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Literatur am Dom AltenbergZum Auftakt schwebend zurück in die Welt der fünfziger Jahre

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Zwei Männer sitzen an einem Tisch im Freien und sprechen über das Buch "Schwebebahnen".

Autor Hanns-Josef Ortheil (links) spricht mit  Moderator Denis Scheck über die Hintergründe seines Buchs „Schwebebahnen“.

Hanns-Josef Ortheil eröffnet mit seinem Buch „Schwebebahnen“ das  Open-Air-Festival, das vier Tage lang Lesungen namhafter Autoren  bietet.

Wuppertal, die Stadt mit dem Doppel-P im Namen, diesen geradezu „scheppernden Buchstaben“, war nur eine kurze Etappe im Leben von Hanns-Josef Ortheil. Aber so, wie eigentlich jede Situation in ihm arbeitet und zur Geschichte werden will, war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis der Autor seine Jahre zwischen 1959 und 1963, die er im Tal der Wupper verbrachte, zu einem Roman verarbeitete.

Mit seinem autofiktionalen Buch „Schwebebahnen“ startete die Veranstaltung „Literatur am Dom“ luftig leicht in das viertägige Open-Air-Festival, das von Sema Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein und Alt-Landrat Stephan Santelmann (in Vertretung von Arne von Boetticher) eröffnet wurde. Ein Abend, an dem die Temperaturen im malerischen Kräutergarten des Küchenhofes eher sizilianisch als bergisch anmuteten.

Romane als funktionierende Zeitmaschinen

„Mücke“ im Roman hätte das gefallen, der Tochter des Gemüsehändlers von nebenan, die mit ihren sizilianischen Wurzeln dem sechsjährigen Josef nicht nur die italienische Küche näherbringt, sondern vor allem auch zur Vertrauten in allen Lebenslagen wird. Das Buch ist dann auch eine Hommage an die Kindheitsfreundin.

„Romane sind die einzigen funktionierenden Zeitmaschinen“, ist das Credo von Denis Scheck, der gewohnt souverän moderierte. Und so versetzt Ortheil Leser und Publikum in das längst versunkene Wuppertal der 1950er und 60er Jahre, wo die Traumata des Krieges noch nicht verheilt sind und trotzdem der Aufbruch schon zu spüren ist.

Seltsame Nachbarn und eine Bahn, die die Räder auf dem Dach hat

Der kleine Josef, gerade erst mit seinen Eltern von Köln hergezogen, muss sich hier erst zurechtfinden, in einem Mietshaus voller Eisenbahner, in der fremden Schule und in einer Stadt, in der die Bewohner es normal finden, mit einer Bahn zu fahren, die die Räder auf dem Dach hat. „Normal sein ist wichtig“ weiß Josef schon früh, gerade weil er eben dies als introvertierter Einzelgänger mit dem für die Erwachsenen so erschreckend klaren Blick nicht ist.

Zwei Männer und eine Frau unterhalten sich unter einem weißen Zeltdach.

Ortheil (links) ist nicht zum ersten Mal beim Festival „Literatur am Dom“ in Altenberg, das Sema Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein mit dem Team des Fördervereins seit fünf Jahren ausrichtet. Kuratoren sind Denis Scheck und Karin Graf (nicht im Bild).

Ein Junge, der am liebsten Geschichten schreibt und Klavier spielt – besonders Letzteres ein Hobby, das den Eisenbahnern im Haus befremdlich erscheint, für die einzig das Trillern der Pfeife bei Abfahrt eines Zuges Musik in den Ohren ist.

Der Schock des Rheinländers im Bergischen

Er habe mit dem Buch nicht zuletzt den „Kulturschock verarbeitet, von Köln nach Wuppertal verpflanzt“ worden zu sein, verrät Ortheil, der heute in Stuttgart lebt, und das Publikum lächelt verständnisvoll, mit Ausnahme einiger weniger versprengter Wuppertaler in den voll besetzten Reihen. „Trotzdem ist Wuppertal für meine Kindheit und beginnende Jugend eine zentrale Insel“, sagt der Autor – eine von vielen verschiedenen Eilanden, die sich in seinem Leben aneinanderreihen.

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Isoliert wie auf einer Insel fühlt sich auch Protagonist Josef, bis da plötzlich am Tag des Einzugs im Haus gegenüber ein Mädchen am Fenster steht und winkt. Mit „Mücke“ trifft Josef eine Seelenverwandte und „umarmen sich zwei Kulturen“, so Scheck – „und im Hintergrund wabert etwas Katholisches“, ergänzt Ortheil.

Das Literaturfestival ist für Hanns-Josef Ortheil ein Heimspiel

Denn katholisch, musikalisch und des Lateins mächtig, ist der Junge - zum Schrecken der Mutter - für die in der Diaspora des eher evangelisch geprägten Wuppertal missionierenden Kreuzherren der geborene Priesteranwärter. Doch für den kleinen Josef kommt es anders.

Für Hanns-Josef Ortheil ist der Auftritt beim Literaturfestival in Altenberg eigentlich schon ein Heimspiel, bereits zum dritten Mal präsentiert der Autor hier eines seiner Bücher. In diesem Jahr servierte das Festival erstmals auch ein Literarisches Menü mit dem passionierten Gourmet. Basierend auf „Schwebebahnen“, so die Ankündigung, kreiere die Küche des Altenberger Hofs ein Menü, das vom Autor literarisch begleitet werde - „eine Lektüre mit umgebundener Serviette“. Und weil sich „Schwebebahnen“ ohne jedes „P“ schreibt, vermutlich ein Abend ganz ohne scheppernde Geräusche.