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Versetzung in den RuhestandMargit Jost, Grundschulleiterin in Blecher, verabschiedet sich

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Zwei Grundschülerinnen halten ein buntes Plakat hoch, daneben steht eine Lehrerin.

Abschied von der Schule: Nicht nur die Viertklässlerinnen Matilde (rechts) und Luana verlassen in wenigen Tagen die KGS Blecher, auch Schulleiterin Margit Jost geht - in den Ruhestand.

Schule war für die Pädagogin immer mehr als reine Lehrstoffvermittlung. Nun geht Margit Jost mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Die Umzugskisten stehen schon vor ihrem Schreibtisch, doch in den Kartons werden nicht die materiellen Erinnerungen des Schullebens von Margit Jost verschwinden. Sie sind vielmehr für die Auslagerung von Dingen vorgesehen, wenn mit Beginn der Sommerferien an der KGS Burg Berge in Blecher der Abbruch des Gebäudetraktes am Leimbacher Weg beginnt, mit anschließendem Neubau.

In den aber wird Margit Jost nicht mehr einziehen: „Ich habe mein Lehrerleben schon aussortiert“ sagt die Schulleiterin mit dem breiten Lächeln, das sie immer ausgezeichnet hat. In wenigen Tagen geht sie in den Ruhestand.

Mathematik war immer ihre Leidenschaft

Am Schuljahresende, traditionell mit Gottesdienst im Altenberger Dom und bei der Verabschiedung der Viertklässler, wird das Lächeln dann wohl doch ein paar Tränen Platz machen müssen. „Ich gehe nicht gerne“, gibt sie unumwunden zu. „Mir hat mal jemand gesagt, in der Rente kannst Du das tun, was Dir Spaß macht – aber das mache ich ja hier“, sagt sie.

Als „Schule lebenslänglich“ hat sie ihren Beruf nie empfunden, sondern als Chance, Kindern bei ihrer Entwicklung zu helfen. „Ich hatte selbst einen ganz tollen Grundschullehrer“, erklärt die in Blecher Aufgewachsene, warum sie nach dem Abitur ein Lehramtsstudium begonnen hat und warum auch Mathematik immer ihre Leidenschaft war. Die wollte sie vermitteln, „so früh wie möglich, damit alle Spaß daran haben“.

2003 wechselte Jost zur KGS Burg Berge in Blecher

Mathematik und Katholische Religion waren dann auch ihre Fächer, zudem Sport. Nach Station in Burscheid wechselte sie 2003 zur KGS Burg Berge und übernahm 2012 die Schulleitung, auch wenn sie zunächst Sorge hatte, dass die Verwaltungsarbeit im Vordergrund und dadurch die Arbeit mit Kindern zu kurz kommen könnte.

Die Einrichtung an der Bergstraße zeichne sich durch ihre Fröhlichkeit aus, das liege an den Kindern und am Team, meint Jost, die im Juli 65 Jahre alt wird. Sie habe immer einen fröhlichen und sicheren Raum bieten wollen, „in dem Kinder so angenommen werden, wie sie sind“. Das sei wie auf einer Blumenwiese, die besonders schön sei, wenn viele verschiedene Pflanzen auf ihr wachsen.

Bei Kindern sei es wichtig, genau hinzuhören

Und auch wenn es mal Streit gebe: „Kein Kind zankt ohne Grund“. Da sei es wichtig, genau hinzuhören, meint die Pädagogin. Auch der Mut, neue Dinge in der Pädagogik auszuprobieren, neue Wege zu gehen, zeichne die Schule aus, so Jost, die auch die Stimme der vier Odenthaler Grundschulen im Schulausschuss der Gemeinde war. Nur die Corona-Pandemie habe sie und das Team damals an ihre Grenzen gebracht: „Wir waren rund um die Uhr im Einsatz. Das war schwierig“, erzählt sie im Rückblick.

Baulich ist die Schule schon lange am Limit. Die Schülerzahl stieg von 130 im Jahr 2012 auf heute 200, dazu kamen Kinder im Offenen Ganztag und ein Kollegium, das auf 16 Lehrkräfte (darunter zwei Männer) anwuchs, wobei das Lehrerzimmer nur zwölf Plätze aufweise, so die Schulleiterin. Nun soll der Westtrakt abgerissen und mit zusätzlichem Stockwerk neu gebaut werden, zwei Klassen müssen für die geplante Bauzeit von rund einem Jahr in Container auf dem Schulhof umziehen.

Ein Überraschungspaket und ein spontaner Karnevalsumzug

Einen Umzug der anderen Art gab es bereits vor wenigen Tagen. Margit Jost, die nie ein Geheimnis daraus gemacht hatte, dass sie gerne einmal der Bauer in einem Dreigestirn gewesen wäre, erhielt eines Morgens ein geheimnisvolles Paket. Darin: Gummistiefel, Kittel und ein Eimer mit Pfauenfedern, alles in Blau-Weiß, wie das klassische Ornat des Festkomitees Bergische Jecken.

Angetan mit diesem Bauern-Ornat der zünftigen Art hatte sie sich an der Ecke Leimbacher Weg einzufinden. Dort wurde sie von einem Karnevalszug der ganzen Schulgemeinschaft eingesammelt und im Triumphzug ging es in die Aula. Hier startete die Schule mitten im Sommer in die närrische Zeit. „Mich wundert bis heute, dass ich von den Vorbereitungen nichts bemerkt habe“, sagt Bauer Margit: „Kein einziges Kind hat sich verplappert“.

Demnächst will sie mehr Zeit als bisher mit ihrer Familie verbringen, mit ihrer Mutter, mit Kindern und Enkeln, auch der Arbeitskreis Demokratie ist ihr wichtig und perspektivisch plane sie Schülerbesuche im Altenheim. Doch vorher steht der Abschied an, von den letzten 200 Kindern, die sie betreut hat. Eigentlich sind Grundschullehrer das Adieusagen gewöhnt, alle vier Jahre winken sie Schülerinnen und Schülern nach, die in ein Leben an weiterführenden Schulen aufbrechen. Doch dieses Mal wird es anders sein: Dieses Mal winken die Kinder Margit Jost zum Abschied hinterher.