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OverathWarum der Immekeppeler Campingplatz weichen soll

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Zu sehen ist eine Parzelle auf einem Dauercampingplatz.

Dem Campingplatz Immekeppel droht die Schließung.

Die Mieter des seit 60 Jahren bestehenden Platzes haben eine Initiative zur Rettung gegründet.

Idyllisch liegt der Campingplatz in Immekeppel hinter dem Sportplatz. Leise plätschert die Sülz hinter den Wagen, die zum Großteil über Generationen hinweg gepachtet werden. Es ist eine kleine Gemeinschaft, die sich dort geformt hat. Viele der Pächter kommen aus der Region oder der näheren Umgebung, verbringen hier ihre Wochenenden, Urlaube, schaffen Erinnerungen mit ihren Familien.

„Die Betreiberin ist schon etwas älter und konnte die Pflege für den Platz irgendwann nicht mehr allein stemmen. Seither machen wir das Ufer frei, mähen und Ähnliches“, erzählt Alexander Meyen, der seit Jahren mit dem Platz und seinen saisonalen Bewohnern verbunden ist. Ein Schreiben des städtischen Bauamtes an die Betreiberin vom April hat nun einen Riss durch die Idylle gezogen, denn es fordert: Der Campingplatz muss bis 2027 weg.

Gründe liegen im Bereich des Baurechts

Dafür gibt es laut Stadtverwaltung mehrere Gründe. So befindet sich der Platz im sogenannten „Außenbereich“, der nicht bebaut werden darf. Außerdem gebe es für den Platz keine Baugenehmigung, da er illegal entstanden sei, und er liege in einem Landschaftsschutzgebiet, eine Vorstufe zum Naturschutzgebiet und in einem Überschwemmungsgebiet, das für den Fall eines Jahrhunderthochwassers freigehalten werden muss. Im nahe gelegenen Loope im Oberbergischen Kreis haben die Pächter eines Campingplatzes dasselbe Problem. Beide Plätze gibt es seit mehr als 60 Jahren.

Betroffen von der Schließung sind etwa 20 Parzellen. Manche hätten ihre Sachen auf das Schreiben hin bereits gepackt, wie die Betreiberin, Agnes Pick, berichtet. Die Mieter von etwa zehn Parzellen sind aber entschlossen sich zu wehren. „Es fing an mit mir und meinem Nachbarn“, berichtet Meyen. Sie haben die Initiative „Rettet den Campingplatz Immekeppel“ gegründet und sich mit den anderen Pächtern vernetzt. Um den Platz herum hängen bereits Schilder, mit denen sie auf ihr Problem hinweisen.

Eine Frau und ein Mann stehen nebeneinander und lächeln. Der Mann hält einige Bögen Papier in der Hand.

Betreiberin Agnes Pick und Pächter Ulrich Matalla kennen sich schon lange. Pick unterstützt die Mieter bei ihrem Anliegen.

Warum der Platz erst jetzt weg soll, ist ihnen nicht klar. „Das Bauamt äußert sich nicht genau. Aber wir haben kein Hochwasserproblem. In Loope weiß ich, dass sie nahe am Wasser liegen. Wir haben bewegliche Wagen, keine festen Hütten und sie liegen höher. Davor gibt es eine Wiese, die bei Hochwasser überschwemmt wird“, erklärt Meyen. Das sagen auch das Ehepaar Christiane und Reinhold Kiesewski und Ulrich Matalla, ebenfalls Pächter. „Hier steht das Wasser manchmal, aber nur 15 oder 20 Zentimeter hoch“, sagt Matalla vor Ort.

Laut dem Ersten Beigeordneten der Stadt, Thorsten Steinwartz, spiele es vor dem Gesetz keine Rolle, ob es sich bei den Bauten um feste Gebäude handle oder Wagen. „Selbst wenn wir den Flächennutzungsplan ändern würden, damit dort gebaut werden kann, bräuchten wir Genehmigungen von Behörden wie der Unteren Wasserbehörde oder der Landschaftsschutzbehörde. Die machen da nicht mit. Da sind uns leider die Hände gebunden.“ Deshalb könne Pick auch keine nachträgliche Baugenehmigung erhalten.

