Die Mönche sind lange fort, doch die Prägung, die Altenberg durch die ehemalige Klosteranlage der Zisterzienser erfuhr, erfordert es zu handeln.
„Das Siegel ist keine Medaille für die Vitrine“Warum die EU-Auszeichnung für Altenberg kein Endpunkt, sondern ein Arbeitsauftrag ist

Altenberg ist eine von 17 Klosterstätten in Europa mit dem Auftrag, das Erbe der Zisterzienser weiterzuentwickeln.
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Durch das Kulturerbe-Siegel der EU soll das Erbe der ehemaligen Zisterzienserabtei Altenberg im Rheinisch-Bergischen Kreis weiter belebt werden. Zum aktuellen Stand Fragen an Alexandra Baier, Projektleitung transnationale EKS Stätte Cisterscapes, Landkreis Bamberg.

Bei Alexandra Baier in Bamberg (5.v.l., hier im Jahr 2024 vor dem Europaparlament) laufen die Fäden des Projektes Cisterscapes zusammen.
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Das Projekt Cisterscapes wurde vor etwas mehr als zwei Jahren mit dem Kulturerbe-Siegel der EU ausgezeichnet. Wurde das gefeiert?
Alexandra Baier: Die Verleihung des Europäischen Kulturerbe-Siegels (EKS) fand am 17. April 2024 in Antwerpen statt. Seitdem gehört Cisterscapes zu den europaweit derzeit 80 ausgezeichneten Kulturerbestätten. 17 Partnerstätten in fünf Ländern tragen gemeinsam das Siegel. Ausgezeichnet wurde das gemeinsame kulturelle Erbe der zisterziensischen Klosterlandschaften. Diese Kulturlandschaften entstanden seit dem frühen 12. Jahrhundert durch das Wirken der Zisterzienser und prägen viele Regionen Europas bis heute. Das Europäische Kulturerbe-Siegel zeichnet nicht nur historische Orte aus. Es würdigt vor allem die gemeinsame europäische Geschichte, die diese Orte miteinander verbindet.
Die zentrale Verleihungsfeier fand in Antwerpen im Rahmen der offiziellen Auszeichnung durch die Europäische Kommission statt. In den darauffolgenden Monaten folgten zahlreiche lokale Feiern in den einzelnen Klosterlandschaften. Dabei wurden die offiziellen EKS-Plaketten enthüllt, deren Anbringung an einem zentralen Ort jeder Partnerstätte von der Europäischen Kommission vorgeschrieben ist. In Altenberg wurde die Auszeichnung am 29. November 2024 im Beisein der nordrhein-westfälischen Ministerin Ina Scharrenbach feierlich begangen.
Cisterscapes ist ein internationales Projekt. Laufen die Fäden in Bamberg zusammen?
Ja, die Fäden laufen in Bamberg zusammen. Der Landkreis Bamberg ist Initiator des Cisterscapes Netzwerks. Der ehemalige Landrat Johann Kalb stand bis zum Ende seiner Amtszeit im April 2026 persönlich zu 100 Prozent hinter diesem Projekt. Das im Landkreis Bamberg liegende ehemalige Kloster Ebrach ist die älteste Zisterze rechts des Rheins und trug wesentlich zur Ausbreitung des Ordens in Mittel- und Osteuropa bei. 2027 feiert Ebrach sein 900-Jahr-Jubiläum, ein weiterer Grund, warum der Landkreis Bamberg entsprechend viel Energie in dieses Projekt gesetzt hat. Die Zusammenarbeit ist vertraglich zwischen dem transnationalen Koordinator Landkreis Bamberg und den 17 Einzelstätten geregelt.
Ist das EU-Kulturerbe-Siegel Auszeichnung für den Status quo?
Nein, das Europäische Kulturerbe-Siegel ist ausdrücklich keine Auszeichnung für einen erreichten Status quo, keine Medaille für die Vitrine. Im Gegenteil: Es ist ein Auftrag, die europäische Zusammenarbeit dauerhaft mit Leben zu füllen. Ein wesentlicher Bestandteil der Bewerbung ist das Zukunftsprogramm der jeweiligen Stätte. Mit der Verleihung des Siegels beginnt daher eigentlich erst die nächste Phase der Arbeit. Die Umsetzung der vereinbarten Ziele wird regelmäßig überprüft. Das Europäische Kulturerbe-Siegel ist somit mit einer dauerhaften Verpflichtung verbunden, das gemeinsame europäische Kulturerbe sichtbar zu machen, weiterzuentwickeln und an kommende Generationen zu vermitteln.
In welche Richtung könnte eine Fortentwicklung im Sinne des europäischen Gedankens gehen?
Ziel ist es, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen den Partnerstätten weiter auszubauen und zugleich neue Kooperationen mit Universitäten, Forschungseinrichtungen, Kulturinstitutionen und anderen europäischen Netzwerken zu entwickeln. Der Austausch von Wissen, Erfahrungen und bewährten Methoden ist dabei ein zentraler Baustein. Maßnahmen reichen von der wissenschaftlichen Erforschung der historischen Kulturlandschaften über digitale Vermittlungsangebote bis hin zu Bildungs- und Kulturprojekten für unterschiedliche Altersgruppen.
