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GenossenschaftVorstandsvorsitzender der Soennecken eG in Overath gibt Einblicke in seine Arbeit

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Stefan Salzer hat graues Haar und trägt einen grauen Anzug.

Seit Januar ist Stefan Salzer der neue Vorstandsvorsitzende der Soennecken eG.

Stefan Salzer ist seit Januar Vorstandsvorsitzender. Dass er mal für eine Genossenschaft arbeiten würde, hat er nicht kommen sehen.

Frischer Wind weht seit Januar im Vorstand der Soennecken Genossenschaft in Overath. Stefan Salzer heißt der neue Vorstandsvorsitzende der Unternehmensgruppe mit rund 500 Handelsunternehmen. Die Genossenschaft handelt mit Lösungen im Bereich Büro und Bildung, vom Schreibwarenbedarf bis zur Büroeinrichtung.

Dass er mal für eine Genossenschaft arbeiten würde, hat Salzer nicht kommen sehen, wie er im Gespräch erzählt. „Dadurch, dass viele Akteure mit im Boot sitzen, hatte ich das Vorurteil, dass Genossenschaften nicht gut strukturiert sind“, meint der 48-Jährige. Doch das habe sich erledigt, als er gemerkt habe, dass die Gruppe gut organisiert und in ihrer Branche eine der größten Spieler sei.

Salzer ist gut im Berufsalltag angekommen

Was ihn trotz Vorbehalt dazu gebracht hat, sich zu bewerben? „Wir bündeln die Kräfte vieler kleiner Fachhändler, damit die sich im Markt in Konkurrenz zum Onlinehandel und internationalen Anbietern beweisen können. Heute muss man groß sein, um gute Preise anbieten zu können. Und dieser Gedanke hat mich angespornt.“

Auch wenn er noch nicht alle Kollegen kennt, es gibt schließlich 470 davon, ist er gut im Berufsalltag angekommen. „Mein Tag geht los, wenn meine beiden Kinder zur Schule unterwegs sind und ich im Auto mit dem Team telefoniere und mich mit ihnen zu Themen und Terminen abstimme“, gibt er einen Einblick. Dann würde zum Beispiel Politisches diskutiert, etwa, was die Dieselerhöhung für Soennecken bedeutet. „Die Lieferung unserer Produkte kostet uns jetzt 25 Cent mehr, was machen wir damit? Schlucken wir das erst einmal oder geben wir die Preiserhöhung an den Kunden weiter?“, erläutert er die Art der Diskussionen. Das sei der Teil seines Jobs, der ihm am meisten Spaß mache. „Ich mag es, mit anderen an knackigen Themen zu arbeiten, und sich zu fragen, was man verändern kann, um nach vorne zu kommen.“ Die Lösungsansätze müssten dann mit den knapp 500 Unternehmen abgesprochen und moderiert werden.

Oftmals ist Diplomatie gefragt

Das sei mit eine der größten Herausforderungen seines Jobs. Da viele Mitgliedsunternehmen auf eine lange Firmengeschichte zurückblicken könnten, hätten sie viel Unternehmensselbstbewusstsein, so dass Diplomatie gefragt sei. Und je nachdem auf wie viel Begeisterung neue Lösungen stoßen, muss Salzer auch Kritik aushalten können. Sein Anspruch sei dabei, dass die Mitgliedsunternehmen zumindest nachvollziehen können, weshalb manche Entscheidungen getroffen werden.

Dreimal pro Quartal bereitet Salzer zudem die Aufsichtsratssitzung vor. Dazu kommen Verhandlungen mit Herstellern, Marktbeobachtungen, Standorte besuchen und sich mit Kunden treffen. Auch die Absprache mit anderen Verbundgruppen gehört zur Arbeit, wenn es zum Beispiel um den Import von billiger und nach europäischen Richtlinien illegal hergestellter Ware geht, bringt Soennecken Forderungen mit anderen Akteuren ihrer Branche in die Politik ein.

Salzer ist ein „Zahlen, Daten, Fakten“-Typ

Eine Sorge, die er vor dem Antritt seines Postens hatte, war, dass durch Uneinigkeiten zu viel Zeit vergeht, bis Veränderungen umgesetzt werden. Das habe sich aber nicht bewahrheitet, bisher habe er den Eindruck, dass Veränderungen auch gewünscht sind. Dabei tritt Salzer in große Fußstapfen, sein Vorgänger Dr. Benedikt Erdmann war nämlich 30 Jahre lang Vorstandsvorsitzender bei Soennecken.

Seine Arbeitsweise unterscheide sich von Erdmanns insofern, als das Salzer ein „Zahlen, Daten, Fakten“-Typ sei. Die schaue er sich mit seinem Team häufig und genau an. Und auch, dass er keine Erfahrung mit Genossenschaften oder dem Büro- und Bildungsmarkt hat, sorgen für Veränderung. „Das ist gleichzeitig mein größter Vor- und auch Nachteil“, sagt er schmunzelnd. Eine Schwäche sei es, weil er manchmal verspätet verstehe, wieso gewisse Dinge genau so gehandhabt werden und nicht anders. Der Vorteil   wiederum liege darin, dass er   manchmal schneller merke, wenn etwas nicht sinnvoll ist.

Salzers Ziel ist es, Wachstumschancen wahrzunehmen

Wichtig ist Salzer, dass ihn seine Kollegen als nahbar empfinden. „Wenn man mich in Watte packen müsste bei schlechten Nachrichten oder Fragen, würde ich einen schlechten Job machen. Ich will, dass meine Kollegen wissen, dass man mir die Dinge so sagen kann, wie sie sind.“

Trotz eines herausfordernden Marktes, in Zeiten von Tablets und Homeoffice, halte Soennecken seine Größe. Salzers Ziel ist es, nicht nur dafür zu sorgen, dass es weiter so bleibt, sondern auch Wachstumschancen wahrzunehmen. „Ich möchte, dass die Leute bei uns kaufen, weil wir die beste Option sind.“ Dazu gehöre nicht nur ein attraktiver Preis, sondern auch der Service und die zeitnahe Lieferung. Damit wolle er den Mitgliedsunternehmen nachhaltig den Rücken stärken. Auch eine gewisse Vereinheitlichung zwischen den Mitgliedsunternehmen könne er sich vorstellen. „Wir wollen keine Gleichschaltung, aber an einigen Stellen ist es sinnvoll.“ Ansonsten müsse sich der Kunde am Ende immer selbst überlegen, ob er seinen Block und Stift online bestellt oder in den Einzelhandel geht, um zu stöbern und sich beraten zu lassen.