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Applaus für einen Aufrechten Rhein-Bergs Kreisbrandmeister sagt Ade

Die Feuerwehrchefs der Städte und Gemeinden des Kreises stehen Spalier für Rhein-Bergs Kreisbrandmeister Wolfgang Weiden und seine Frau Ute.

Die Feuerwehrchefs der Städte und Gemeinden des Kreises stehen Spalier für Rhein-Bergs Kreisbrandmeister Wolfgang Weiden und seine Frau Ute.

Rhein-Berg – Er war der dienstälteste Kreisbrandmeister im Regierungsbezirk, der zweitdienstälteste im Land, einer „der auch mal Kante zeigen konnte“, wie Landrat Stephan Santelmann würdigte. Am Sonntag ist Wolfgang Weiden nach mehr als 22 Jahren als oberster Feuerwehrchef im Kreis auch offiziell verabschiedet worden und hat Politik und Verwaltung auch in seiner letzten Rede noch Nachdrückliches ins Stammbuch geschrieben.

Er sei „nicht immer der bequemste Kreisbrandmeister“ gewesen, aber immer an der Sache orientiert und zielstrebig, dankte der Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit, Rettungswesen und Verbraucherschutz des Kreistags, Uli Heutz, dem 64-Jährigen.

Mit einem historischen Drehleiterfahrzeug ist Wolfgang Weiden daheim abgeholt worden.

Mit einem historischen Drehleiterfahrzeug ist Wolfgang Weiden daheim abgeholt worden.

Der war nicht nur mit einer historischen Drehleiter von zu Hause in Odenthal-Eikamp abgeholt und zur Feier im Odenthaler Forum gebracht worden, sondern dort auch von einem Spalier der Leiter der Feuerwehren im Kreis sowie von seinem Stellvertreter Roger Machill und Nachfolger Martin Müller-Saidowski, Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, Politikern und weiteren Weggefährten empfangen worden.

Mit Sachverstand, Geschick und Augenmaß

Einen „ausgeprägten Sachverstand“, „ausgeprägtes Geschick“ und „ausgeprägtes Augenmaß für das im Ehrenamt Machbare“, bescheinigte der ehemalige Bezirksbrandmeister Manfred Savoir dem früheren stellvertretenden Bergisch Gladbacher Wehrführer Weiden, der 1999 die Nachfolge von Klemens Broich als Kreisbrandmeister angetreten hatte.

Weidens langjähriger Stellvertreter Roger Machill (l.) moderierte eine kurzweilige Verabschiedungsgala mit flotter Musik.

Weidens langjähriger Stellvertreter Roger Machill (l.) moderierte eine kurzweilige Verabschiedungsgala mit flotter Musik.

Nicht nur im Kreis habe Weiden mit der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Feuerwehren ein unabhängiges Fachgremium gegründet, sondern sich auch weit über die Grenzen des Kreises hinaus mit „wichtigen nachhaltigen Beiträgen eingebracht“.

So verwies Savoir auf Weidens Beiträge etwa für die Organisation des Weltjugendtags in Köln 2005, die von ihm entwickelte Matrix zur Prüfung von Brandschutzbedarfsplänen oder die Optimierung der überörtlichen Zusammenarbeit bei Einsätzen mit besonders vielen Verletzten (Massenanfall an Verletzten) – auch mit Organisationen wie Deutschem Roten Kreuz, Technischem Hilfswerk, Johanniter-Unfall-Hilfe, Malteser Hilfsdienst, Arbeiter-Samariter-Bund und Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft.

Vom Brand des Kardinal-Schulte-Hauses mit zwei Todesopfern geprägt

Weidens Nachfolger Martin Müller-Saidowski, der wie Weiden aus dem Löschzug Paffrath/Hand in Bergisch Gladbach kommt, erinnerte sich an eine Begegnung mit Weiden, in der dieser von jenem Brand des Bensberger Kardinal-Schulte-Hauses im Jahr 1980 erzählte, der Weidens gesamtes Feuerwehrleben geprägt hat, nachdem damals zwei Feuerwehrkameraden ums Leben gekommen waren. „Ich habe mir deine Worte hinter die Ohren geschrieben“, sagte Müller-Saidowski.

Die Nachfolge

Wolfgang Weiden hat den Staffelstab zum 1. März an Martin Müller-Saidowski überreicht. Der Diplomingenieur ist seit 1993 aktives Mitglied bei der Feuerwehr Bergisch Gladbach. Vor seiner Tätigkeit beim Kreis war er bei der Berufsfeuerwehr der Stadt Köln beschäftigt. (wg)

Dabei zollte er auch Weidens Konsequenz Anerkennung, etwa einer Feuerwehr die Leistungsfähigkeit abzuerkennen, wenn eine Kommune über Jahre die im Brandschutzbedarfsplan zutage getretenen Mängel nicht abgestellt hatte. Auf diese Weise hatte Weiden auch in seiner Wahlheimatgemeinde Odenthal der Notwendigkeit des Brandschutzes Nachdruck verliehen, was schließlich auch dazu führte, dass zusätzliche Feuerwehrstandorte geschaffen wurden – und der Kreisbrandmeister der Feuerwehr wieder die Leistungsfähigkeit bescheinigte.

Weit über die Kreisgrenzen hinaus nachhaltig gewirkt

Ob Weltjugendtag 2005, Einsatz bei der Loveparade-Katastrophe 2010 oder beim Elbe-Hochwasser 2013 – Wolfgang Weiden habe nicht nur Einsätze auch außerhalb des Kreisgebiets geführt und vor Ort hart gearbeitet, sondern stets auch im Anschluss nach Möglichkeiten gesucht, die Abläufe noch weiter zu optimieren, würdigte Bezirksbrandmeister Heinz-Peter Brandenberg Weidens Engagement.

Nicht von ungefähr war Weiden 2011 vom Deutschen Feuerwehrwehrverband mit dem Feuerwehr-Ehrenzeichen in Gold ausgezeichnet worden.

Auch in den Feuerwehrverbänden stark engagiert

Schwer getroffen habe Kreisbrandmeister Weiden, der zugleich auch Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands war und für eine Übergangszeit noch ist, die Auflösung des alten Landesfeuerwehrverbands, erinnerte Brandenberg an entsprechende Zerwürfnisse auf Landesebene.

Dabei begrüßte er, dass Weiden auch den neuen Verband kritisch begleite: „Ein Verband braucht kritische Stimmen in den eigenen Reihen, damit er am Puls der Zeit bleibt“, so der Bezirksbrandmeister.

Geehrter appelliert nachdrücklich an Politik und Verwaltung

Weiden dankte nicht nur für das Vertrauen, sondern auch seiner Familie und insbesondere seiner Frau Ute, dass sie ihm stets den Rücken frei gehalten habe. Er brach eine Lanze für die Zusammenarbeit der Organisationen der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr („Wir brauchen uns gegenseitig“) und appellierte nachdrücklich an Politik und Verwaltung, ihre Einsatzleiter vor Ort nach schweren Einsätzen und Entscheidungen wie während der Flutkatastrophe im Juli 2021 nicht nachhaltig zu verunsichern, sondern gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

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„Sein größter Wunsch“, so zog Weiden selbst erleichtert Bilanz, „sei in Erfüllung gegangen: dass in den vergangenen Jahrzehnten seit dem Brand des Kardinal-Schulte-Hauses 1980 niemand mehr im Einsatz bleibend verletzt oder gar ums Leben gekommen sei. Einen Wunsch, den Weiden auch seinem Nachfolger Martin Müller-Saidowski mit auf den Weg gab.