Ein Besucher entdeckte das Fruchtgummitütchen zufällig, als er Fotos mit dem Teleobjektiv machte. Über den Urheber gibt es eine Vermutung.
Entdeckung im DeckengewölbeIm Altenberger Dom verstecken sich Haribo-Gummibärchen

Das Corpus Delicti: Das versteckte Gummibärchen mitten im Schlussstein des Altenberger Domes.
Copyright: Christopher Arlinghaus
Goldene Engel, güldene liturgische Gegenstände und Ornamente, auch die Madonna im goldenen Strahlenkranz vor dem Altarraum – all das beeindruckt Besucher des Altenberger Doms regelmäßig. Weitgehend unbekannt ist hingegen das Goldbärchen im Altenberger Dom, das auch unter Kunsthistorikern bedauerlicherweise bisher noch viel zu wenig Beachtung gefunden hat.
Nur wenige gotische Gotteshäuser dürften über ein vergleichbares Schmuckdetail verfügen, denn normalerweise hat das Goldbärchen, ordentlich eingetütet, in den Süßigkeitsregalen der Supermärkte seinen angestammten Platz. Nicht so in Altenberg. Hier ist das Goldbärchen zentrales Element eines Schlusssteins hoch oben im Kreuzrippengewölbe der Kirche, farblich perfekt der rot-goldenen Umgebung angepasst, was wohl mit ein Grund ist, warum es lange Zeit unentdeckt blieb.
Süßes Geheimnis im Kreuzrippengewölbe
Bis Ende 2024. Da machte ein Fotograf aus Bonn bei der Auswertung seiner im Dom geschossenen Fotos, für die er ein Teleobjektiv verwendet hatte, eine merkwürdige Entdeckung, berichtet Dr. Norbert Orthen die Vorgeschichte. In der Mitte des Schlusssteins des dritten Jochs von Westen entdeckte der Fotograf nicht etwa die im kirchlichen Kontext bekannte Darstellung des Herrn, sondern eine „Darstellung des Haribo Goldbären“, wundert sich der Zisterzienserexperte noch heute.
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Mit bloßem Auge nicht zu erkennen, steckt das kleine Tütchen mit den Goldbärchen in 15 Metern Höhe fest.
Copyright: Christopher Arlinghaus
Mit bloßem Auge sei wenig von dem wenige Zentimeter großen, originalverpackten Fruchtgummi in rund 15 Metern Höhe zu erkennen. Das Tütchen steckt, gut eingeklemmt, mitten in der rot-güldenen Ornamentik fest, und das sehr weltliche Goldbärchen auf der Verpackung schaut von dort mit großen Augen auf das sakrale Geschehen herab. Zeitlich ist der Fund nicht genau zu datieren, sicher ist nur: Aus dem Mittelalter stammt er nicht, denn damals war der Goldbär im Gegensatz zum Goldschakal im Bergischen noch nicht verbreitet.
Über die Urheberschaft des seltsamen Kunstwerks wird gerätselt
Doch wie ist der Goldbär dann in den Kirchenhimmel gelangt? Orthen hat da so seine Vermutung. Möglicherweise habe sich während der letzten Restaurierung der Kirche in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts einer der Restauratoren der Schlusssteine auf diese ungewöhnliche Weise verewigt, spekuliert er in einer Ausgabe der von ihm lange Jahre herausgegebenen Altenberger Blätter. Das wäre dann eine moderne Adaption der historischen Tradition alter Handwerkszeichen, meint er scherzhaft.
Bemerkungen von einem der Restauratoren aus der damaligen Zeit legten diese Vermutung jedenfalls sehr nahe, meint Orthen. Und es soll weitere dieser versteckten Hinweise in der Kirche geben, die noch unentdeckt geblieben sind. Spürnasen sind also gefragt.
An einer genaueren Untersuchung des Corpus Delicti aus Fruchtgummi, das dem Küster der katholischen Gemeinde wohl schon länger bekannt war, scheint allerdings niemand Interesse zu haben, auch nicht die Liebhaber von Goldbärchen. Über die Jahre dürfte sich die vormals weiche Fruchtgummimasse der Konsistenz des umgebenden steinernen Materials angenähert haben.

