Die Bestsellerautorin der Schafe von Glennkill erzählt im Gespräch mit Bettina Böttinger, warum sie die Schafe weiter ermitteln lässt.
LiteraturfestivalWiddersehen mit den Schafen von Leonie Swann in Altenberg

Literarische Liebe zu Schafen: Leonie Swann (l.) und Moderatorin Bettina Böttinger beim Lesefest im Kräutergarten im Küchenhof in Altenberg.
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Ein abgeschnittener Finger liegt nicht einfach so wie eine Möhre auf einer Weide herum. Das wissen selbst die Schafe von Glennkill, obwohl sie überzeugte Vegetarier sind. Grund genug, diesem mehr als deutlichen Fingerzeig nachzugehen – und eine turbulente Entwicklung um Mord, Drogen und Entführung beginnt. Was wie ein dramatischer, blutrünstiger Thriller klingt, wird durch die sanft wiederkäuenden Ermittler zum amüsanten Lesespaß mit überraschenden tiefenpsychologischen und philosophischen Erkenntnissen.
Autorin Leonie Swann präsentierte im Gespräch mit Moderatorin Bettina Böttinger beim diesjährigen Festival „Literatur am Dom“ in Altenberg ihr neues bei Dumont erschienene Buch „Widdersehen“, das nicht zufällig schon im Titel auf das Wiedersehen mit alten wolligen Bekannten anspielt, die schon vor 20 Jahren im Buch „Glennkill“ erstmals auf die öffentliche Weide traten.
Verfilmung in Hollywood mit Starbesetzung
Mit dem Schafskrimi war ein neues literarisches Genre geboren und machte Furore: „Glennkill“, mittlerweile in 30 Sprachen übersetzt, wurde gerade in Hollywood mit internationaler Besetzung, unter anderem mit Emma Thomson, verfilmt.
Trotz der brütenden Hitze, bei der man eigentlich kein Schaf auf die Weide treibt, verfolgte ein fasziniertes Publikum im vollbesetzten Kräutergarten des historischen Küchenhofs in Altenberg, wie sich die Herde um die kluge Miss Maple durchbeißt, um ihre Schäferin Rebecca aus den Klauen von Verbrechern zu befreien.
Schafskrimis werden fast zur Parabel
Schon in ihrer Kindheit habe sie ein intensives Verhältnis zu Schafen gehabt, verrät die in Dachau geborene und unter Pseudonym schreibende Autorin auf Nachfrage von Böttinger: „Auf dem Weg zur Schule bin ich immer an einer Weide vorbeigekommen.“ Da stand „Ramses“.
„Den habe ich auch im Buch verwurstet, Gott sei Dank nur metaphorisch“, lacht sie. Nach 20 jähriger Schafspause, „in der ich es mal literarisch mit Menschen versuchen wollte – vielleicht ein exotischer Gedanke - freue ich mich, zurück auf der Weide zu sein.“ Und die ist ganz offensichtlich noch lange nicht abgegrast.
Amüsante Literatur, manchmal fast abwertend „Unterhaltungsliteratur“ genannt, hat es in Deutschland gemeinhin schwer, gilt schnell als seicht, oberflächlich, nicht ernst zu nehmen, selbst wenn sie wie die Schafskrimis sprachlich brillant und fast philosophisch daherkommen, an manchen Stellen fast zur Parabel geraten.
Literaturkritiker und Festival-Kurator Denis Scheck nenne das Buch einen „philosophischen Roman“, so Böttinger, in dem die Schafe mit einem ganz anderen Blick auf die menschengemachte Welt schauen. „Sie haben einfach andere Prioritäten, etwa wenn leckere Kräuter neben einer Leiche wachsen“, erklärt Swann.
Herdentiere mit Leithammel Othello, denen es dennoch auch um höhere Werte wie geblökte „Demähkratie“ und Zusammenhalt, um „Wollidarität“ geht – und am Ende des Tages natürlich immer um eine schöne saftige Wiese.
