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Vom Aufsteiger zum KriminellenOverather Handwerker betrügt Sozialversicherung

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Abschreckung: Immer wieder geht der Zoll mit Kontrollen (hier im April in Gladbach) gegen Sozialbetrug vor.

Bergisch Gladbach/Overath – Vom Tellerwäscher zum Kriminellen: 2011 kam Janusz K. von Polen nach Deutschland, um hier ein besseres Leben führen. In Overath gründete der Handwerker eine Baufirma, doch auf den Höhen von Heiligenhaus blieb ihm der amerikanische Traum verwehrt: Er wurde kriminell, betrog in großem Stil die Sozialversicherung und landete jetzt, neun Jahre nach Tatbeginn, vor dem Schöffengericht.

Das Urteil: Ein Jahr und drei Monate auf Bewährung und seine ergaunerte Beute, Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von genau 136 868,63 Euro, wird die Justiz bei dem 42-Jährigen zurückholen – wenn da irgendwann noch einmal etwas zurückzuholen ist, denn Janusz K., der in Wirklichkeit anders heißt, ist längst in die Insolvenz gegangen und kann aus gesundheitlichen Gründen nur noch als schlecht bezahlter Berater arbeiten.

Zur schlechten Bezahlung beitragen dürfte die Tatsache, dass er auch nach elf Jahren in Deutschland kaum deutsch spricht. „Meine Frau spricht deutsch, aber zuhause sprechen wir polnisch“, lässt er im Prozess die Dolmetscherin übersetzten. Jedoch verstehe er sehr viel.

Scheinselbstständige beschäftigt

Die Masche des Janusz K. war genau die, deretwegen die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Kölner Zolls immer wieder zu großen Baustellen ausrückt mit großem Aufgebot die Papiere der Arbeitenden kontrolliert. Insbesondere um die Beschäftigung von Scheinselbstständigen geht es dabei.

Er stellte sie anderen Firmen zur Verfügung. Janusz K. flog auf, weil er im Dachgeschoss des Mietshauses, in dem er mit seiner Frau lebte und seine Firma für Fliesen, Mosaike, Estrich und Trockenbau betrieb, ständig ein halbes Dutzend Arbeiter einquartiert hatte, die einem Pool von etwa 20 Personen angehörten und sich dort abwechselten.

Wasserverbrauch verdächtig

Die große Zahl der Personen und der damit verbundene hohe Wasserverbrauch führte 2014 zu einer Beschwerde bei der Overather Stadtverwaltung. Die gab den Hinweis weiter, und die Ermittlungen kamen in Gang. 2016 legte die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren an, der Zoll arbeitete die Vorfälle akribisch auf, so dass im vergangenen Jahr 44 einzelne Tatvorwürfe zur Anklage ans Schöffengericht geschickt wurden.

Im Prozess räumte K. nach Verlesung der Anklage wegen „Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt“ die Vorwürfe unumwunden ein. „Es ist ja schon alles gesagt“, ließ er die Dolmetscherin übersetzen und bestätigte auf Nachfrage, dass das als umfassendes Geständnis gemeint sei.

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14 Monate auf Bewährung

Gericht, Staatsanwältin und Verteidiger zogen sich zu einem Rechtsgespräch zurück, an dessen Ende die Forderung der Anklagevertreterin nach 14 Monaten auf Bewährung stand, der sich auch der Verteidiger anschloss.

Strafmildernd wertete das Gericht das enorme Geständnis und die Tatsache, dass K. bislang nicht einschlägig vorbestraft war. Das Urteil nahm Janusz K. sofort an. Er wolle auch in Zukunft in Deutschland leben, denn es gefalle ihm hier, hatte der EU-Bürger in der Verhandlung bekundet. Und an seinen Sprachkenntnissen sollte er auch noch arbeiten, legte ihm Richterin Birgit Brandes nahe.