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Möhren, Märkte, ManagementSeit 25 Jahren betreibt Markus Wißkirchen sein Lokal in Altenberg

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Ein Mann sitzt vor einem bergischen Fachwerklokal und hält ein Holzschild mit der Aufschrift: „The Living Room. Where Friends Become Family“ in der Hand.

Gastronom Markus Wißkirchen mit dem Geschenk eines Gastes, dem es ganz offensichtlich in Altenberg gefallen hat.

Längst ist das Hotel-Restaurant Wißkirchen zur  Ideenschmiede für den Gastronom geworden, bei dem sich fast alles um Altenberg dreht.

Es hätte auch anders laufen können. Auf den rheinischen Äckern könnten heute Landmaschinen der Marke Wißkirchen das Stroh zu großen Ballen pressen oder die heimische Möhrenernte technisch optimieren. Aber die Karotten landen nun eher auf der Speisekarte der eigenen Restaurantküche und auf dem Traktor sitzt Markus Wißkirchen höchstens noch in der Freizeit.

Die aber ist rar bemessen, zu umtriebig ist der Gastronom; Motor für vieles, was in Altenberg läuft. Seit 25 Jahren betreibt er in Altenberg das Hotel und Restaurant Wißkirchen. Das bei Einheimischen und Wanderern beliebte Lokal ist längst so etwas wie die Basis für Wißkirchen geworden, die Zentrale für Ideen, die meist auf ein Ziel gerichtet sind: etwas für Altenberg zu bewegen.

Die Liebe zu Altenberg hielt Wißkirchen im Bergischen

„Ich wollte das schöne Altenberg nicht verlassen“, erklärt der 59-Jährige. „Manche wechseln für den Beruf den Ort. Ich habe für den Ort meinen Beruf gewechselt.“ Die Liebe zum kleinen Altenberg scheint fest in der Wißkirchen-DNA verankert.

Als Sohn des katholischen Dom-Organisten in der Orangerie aufgewachsen, war er früh bei den Messdienern aktiv, bei den Karnevalisten, auch beim Aktionskreis Altenberg, betrieb eine kleine Landwirtschaft, machte Musik – noch heute singt er im Kirchenchor, ist im Kirchenvorstand vertreten, als CDU-Ratsherr mit Direktmandat in der Kommunalpolitik aktiv, Vorsitzender des Verschönerungs- und Kulturvereins Altenberg – die Aufzählung ließe sich fortsetzen. Wißkirchen kennt jeden – und jeder kennt Wißkirchen.

Als Ingenieur konstruierte er eine Strohballen-Maschine

In Ermangelung einer Odenthaler Universität zog es ihn zum Maschinenbaustudium notgedrungen dann doch zunächst fort. Mit der Entwicklung von Landmaschinen näherte er sich schließlich wieder an. Seine Eigenkonstruktion einer Sammel- und Stapelmaschine für Stroh-Quaderballen ließ er sogar patentieren. Die Firma Claas aus Harsewinkel, eine der führenden Firmen für Landmaschinen auf dem Weltmarkt, „war sehr interessiert“, erzählt Wißkirchen, entschied sich dann aber für ein konkurrierendes Modell, das damals bereits Serienreife gehabt habe.

Zwischenzeitlich hatte er auch die Möhren für sich entdeckt. Von den Erzeugern rund um Rommerskirchen auf der linken Rheinseite brachte er das Futtermittel mit dem Traktor zu den rechtsrheinischen Pferdehöfen. „Davon hätte man durchaus leben können“, sagt er rückblickend über eine Zeit, in der er den Spitznamen „Möhrchen-Dealer“ trug. Darüber amüsiert er sich noch heute.

Das alte „Hotel zur Post“ lag im Dornröschenschlaf

Einen kurzen Ausflug in die Welt der Programmierer unternahm er mit einem digitalen Programm für Dienstpläne von Messdienern, das er mit Freunden entwickelte und 170 Mal an Pfarrgemeinden verkaufte. Auch die Überlegung, Gutachten für Landmaschinen zu erstellen, verwarf er wieder: „Ich wollte nicht immer nur über Dinge berichten, die andere kaputtgemacht hatten“, erklärt er, während er auf der Restaurantterrasse sitzt und über die Wiese schaut. Kein Beruf für jemanden, der gerne selbst etwas macht – und zwar nicht kaputt, sondern kreativ gestaltet.

