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InterviewFür Odenthals neue Rathauschefin stehen die Schulen ganz oben auf der Liste

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Eine Frau mit blondem, langen Haar und Brille sitzt an einem Schreibtisch.

Laura Lundberg (CDU) ist die erste Frau auf dem Chefsessel im Odenthaler Rathaus.

Im Jahresinterview spricht Laura Lundberg (CDU) über Aufgaben und Herausforderungen, die 2026 auf sie warten.

Die Odenthaler Kasse ist leer, 2025 hakte es bei vielen Projekten, die in der Kommune anstehen. Wie es 2026 besser laufen könnte und welche Baustellen die drängendsten sind, darüber sprach Stephanie Peine mit der neuen Rathauschefin.

Sie sind jetzt seit zwei Monaten im Amt. Was haben Sie sich vorher anders vorgestellt?

Eigentlich gar nichts. Ich denke, ich hatte schon ein sehr realistisches Bild. Gefreut hat mich, dass es mir alle hier im Rathaus sehr leicht gemacht haben, dass ich so positiv aufgenommen worden bin und alle meine Fragen stellen durfte.

Kennen Sie mittlerweile alle 105 Beschäftigten in der Verwaltung persönlich?

Noch nicht ganz, aber ich bin auf einem guten Weg. Einige wenige habe ich noch nicht besucht, weil es parallel zur Einarbeitung gehen sollte und ich schnell arbeitsfähig sein wollte. Aber Personalratssitzung und Weihnachtsfeier waren gute Gelegenheiten, sich kennenzulernen. Ich möchte im Haus und nach draußen jederzeit ansprechbar sein und gut zuzuhören – darauf liegt mein Fokus.

Welche Weichen konnten Sie bereits stellen?

Ich bin noch dabei, mich einzuarbeiten und stelle viele Fragen. Aber eine notwendige und wichtige Entscheidung haben wir bereits getroffen: den temporären Ersatzstandort für die Grundschule Odenthal (die in den Sommerferien in Container am Dhünntalstadion umziehen soll, d. Red.) Mein Credo war, das gut vorzubereiten. Ich habe den Ältestenrat einberufen und wir haben zwei Runde Tische mit allen Beteiligten organisiert, um alle mitzunehmen und früh in den Dialog zu gehen. Erst dann haben wir das Vorhaben der Politik zur Entscheidung vorgelegt - und es hat keinen Widerstand gegeben.

Was steht 2026 ganz oben auf der Agenda? Natürlich weiter das Thema Schule. Die Einführung eines Baustellenmanagements ist ebenfalls in Planung. Zudem die Gewerbe- und Wirtschaftsförderung. Aber wichtig ist mir auch, die Digitalisierung im Haus besser zu verankern. Kurzfristig werden wir in Odenthal einen Mängelmelder einführen, da sind wir auf der Zielgeraden. Die Öffentlichkeitsarbeit soll breiter aufgestellt werden, auch unter Einbeziehung von Social Media, und wir wollen unsere Homepage attraktiver machen.

Die Schulen sind eine Riesenbaustelle. Woran hakt es besonders?

Lange Zeit fehlte der Fachbereichsleiter, den wir mit Herrn Schade jetzt haben und der auch aus diesem Bereich kommt. Die Projekte werden jetzt priorisiert und strukturiert. Dass die Grundschule den Baustellenbereich auf dem Campus räumt, macht den Weg frei.

Laufen die Kosten für die Bauten davon? Zuletzt war von elf Millionen Euro für die Gymnasialerweiterung die Rede und auch die Grundschule, die allerdings als Flutschaden zu weiten Teilen vom Land getragen wird, soll inzwischen in dieser Größenordnung liegen.

Eine Glaskugel habe ich nicht, aber der vorübergehende Standortwechsel der Grundschule verbessert nicht nur die Sicherheit, sondern auch das Baustellenmanagement. Das wirkt sich positiv auf die Kosten aus. Die haben wir im Blick.

Apropos Kosten: Odenthal hat einen Doppelhaushalt verabschiedet, werden Sie einen Nachtragshaushalt benötigen?

Aktuell steht das nicht auf der Agenda.

Um eine Baustelle ist es still geworden: um den Bauhof. Das Salzlager ist zusammengebrochen, der Gebäudebestand marode. Wie soll es da oben in Neschen weitergehen?

Das Projekt ruht derzeit, ist aber nicht vom Tisch. Diese Entscheidung haben wir noch vor der Brust. Der Bauhofservice in Odenthal hat eine bedeutsame Rolle, da müssen wir auf jeden Fall handeln.

Welchen Entwicklungsstand haben eigentlich die geplanten Baugebiete auf der Penny- und auf der Ponywiese? Auch von diesen Projekten hört man nicht mehr viel.

Die Bebauung der Ponywiese wurde ja verkleinert und ist deswegen noch – in Absprache mit dem Kreis - im Verfahren. Bei der Pennywiese liegt der Ball derzeit bei dem Investor. Wir sind jederzeit bereit zu unterstützen. Wir haben großes Interesse daran, beide Projekte erfolgreich zu begleiten, um Wohnraum in Odenthal zu schaffen.

Die Alte Kaplanei soll von der gemeinnützigen Kleeblatt-Stiftung übernommen werden. Ist das schon in trockenen Tüchern?

Hier war ja eine Bebauungsplanänderung nötig, um die nötigen Umbauten zu ermöglichen. Das ist politisch abgesegnet worden. Der Kaufvertrag wird derzeit zwischen der Kirche und der Stiftung ausgehandelt.

Wird es in Ihrer Ägide noch einmal einen Vorstoß für Gewerbeflächen oder größere, zusammenhängende Baugebiete geben - etwa am Erbericher Kirchweg, wo es in der Vergangenheit Bürgerproteste gegeben hat?

Ich möchte Gewerbe- und Handwerkerhöfe etablieren, und wir müssen klären, wo, was und wie möglich ist. Denn das ist absolut notwendig. Wir brauchen aber auch Wohnraum in Form von Mietwohnungen in Odenthal. Die Entwicklung an der sogenannten Langen Geraden in Neschen wird nicht mehr verfolgt. Das Grundstück am Erbericher Kirchweg liegt außerhalb des Allgemeinen Siedlungsbereiches. Eine Bearbeitung oder Überplanung dieser Fläche wird nicht verfolgt.

Wenn Sie den Satz vervollständigen müssten: „Es ist nicht einfach, Bürgermeisterin in Odenthal zu sein, weil..“, wie lautete dann dieser Satz?

„… weil unsere finanzielle Situation herausfordernd ist und bleibt.“