2001 trat Rolf Müller seine Stelle in Altenberg an. Zum 25. Jubiläum gibt es in diesem Jahr Festwochen mit musikalischem Programm.
Festwochen mit KonzertenDomorganist in Altenberg Rolf Müller feiert 25. Dienstjubiläum

Seit 2001 ist Rolf Müller Domorganist und Kantor am Dom zu Altenberg.
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Wie kommt ein Musiker aus dem Schwarzwald, geschliffen in Salzburg, nach Altenberg? Manchmal entscheidet ein Moment im Auto, eine Kurve auf der Straße. 2001 fuhr Rolf Müller zum ersten Mal die Serpentinen ins Tal hinab. Frisch verheiratet, suchte er deutschlandweit eine Lebensstelle.
Als die Klosterkirche plötzlich aus dem Grün auftauchte, war es um ihn geschehen: Ein tiefes Heimatgefühl ergriff ihn. Doch Gefühle zählen wenig in den strengen Auswahlverfahren der katholischen Kirche. Hier zählt Perfektion.
Das Erzbistum Köln lud zum Examen. Wer an die Klais-Orgel von Altenberg will, darf nicht zaudern. Müller wählte für sein Bewerbungskonzert eine Triosonate von Johann Sebastian Bach – die Königsdisziplin für Organisten.
Hände und Füße müssen drei eigenständige, komplexe Stimmen spielen, absolut synchron und fehlerfrei. Müller meisterte die Sonate ohne den kleinsten Patzer, unerbittlich präzise ohne „Streifschuss“ nennt man das.
An einer Kathedrale gibt es viel mehr starre Regeln. Hier in Altenberg haben wir uns Freiräume bewahrt
Die Prüfungskommission horchte auf. Auch die weiteren Hürden nahm er mühelos. Für die Chorleitung bescheinigte man ihm den nötigen Humor, um einen Laienchor zu führen. Beim Gottesdienst bewies er Gespür für die Gemeinde: Seine Orgel führte den Gesang nicht nur an, sie atmete mit den Chorälen. Müller bekam die Stelle. „Gut, dass es kein ‚echter‘ Dom ist“, sagt er heute schmunzelnd. „An einer Kathedrale gibt es viel mehr starre Regeln. Hier in Altenberg haben wir uns Freiräume bewahrt.“
Sein Fundament verdankt Müller einem Leitsatz seines ersten Orgellehrers im Schwarzwald: „Für den lieben Gott ist das Beste gerade gut genug.“ Dieser Gedanke ist für ihn keine Floskel, sondern tägliche Pflicht.
Müller spielte Bach bei seinem Bewerbungskonzert
Eine Werktagsmesse mit wenigen Besuchern behandelt er mit derselben Ernsthaftigkeit wie die Christmette im voll besetzten Gotteshaus. Dass er damit richtig liegt, bestätigte ihm kürzlich der scheidende Diözesan-Jugendseelsorger Tobias Schwaderlapp. Im Gottesdienst riet dieser den Gläubigen: „Hören Sie auf das Spiel der Orgel – das ist besser als meine Predigt.“
Müllers Weg an die Tasten begann im Schwarzwald. Später bestand er die Aufnahmeprüfungen in Freiburg und Salzburg parallel, entschied sich aber für Österreich. Die Salzburger Musikhochschule bot exzellenten Ruf und familiäre Atmosphäre. Es waren harte Jahre: Ohne Bafög musste Müller sein Studium als Organist bei Messen finanzieren. Aus Salzburg brachte er eine Liebe mit, die er in Altenberg fortführte: die Tradition der großen Orchestermesse.
Die meisten Chöre altern mit ihrem Dirigenten. Auch die Capella Nova ist heute kein junger Chor mehr. Man muss ständig in Bewegung bleiben
Nach seinem Amtsantritt 2001 hielt er sich an eine alte Handwerkerregel: Erst ein Jahr lang beobachten, dann handeln. Zu tun gab es genug. Der Altenberger Domchor hatte damals einen Altersdurchschnitt von 78 Jahren.
Ein radikaler Schnitt kam für Müller nicht infrage. Geduldig arbeitete er mit dem Ensemble weiter, gründete parallel die junge „Capella Nova“ und eine Choralschola. Der Plan ging auf: Die jungen Stimmen halfen im Domchor aus und verjüngten ihn von innen. Heute ist das fusionierte Ensemble der Stammchor in Altenberg. Müller bleibt realistisch: „Die meisten Chöre altern mit ihrem Dirigenten. Auch die Capella Nova ist heute kein junger Chor mehr. Man muss ständig in Bewegung bleiben. “
Die Orgel wurde 2017 umfassen renoviert und erweitert
Bewegung forderte auch der Wandel der Zeit. Als die Fördergelder knapper wurden, strukturierte Müller die „Internationale Orgelakademie für Improvisation“ in einen effizienten Meisterkurs um. Auch logistische Herausforderungen meisterte er.
Die jahrelange, staubintensive Domrenovierung war ein Einschnitt für die Kirchenmusik. Die Orgel überstand die Baustelle leidlich, bis sie 2017 umfassend renoviert und erweitert wurde.
Zum 25-jährigen Dienstjubiläum finden Konzerte statt
Konfessionelle Gräben kennt Müller nicht. Mit Andreas Meisner, dem langjährigen evangelischen Kirchenmusiker am Dom, verband ihn eine freundliche, am Ergebnis orientierte Kollegialität. Nach Meisners Ausscheiden setzte sich diese Ökumene mit dessen Nachfolger Jens-Peter Enk nahtlos fort. In Altenberg zieht man konfessionsübergreifend an einem Strang.
Nun stehen sie an: die Rolf-Müller-Festwochen zum 25-jährigen Dienstjubiläum. Das Programm spiegelt seine musikalischen Leidenschaften. Den Auftakt bildet am Sonntag, 28. Juni, ein musikalisches Feuerwerk. Müller macht dafür einen kleinen Kompromiss: Er präsentiert Mozarts „Krönungsmesse“ im Konzertformat, obwohl er Messkompositionen lieber in der Liturgie aufführt.
Am 2. Juli erreicht das Programm seinen Höhepunkt
Es folgen Michael Haydns majestätisches Te Deum und Rheinbergers monumentales Orgelkonzert. Am 2. Juli erreicht das Programm seinen Höhepunkt für den bekennenden Bach-Fan Müller: die Gesamtaufführung von Bachs „Kunst der Fuge“.
Ein Vierteljahrhundert im Dienst des besten Klangs – Altenberg darf dankbar lauschen.