Da spielte ihm 1999 der Zufall in die Hände. „Das alte ,Hotel zu Post’ in Altenberg wurde zwangsversteigert“, so Wißkirchen. Das einstige Ausflugslokal mit bescheidenen Fremdenzimmern hatte schon bessere Zeiten gesehen, lag im Dornröschenschlaf. Markus Wißkirchen beschloss, der wachküssende Prinz zu werden, was nahe lag, war er in besagtem Jahr ohnehin Karnevalsprinz.

Geld bekam er nur, wenn er als Gastronom selbst einstieg

„Geld für den Erwerb bekam ich aber nur, wenn ich es selbst machen würde“, erinnert er sich an die Verhandlungen mit den damaligen Kreditgebern. Im Frühjahr 2000 begann die Kernsanierung des Fachwerkhauses, bei der kaum ein Stein, beziehungsweise Balken auf dem anderen geblieben sei, sagt Wißkirchen. Dach und Böden, die Fenster und der Windfang wurden erneuert, auch der Kachelofen ist Baujahr 2000, „selbst Teile der Fachwerkbalken stammen aus einem alten Haus in der Eifel“.

Historisches Foto eines Fachwerkhauses, das als Ausflugslokal betrieben wird.

Das „Hotel zur Post“ Altenberg (noch ohne Windfang), bevor es zum Hotel-Restaurant Wißkirchen wurde.

Nach einem Jahr Bauzeit wurde 2001 eröffnet – und die Odenthaler kamen. „Die Gäste habe uns fast auseinandergenommen“, erinnert sich Wißkirchen an den Andrang damals. Schon vorher hatte der frischgebackene Gastronom einen Namenswettbewerb für sein neues Lokal ausgeschrieben.

Namenswettbewerb für das neue Hotel-Restaurant

Ein Drittel habe sich für „Wißkirchen“ ausgesprochen, erzählt er, den zweiten Platz habe „Hotel Burg Berge“ belegt. „Eigentlich eine schöne Idee“, meint der mit der Bergischen Geschichte verbundene Wißkirchen. Das Problem dabei: „Wir hatten ja keine Burg, nur einen Schutthaufen“ – also entschied sich Wißkirchen für „Wißkirchen“.

Als Quereinsteiger „musste ich viel lernen“, gesteht er. „Ich wusste was von Veranstaltungen, von Organisation“, sagt Wißkirchen, „aber kochen kann ich nicht“. Einen solchen Betrieb stemme man nicht allein. Eine große Stütze sei der erste Chefkoch Winfried Häger gewesen, ein erfahrener Gastronom. Jahre später, zur Coronazeit, kam Wißkirchen dann doch eines Abends in die Verlegenheit, für die Hausgäste kochen zu müssen - er rettete sich mit einer Hähnchenpfanne.

Von Beginn an organisierte Wißkirchen auch Märkte und Events

Schon früh etablierte er parallel zum Hotel- und Restaurantgeschäft auf dem großen Parkplatzgelände am Haus Events, unter anderem den Vorläufer des späteren Altenberger Adventsmarkts. Heute gastiert hier in der Vorweihnachtszeit regelmäßig der Cirque Bouffon im Spiegelzelt. Mit dem Erwerb eines eigenen großen Zirkuszelts biete sich nun auch die Möglichkeit, das Angebot auszuweiten, sagt Wißkirchen.

Pläne hat er auch für den noch jungen Klostermarkt, dessen mittelalterliches Profil er weiter schärfen möchte. „Unsere ganze Familie war immer engagiert für Altenberg“, sagt der Gastronom, „das will ich fortführen.“

Das Wißkirchen, das rund 70 Prozent des Umsatzes mit dem Restaurant erwirtschafte und je zehn Prozent mit Hotel, Catering und Events, biete die finanzielle und organisatorische Basis für seine Altenberg-Aktivitäten. Das Eventgeschäft, das neben Planwagenfahrten inzwischen auch 25 komplette Herbst- und Weihnachtsmärkte im Land mit Verkaufsbuden ausstattet, hat er inzwischen in die mit Michael Biesenbach gegründete neue Firma BW-Trailer-Events ausgelagert.

Er feiere in diesem Jahr „die ersten 25 Jahre Wißkirchen“, lacht Wißkirchen. „Ich würde mich freuen, wenn es in Familienhand bliebe“, sagt der Vater von drei Töchtern.