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Abschied und NeustartPatisserie Sonntags schließt in Sülz und zieht an Kölner Hotspot

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Logo von der Sonntags Patisserie auf der Wand im Café.

Die Patisserie Sonntags zieht an einen prominenten Platz in Köln. (Archivbild)

Die Patisserie Sonntags schließt in Sülz und zieht in die Innenstadt – und plant in den neuen Räumen mehr als nur Kuchen.

Ein beliebtes Kölner Café verabschiedet sich aus Sülz – und startet gleichzeitig an prominenter Stelle neu: Die Patisserie Sonntags hat ihre Türen an der Zülpicher Straße dauerhaft geschlossen. Doch Fans von Cookies, Canelés und Zimtschnecken müssen nicht lange traurig sein. Das Sonntags zieht an den Brüsseler Platz und übernimmt dort die Räume des früheren Kult-Cafés Miss Päpki, das den Standort erst vor wenigen Monaten verlassen hatte.

Die vielleicht besten Cookies in Köln

Seit Juli 2021 war die Patisserie Sonntags an der Zülpicher Straße 241 eine feste Größe im Veedel. Was Julian Mies und Inga Merkina dort aufgebaut hatten, war mehr als ein Café: eine Patisserie mit Anspruch. Hausgemachtes Gebäck, hochwertige Zutaten, ein heller, gemütlicher Raum – und eine Stammkundschaft, die das alles zu schätzen wusste. Es gab Canelés, Cupcakes, Macarons, Zimtschnecken und Cookies, die selbst das ausgeprägte Keks-Misstrauen unserer Gastro-Kritikerin Julia Floss auflösten.

Dabei war das Konzept ursprünglich einmal ganz anders gedacht. „Wir wollten immer ein Frühstücksrestaurant machen“, erzählt Inga Merkina. Als sie und Julian Mies Eltern wurden, entschieden sie sich bewusst für die Selbstständigkeit, weil sich ihre damaligen Jobs nicht mit dem Familienleben vereinbaren ließen. Die Idee: ein Ort mit den Dingen, die sie selbst lieben. Eine kleine Frühstückskarte, richtig guter Kaffee, süße und herzhafte Gerichte, gute Drinks – und dieses entspannte Gefühl eines langen Sonntagmorgens. Inspiration holten sie sich damals aus den USA. Aus diesem warmen, lockeren „Sonntagsgefühl“ entstand schließlich auch der Name des Cafés.

Cookie mit Füllung in der Patisserie Sonntags.

Leckerer Cookie in der Patisserie Sonntags. (Archivbild)

Doch dann kam Corona – und mit der Pandemie veränderte sich die Grundidee. „Ein großes Gastronomiekonzept mit hoher Miete und Lockdowns war damals einfach überhaupt nicht vorstellbar.“ Deshalb wurde es der kleine Laden in Sülz. „Und das war auch genau richtig so“, sagt Merkina heute.

Patisserie Sonntags: Abschied nach fast fünf Jahren in Sülz

Am vergangenen Wochenende schlossen Mies und Merkina die Tür ihrer Patisserie zum letzten Mal. Auf Instagram verabschiedete sich die Betreiberin mit einem Rückblick auf die vergangenen Jahre. Die Bilder erzählen eine Geschichte, die mitten in der Corona-Pandemie begann: Damals übernahmen sie einen Ort, der alles andere als ansehnlich gewesen sei. Erst Baustelle, dann Verwandlung – aus dem rohen Raum wurde ein gemütliches Café.

