Eine Privatinitiative aus Odenthal schickt erneut einen Transport nach Charkiw: "Ich bin überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Odenthaler", sagt Initiator Gerd Kortschlag.
OdenthalLastwagen ist schnell bis unters Dach beladen mit Hilfsgütern für die Ukraine

Gerd Kortschlag (rechts, stehend) und Helfer inmitten der vielen Kartons mit dringend nötigen Spenden für die Menschen im Kriegsgebiet von Charkiw in der Ukraine.
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Die Hilfe rollt an: Auch in Form von fünf Rollatoren, die Norbert Bonn in einer langen Reihe vor sich her schiebt. Dabei ist der Bergisch Gladbacher noch gut zu Fuß und benötigt keine Gehhilfe – und schon gar nicht fünf Stück an der Zahl. Aber Gerd Kortschlag aus Odenthal braucht sie dringend. Der ist zwar ebenfalls nicht gebrechlich, sondern äußerst fit, hat aber wieder zur Hilfe für Charkiw in der Ukraine aufgerufen.
Der pensionierte Mitarbeiter der hauptamtlichen Feuerwehr Leverkusen nutzt seit Ausbruch des Krieges regelmäßig seine umfassenden Netzwerke, um den Menschen in der Ukraine zu helfen und besonders dortige Rettungsdienste, Krankenhäuser, Kinder- und Seniorenheime mit dem Nötigsten zu versorgen.
Rollstühle, Rollatoren, Matratzen und vieles mehr werden geladen
Da kommen die fünf Rollatoren gerade recht. Ursprünglich aus einem Sanitätshaus, waren sie von Norbert Bonns Theatergruppe für das Stück „Abendfrieden“, aufgeführt auf der Bühne des Gladbacher Theas-Theaters, genutzt worden. Seither waren sie in Bonns Garage zwischengelagert, weil das Sanitätshaus sie nicht zurückgenommen habe, erzählt er. Nun gehen sie in wenigen Tagen mit Kortschlag und einer begleitenden Dolmetscherin auf die Reise nach Charkiw.
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Ebenso Rollstühle, Nachtstühle, Heizdecken, Matratzen, Schlafsäcke und Isomatten, Heizradiatoren, Taschenlampen, Batterien, Kinderwagen, Infusionsbestecke, Medikamente, Hygieneartikel, haltbare Lebensmittel und vieles mehr. Die Sammlung auf dem Schulhof der Grundschule in Odenthal-Blecher hat noch gar nicht richtig begonnen, da ist der Lastwagen schon fast voll. „1370 Kilogramm sind schon jetzt im Wagen“, freut sich Kortschlag.

Die Hilfsgüter sind vor allem für Rettungsdienste, Seniorenheime und Krankenhäuser gedacht.
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Und auch der Wagen selbst, ein 7,5-Tonner, an den Kortschlag noch einen Anhänger koppeln wird, ist leihweise zur Verfügung gestellt von der Humanitären Hilfe Overath. Die fährt ebenfalls regelmäßig in die Ukraine und ist gerade erst von einer Fahrt zurück.
Die Hilfsbereitschaft sei jedes Mal so groß, erzählt Kortschlag. Ein Seniorenheim in Charkiw habe ihn um Waschmaschinen gebeten. „Vier wurden angefragt, fünf wurden mir vor die Haustür gestellt.“ Nagelneu und noch verpackt. „Ich bin da immer wieder überwältigt“, sagt er und muss schon wieder los, die nächsten Pakete in Empfang nehmen.
Zwischendurch wird ihm Geld für den Dieselkraftstoff zugesteckt, den er auf der dreitägigen Fahrt verbrauchen wird. Geld, mit oder ohne Spendenquittung, den meisten ist es egal, sie freuen sich still und wollen auch namentlich nicht gern genannt werden. Aber helfen wollen sie.
Dieses Mal erstmals auch mittels kleiner, individuell befüllter Geschenkpäckchen für Kinder, Familien, Senioren oder Frontsoldaten. „Es ist so schrecklich, was wir da im Fernsehen sehen“, sagt Ursel Vierkötter, die extra aus Bergisch Gladbach gekommen ist, um ein Päckchen mit auf die Reise zu geben. „Wir leben hier im Überfluss“, meint sie, und es sei schön, etwas abgeben zu können.