Vergangener Gerichtsprozess ist Auslöser für Schließung

Dass es jetzt zur Räumung komme, liegt laut Steinwartz an einem Fall, der länger zurückliege. So habe die Stadt eine ähnliche Siedlung an der Agger in Vilkerath beklagt und vor dem Verwaltungsgericht Recht bekommen. Das Gericht hatte die Stadt dazu verpflichtet, auch gegen ähnliche Kleingärten und Campingplätze vorzugehen. „Dann wurde ein Plan erstellt, um nach und nach gegen die Anlagen vorzugehen“, so Steinwartz.

„Seit 44 Jahren komme ich her. Das ist eine schlimme Situation für uns, wir haben alle unsere Geschichten mit diesem Ort. Meine Tochter hat hier schwimmen gelernt“, meint Matalla. Die Kiesewskis nicken zustimmend. „Ich bin schon mit meinen Eltern hergekommen als ich fünf war. Wir haben zusammen gefeiert, Maibäume gestellt…“, zählt Christiane auf, während sie durch Fotos vergangener Zeiten blättert. Das Ehepaar mietet seine Parzelle seit 30 Jahren.

Zwei Männer und eine Frau stehen auf dem Rasen eines Campingplatzes.

Reinhold (von links) und Christiane Kiesewski mieten ihre Parzelle schon seit 30 Jahren. Ulrich Matalla seit 44 Jahren.

Die Betreiberin und Eigentümerin des Grundstücks, Agnes Pick, bestätigt, dass der Campingplatz illegal entstanden war. Vor etwa elf Jahren habe sie das Grundstück nach dem Tod ihres Bruders geerbt. Bisher sei der Platz geduldet worden. Sie und die Pächter kritisieren vor allem die Kommunikation der Stadt. Auf Rückfragen erhielten sie nur teilweise Antworten und das in unverständlichem Beamtendeutsch. Für Irritation sorgt auch, dass Pick für ihre Einnahmen eine Gewerbesteuer an die Stadt abgeben muss und die Mieter eine Zweitwohnsitzsteuer, obwohl es den Campingplatz laut Stadt nicht geben dürfte.

Das sei laut Steinwartz getrennt von den baulichen Fragen zu sehen. „Die Vermieterin hat am Ende faktisch Einkünfte erzielt, deshalb wird auch eine Gewerbesteuer fällig. Und den Zweitwohnsitz gibt es ja auch.“ Wer die Kanalisation oder andere städtische Anlagen benutze, müsse also eine Wohnsitzsteuer zahlen.

Runder Tisch im Juni geplant

Neben den Schildern haben die Camper eine analoge und digitale Petition   in Umlauf gebracht. Online sind 211 Unterschriften bis Redaktionsschluss zusammengekommen. Außerdem haben sie einen Runden Tisch organisiert, zu dem   Bauamt, Nabu (Umweltverband), verschiedenen Parteien, Agnes Pick, Vertreter der Bürgerinitiative Campingplatz Engelskirchen/Loope und die Katholische Kirche Immekeppel eingeladen sind. Am 10. Juni wolle man in Haus Thal über die Gründe der Schließung und deren Vermeidung diskutieren. Die Kirche, SPD, Grünen und der Nabu beabsichtigten laut Meyen zu kommen. Auch Vertreter der Stadt sollen laut Steinwartz erscheinen. „Uns ist klar, dass das für die Pächter nicht schön ist, daher wollen wir beim runden Tisch die Gründe erläutern.“ Als letztes Mittel stehe der Betreiberin laut Steinwartz der Rechtsweg offen. „Das ist eine normale Verfügung, die beklagt werden kann.“

„Wir werden den Platz nicht einfach aufgeben. Ihn nutzen Rentner, Familien und junge Leute zur Erholung   seit Jahren“, konstatiert Meyen. Für den 25. und 26. Juli sei ein Solidaritätsfest geplant, um weiter auf das Anliegen aufmerksam zu machen. „Für uns ist klar, unter welchem Motto der Sommer steht: Rettet den Campingplatz.“

Interessierte finden die Petition online: www.openpetition.de/petition/online/campingplatz-immekeppel-am-sportplatz-muss-bleiben-2