Besonders wichtig seien in dieser Zeit die Menschen gewesen, erzählt Merkina: Mitarbeitende und Stammgäste, manche seien längst zu Freunden geworden. Gerade die Nachbarschaft in Sülz habe sie sehr geprägt – etwa der Austausch mit Läden wie KattaKatta oder dem Café Kor. „Das war einfach eine richtig schöne Nachbarschaft“, sagt sie. Ein Miteinander mit viel Unterstützung und wenig Konkurrenzdenken. „Dafür sind wir extrem dankbar.“

Patisserie Sonntags künftig am Brüsseler Platz

Trotzdem sei in den vergangenen Jahren immer stärker das Gefühl entstanden, „mit angezogener Handbremse“ zu arbeiten. Der Wunsch nach Veränderung und Weiterentwicklung wurde größer. Dass es nun ausgerechnet der Brüsseler Platz werden würde, sei dagegen Zufall gewesen.

„Wir haben überhaupt nicht gesucht“, erzählt Merkina. Weil sie selbst in der Nähe wohnen, seien sie nur zufällig dort gewesen, um eine Eisvitrine abzuholen. Dabei habe die frühere Miss-Päpki-Betreiberin Claudia Papke erwähnt, dass noch immer kein Nachmieter gefunden worden sei. Danach ging plötzlich alles schnell: Kontakt mit den Vermietern, Vorstellung des Konzepts, Vertragsunterschrift innerhalb weniger Tage. Kurz darauf kündigten sie ihr Café in Sülz. Eine Nachmieterin gebe es bereits – „es wird also weiterhin bunt in Sülz bleiben“, sagt Merkina.

Viele Cafés und Restaurants am Brüsseler Platz

Für das Sonntags ist der Brüsseler Platz eine neue Bühne – mit einer anderen Energie als das eher ruhigere Sülz. Der Platz gilt seit Jahren als einer der lebendigsten Gastro-Hotspots der Stadt und zieht täglich Menschen aus ganz Köln an. Rund um den Platz haben sich zahlreiche bekannte Lokale etabliert: vom Traditionsladen Hallmackenreuther, das seit den 1990er-Jahren zur Szene gehört, bis hin zu neueren Adressen wie Tante Kurt und C.C. Kowalski. Auch das Bali, das hier seit vielen Jahren balinesische und indonesische Küche anbietet, gehört fest zum Viertel.

Ein Schild von der Bar Rosa, dahinter die zwei Türme der Kirche St. Michael.

Die Außengastronomie am Brüsseler Platz ist lebendig. (Archivbild)

Die Bar Rosa ist dagegen noch vergleichsweise jung im Geschäft und hat nach einer Umbauphase erst am Montag, 18. Mai 2026, wieder eröffnet. Mit der neuen Bar Brio ist zuletzt zudem weiteres gastronomisches Leben in die ehemaligen Räume der Ouzeria eingezogen. Gleichzeitig sorgt der Brüsseler Platz immer wieder für Diskussionen rund um Lärm, Außengastronomie und die vielen Besucherinnen und Besucher des öffentlichen Platzes, insbesondere nach 22 Uhr.

Das neue Sonntags

Für das Sonntags würde das kein Problem darstellen, denn es schließe schon um 20 Uhr, erklärt Merkina. Viel wichtiger sei für sie etwas anderes: Am neuen Standort könne sich das ursprüngliche Konzept endlich stärker entfalten. Außengastronomie, Bäume rundherum und mehr Platz seien letztlich auch der Hauptgrund für den Umzug gewesen.

Geplant sind kreative alkoholische und alkoholfreie Getränke, kleine Frühstücksgerichte, Tellerdesserts und weiterhin viel handwerklich gemachtes Gebäck. Focaccia, Zimtschnecken und Cookies sollen ebenso bleiben wie das, was viele Gäste besonders schätzen: der herzliche Service. Einen konkreten Eröffnungstermin gibt es noch nicht – Merkina hofft aber auf einen Start „schon ganz bald“.

„Wir sind ehrlich gesagt total aufgeregt“, sagt sie. Sicher ist aber schon jetzt: Wer die süßen Spezialitäten aus Sülz vermisst, wird sie bald am Brüsseler Platz wiederfinden.

Patisserie Sonntags, Brüsseler Platz 18, 50674 Köln | instagram.com/patisserie_sonntags | Eröffnungstermin noch unbekannt