Für manche Menschen wirkt das komisch, aber für mich ist das eine Methode, mich den Personen zu nähern“, ergänzt sie.

Denis Scheck besprach „Das Geschenk“ bereits kurz nach Erscheinen sehr positiv

Im Gespräch mit Denis Scheck, der „Das Geschenk“ bereits kurz nach dem Erscheinen sehr positiv besprach, erfährt man mehr über die Autorin. Ihr Vater war Politiker in Belgien. „Immer zwei Belgier wählen einen Politiker, der ihnen gefällt, und die müssen dann zusammen regieren“, erzählt sie lachend. Doch habe sie vor Menschen, die politisch arbeiten, großen Respekt. Diese müssten viele Kompromisse eingehen, und in der Politik tut jeder Kompromiss weh.

Außerdem erfahren die Literaturenthusiasten im Altenberger Salon, dass Gaea Schoeters Bikerin ist. Mit ihrer Partnerin reist sie mit Motorrädern in viele Länder. „Wie bereiten Sie sich denn auf eine solche Reise vor?“ fragt Scheck. „Für eine 2007 geplante Fahrt nach Russland wollte ich Russisch lernen, das hat erst einmal drei Jahre gedauert“, berichtet sie. Doch nun würde sie dort nicht mehr einreisen. „Man kommt zwar schnell herein, weiß aber nicht, wie lange es dauert, bis man wieder herauskommt“, sinniert sie lächelnd.

Bei ihrer letzten Reise lernte sie auch geschlossene Grenzen kennen

Auf die Gefahren angesprochen, meint sie, der Verkehr in Indien sei besonders gefährlich. In China dagegen wird man von einem Guide begleitet, der jeden Tag viel Geld kostet. Doch bei früheren Reisen habe man die Route weitgehend im Voraus planen können. Bei der letzten Reise habe man jedoch auch geschlossene Grenzen kennengelernt, auch als verwöhnte Europäerinnen, die ja mit ihrem Pass gefühlt überall hin reisen können. „Da merkt man, wie es Menschen gehen muss, die mit ihrem Pass auch vor geschlossenen Grenzen stehen. “ Sie hätten folglich alle drei Tage umplanen müssen.

Zum Schluss liest sie noch einmal aus ihrem Roman: Für die Elefanten veranstaltet Deutschland ein Konzert im Naturkundemuseum. Mit Cellomusik. Doch ein Elefant wird wütend und stürmt auf einen berühmten Cellisten zu. Der wird mitsamt seines Cellos von Sicherheitskräften gerettet. Vielleicht hat man das Trauerritual, das die Elefanten mit den Skeletten ihrer Artgenossen im Museum begingen, gestört?