„Man muss zuhören können“, sagt die Rösratherin über ihre Arbeit als Schulleiterin. Elf Jahre lang hat sie die GGS Forsbach geleitet.
RösrathWas Bettina Nebel als Schulleiterin der Gemeinschaftsgrundschule Forsbach wichtig war

Beim Projekt „Hühner der Vielfalt“ geht es um den demokratischen Gedanken. Das Schulmotto der GGS lautet „Hand in Hand“.
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Elf Jahre lang stand ihre Tür offen – für Kinder, für Eltern, für Kolleginnen mit einer Frage zwischendurch. Heute wird Bettina Nebel als Schulleiterin der Gemeinschaftsgrundschule im Rösrather Ortsteil Forsbach verabschiedet, denn ab 1. August ist sie im Ruhestand. Wer mit ihr spricht, versteht schnell, was ihr bei ihrer Arbeit wichtig ist: zuhören. Elf Jahre hat sie die Grundschule Forsbach geleitet, davor elf Jahre als Konrektorin an der Frida-Kahlo-Schule in Sankt Augustin, einer Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung. Insgesamt kommt sie auf 37 Jahre im Schuldienst.
Studiert hat sie Körperbehindertenpädagogik in Köln, erste Stationen waren Förderschulen in Olpe, Lindlar und Leichlingen. Dass sie als Lehrerin für Sonderpädagogik am Ende an einer Grundschule landete, hätte sie sich früher nicht vorstellen können. Dabei unterscheiden sich die Bedürfnisse der Kinder, wie sie rückblickend feststellt, kaum. Für Kinder an Förder- wie an Regelschule gelte: „Sie brauchen, dass ihnen einer zuhört, dass sie ernst genommen werden.“
Bettina Nebel kennt jedes Kind
Auch als Schulleiterin sieht sie sich an erster Stelle als Pädagogin. Schulleitung sei für sie nie in erster Linie Verwaltungsarbeit am Schreibtisch gewesen, erzählt sie. Klassenzuteilungen, pädagogische Konzepte, das Kinderschutzkonzept seien im Gespräch mit dem Kollegium entstanden, nicht im Alleingang. „Ich mache nichts hier alleine im Kämmerchen“, beschreibt sie ihre Arbeit. Im Alltag hat sie selbst Früh- und Hofaufsicht übernommen, begleitete Schwimm- und Sportstunden und war in Projektwochen stets Gruppenleiterin. „Ich kenne jedes Kind“, sagt sie.
Zu diesem Mittendrin-Sein passt auch ihr Einsatz als Vertreterin der vier Rösrather Grundschulen im Schulausschuss. Seit 2018 verschaffte sie hier zunächst allen Schulen, später primär den Grundschulen Gehör in der Kommunalpolitik, bevor entschieden wird: Platzmangel und Personalnot in der Nachmittagsbetreuung etwa, Sanierungsbedarf, Sport- und Freizeitmöglichkeiten für die junge Generation wie der lange diskutierte Skaterpark.
Mit „Hand in Hand“ ist das doppelseitige Blatt zur Schulkultur überschrieben
Denn nicht nur mit Kindern, auch mit Jugendlichen kennt sich die Rösratherin aus. Sie hat gemeinsam mit ihrem Mann drei Kinder großgezogen. Ungewöhlich für ihre Generation, hat sie dabei fast durchgehend Vollzeit gearbeitet – an Ganztagsschulen, mehrere Tage die Woche bis in den Nachmittag. Möglich war das nur mit einem Unterstützungsnetzwerk: Ihr Mann war viel zu Hause, ihre Eltern wohnten in der Nähe, dazu kam eine feste Kinderfrau. Dass ihr Mann als Vater in den frühen 1990er-Jahren regelmäßig mit den Kindern in der Spielgruppe war, sei damals noch bestaunt worden, erzählt sie lachend.
Auch ihre Vollzeit-Berufstätigkeit habe dazu beigetragen, dass ihre eigenen Kinder sehr selbstständig geworden seien, erinnert sie sich rückblickend. Etwas, das sie sich auch für die Grundschulkinder von heute wünscht. Der pädagogische Leitsatz „Kurze Beine, kurze Wege“ ist für sie mehr als ein Plädoyer für wohnortnahe Schulwege. Selbstständigkeit, die Fähigkeit, selbst zu planen und sich zu beschäftigen, und auch mühevoll erscheinende Aufgaben anzunehmen – all dies, genauso wie die schulische Unterstützung der Kinder zuhause, wünscht sie sich für die Kinder. Damit sich das in der Gemeinschaft gut lernen lässt und gelebt werden kann, hat sich die GGS Forsbach das aufgeschrieben. Mit den Worten „Hand in Hand“ ist das doppelseitige Blatt zur Schulkultur überschrieben. Darunter folgt in kindgerechten Worten, was es heißt, jede Person wertzuschätzen und Gemeinschaft zu leben.
Die äußeren Rahmenbedingungen waren eher ungünstig
Die äußeren Rahmenbedingungen waren dafür eher ungünstig: keine Fachräume für Kunst, Musik oder Werken, keine Kleingruppen- oder Besprechungsräume. Sie und ihre 22 Kolleginnen mussten auch das mit ihrem kreativen Organisationstalent auffangen. Für die Schule wünscht sie sich deshalb vor allem Investitionen in Personal und Gebäude – und den Erhalt des eigenständigen Schulstandorts Forsbach. Ihre Nachfolge ist noch offen, bis dahin übernimmt Konrektorin Caroline Schäfer kommissarisch.
Von der Schule wollte sich Nebel ursprünglich eher still verabschieden. Die Kinder, die seit Wochen konspirativ durch die Flure liefen, hatten andere Pläne. Über den Karneval bleibt sie ihnen verbunden. Die GGS stellt in der kommenden Session das Kinderdreigestirn. Bettina Nebel unterstützt das Orgateam. Dann kann sie für die Kinder weiter das tun, was ihr wichtig ist: mittendrin sein und zuhören.