Dazu gehören unter anderem die Entwicklung eines interaktiven Landschaftsmodells mit App, die Produktion von Dokumentar- und Informationsfilmen, internationale Fachkonferenzen, Fortbildungen für Wander- und Gästeführer sowie Unterrichtsmaterialien für Schulen. Ein besonders sichtbares Ergebnis ist der „Weg der Zisterzienser“. Das grenzüberschreitende Wanderwegenetz verbindet heute auf rund 6400 Kilometern Klosterlandschaften in sechs europäischen Ländern beziehungsweise alle unsere 17 Standorte.
Darüber hinaus sind aus dem Netzwerk bereits neue europäische Projekte entstanden. Dazu zählen beispielsweise das durch Creative Europe geförderte Projekt „Kulinarisches Erbe der Zisterzienser in Mitteleuropa“ sowie das Interreg-Projekt „Zisterziensische Landschaften: Bildung, Austausch, Interpretation“.
Für die kommenden Jahre gibt es ebenfalls konkrete Pläne. Der „Weg der Zisterzienser“ wird derzeit erweitert und soll bis Ende 2026 auf rund 7200 Kilometer anwachsen.
Gibt es Hindernisse?
Ja, natürlich gibt es Herausforderungen. Die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Weiterentwicklung von Cisterscapes sind ausreichend personelle und finanzielle Ressourcen – sowohl bei den einzelnen Partnerstätten als auch beim transnationalen Koordinator, dem Landkreis Bamberg.
Die gute Nachricht ist, dass für die gemeinsamen, länderübergreifenden Maßnahmen seit 2019 mehrfach Fördermittel eingeworben werden konnten. Davon profitieren alle Partnerstätten gleichermaßen. Gleichzeitig liegt ein wesentlicher Teil der Verantwortung bei den einzelnen Standorten. Jede der 17 Partnerstätten hat sich mit der Bewerbung verpflichtet, eigene Aktivitäten vor Ort umzusetzen und dafür auch die notwendigen personellen und finanziellen Voraussetzungen zu schaffen.
Das Europäische Kulturerbe-Siegel ist nicht nur eine Auszeichnung, sondern auch dauerhafte Verpflichtung. Die Europäische Kommission erwartet, dass die in der Bewerbung formulierten Maßnahmen tatsächlich umgesetzt und weiterentwickelt werden. Der Erfolg von Cisterscapes hängt somit maßgeblich vom langfristigen Engagement aller Beteiligten ab. Nach aktuellem EKS-Reglement ist es nämlich so: Verliert eine Stätte das Siegel, dann verliert das ganze Cisterscapes Netzwerk das Siegel.
Welche Bedeutung hat das Siegel für die Klosterstätten?
Durch das EKS werden Regionen und Institutionen in die Lage versetzt, sich auf europäischer Bühne zu zeigen. Mehr noch: plötzlich können vor allem im Verbund Fördermittel generiert werden, die den einzelnen Regionen/Institutionen bisher nicht zugänglich waren.
Wie füllen die Standorte den Gründungsgedanken mit Leben und verknüpfen die Projekte?
Die Zisterzienser haben Europa schon vor 900 Jahren durch Austausch und Wissenstransfer verbunden. Mit Cisterscapes führen wir diesen Gedanken im 21. Jahrhundert fort. Wenn man den ursprünglichen Gründungsgedanken des Zisterzienserordens betrachtet, dann orientieren wir uns tatsächlich an denselben Prinzipien: Austausch, Wissenstransfer und Zusammenarbeit über Grenzen hinweg. Die Zisterzienser werden oft als „die ersten Europäer“ bezeichnet, weil sie bereits im Mittelalter ein dichtes Netzwerk aufgebaut haben, in dem Erfahrungen, Wissen und Innovationen zwischen den Klöstern weitergegeben wurden. Genau diesen Gedanken greifen wir auf und übertragen ihn in die Gegenwart. Die einzelnen Partnerstätten arbeiten nicht isoliert, sondern entwickeln Projekte gemeinsam weiter, tauschen Erfahrungen aus und lernen voneinander. Dadurch entsteht ein lebendiges europäisches Netzwerk, das weit über den Erhalt von Kulturerbe hinausgeht.
Das Gespräch führte Stephanie Peine
Altenberg Auf dem Weg der Zisterzienser
Altenberg, einer der bedeutenden Cisterscapes-Akteure in Deutschland, punktet bisher vornehmlich mit touristischen Angeboten wie Klosterrouten und Klostermarkt. Als einzige Klosterstätte in Deutschland erhielt Altenberg kürzlich auch den Zuschlag für einen Imagefilm, dessen Kosten aus dem transnationalen Topf finanziert werden. Neben Altenberg wurden nur noch Zwettl (Österreich) und Plasy (Tschechien) ausgewählt.

Mit Esel auf dem Klosterlandschaftsweg – Blick durch die Filmkamera: Auch Xandra Wildung (mit Hund), die Cisterscapes in Rhein-Berg mitentwickelt hat, wirkte beim Imagefilm mit.
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Der siebenminütige Clip soll für den Fernwanderweg „Weg der Zisterzienser“ werben. Altenberg habe wegen des hohen Bekanntheitsgrades von Region und Dom den Zuschlag erhalten, wegen der hier bestehenden Wandermöglichkeiten, aber auch wegen der „sehr aktiven und vielseitigen Akteure vor Ort“, so die Verantwortlichen. (spe)