Bereits 2024 geriet der Fight Club in den Fokus von Staatsschutz und Politik. Bergheims Bürgermeister verfolgt jüngste Entwicklungen mit Sorge.
Für viele Mädchen ein Idol„Pop-Star“ des Salafismus gab Box-Kurse in Bergheim

Der Fight Club Bergheim in Niederaußem bietet Boxen und Kickboxen an.
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Spätestens im September 2024 war Bergheim (Rhein-Erft-Kreis) jedem und jeder der 195 Abgeordneten im Düsseldorfer Landtag ein Begriff. Der Innenausschuss beschäftigte sich mit einem Boxclub im Stadtteil Niederaußem, der von einem führenden Kopf der salafistischen Szene in Deutschland betrieben wurde: Pierre Vogel, so hieß es in einem Bericht des Ministeriums von Innenminister Herbert Reul (CDU), trainiere dort Kinder und Jugendliche. Die Polizei im Rhein-Erft-Kreis stehe in regelmäßigem Austausch mit dem Staatsschutz in Köln, dem Verfassungsschutz und dem Landeskriminalamt.
Die SPD-Fraktion im NRW-Landtag hatte das Innenministerium um Stellungnahme gebeten, nachdem unsere Redaktion wenige Tage zuvor darüber berichtet hatte, dass der gebürtige Frechener Vogel im Bergheimer Stadtteil Niederaußem im „Fight Club“ Kindern zwischen vier und zehn Jahren Boxtraining erteile. Zudem solle es vor dem Training regelmäßig islamische Gebete geben.
Bergheim: Stadt hatte keine rechtliche Handhabe gegen den Club
Die Stadt Bergheim teilte seinerzeit auf Anfrage mit, sie besitze keine rechtliche Handhabe, gegen den Fight Club Bergheim vorzugehen. Da es sich um einen privaten Gewerbebetrieb handele, sei es Aufgabe der Sicherheitsbehörden zu entscheiden, ob es einen Ansatz gebe, tätig zu werden.

Der salafistische Prediger Pierre Vogel sorgte 2024 für Schlagzeilen. Er hat laut Informationen des NRW-Innenministeriums in Bergheim Kindern und Jugendlichen Boxunterricht gegeben. Das Foto zeigt ihn 2014 auf einer Kundgebung in Hamburg.
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Nun, fast zwei Jahre später, hat es den Anschein, als weite die salafistische Szene ihre Aktivitäten in Bergheim aus. Auf einem Social-Media-Kanal warb Hanna Hansen unlängst für ihren Box-Kursus für Frauen im Fight Club. Sie gilt als der weibliche Popstar der radikal islamistischen Bewegung. Eine Sprecherin des NRW-Verfassungsschutzes bestätigt auf Anfrage dieser Redaktion: „Hanna Hansen hat bundesweit innerhalb kürzester Zeit eine Sonderstellung in der salafistischen Szene eingenommen. Durch ihren spezifischen biographischen Hintergrund als Model, DJane und Sportlerin und ihr Auftreten als Konvertitin ist sie ein vermeintlich attraktives Vorbild für junge Frauen.“
Und weiter: „Ihre Aussagen sind in Teilen als extremistisch zu bewerten. So propagiert sie insbesondere eine Ordnung, die durch religiöse Vorgaben bestimmt ist. Außerdem distanziert sie sich von der freiheitlich demokratischen Grundordnung und äußert sich negativ über die westliche Gesellschaft, die Politik und die Medien und grenzt die muslimische Gemeinschaft durch ihre Aussagen davon ab.“ Der Verfassungsschutz widmet der 42-Jährigen in seinem jüngsten Bericht eine ganze Seite.
Bergheim: Bürgermeister nimmt Hinweise „sehr ernst“
Auf Hansens Kanal bei „Instagram“ sind unter anderem Aufnahmen zu hören, wie sie einem Mädchen, das sich gerade beim Einkaufen in einem Bergheimer Supermarkt befinden soll, Anleitungen gibt, um zum Islam zu konvertieren.
Konkret zu den Aktivitäten in Bergheim und ob Hansen dort vom Verfassungsschutz beobachtet wird, äußert sich die Sprecherin des Innenministeriums nicht. In einer schriftlichen Antwort heißt es nur: „Eine Stellungnahme zum Beobachtungsstatus einer Person oder Gruppierung stellt einen Grundrechtseingriff dar und lässt, wenn er außerhalb des Jahresberichts erfolgt, Rückschlüsse auf den Untersuchungsbedarf, den Kenntnisstand sowie die allgemeine Arbeitsweise des Verfassungsschutzes zu. Dies hätte nachteilige Auswirkungen auf die Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben.“

Auf einem Smartphone wurde der TikTok-Account von Hanna Hansen geöffnet. Dahinter wurde auf einem Laptop der Facebook-Account von ihr geöffnet. Sie ist zum Islam konvertiert und wirbt über ihre Social-Media-Kanäle für die monotheistische Religion.
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Anfragen dieser Redaktion an die Betreiber des Bergheimer Box Clubs blieben wie schon 2024 unbeantwortet.
Bergheims Bürgermeister Volker Mießeler (CDU) hat indes Kenntnis darüber, dass Hanna Hansen im Fight Club ein Kampfsporttraining für Frauen angeboten habe. Er nehme die Hinweise im Verfassungsschutzbericht auf die 42-Jährige „sehr ernst“ und stehe im engen Austausch mit dem Verfassungsschutz. Soweit der Stadt rechtlich belastbare Informationen vorlägen und Möglichkeiten zum Handeln bestünden, würden diese konsequent geprüft und ausgeschöpft.
Dies gelte insbesondere dann, wenn Kinder und Jugendliche betroffen sein könnten: „Wer versucht, Kinder und Jugendliche unter dem Deckmantel des Sports für extremistische Ideologien zu gewinnen, stößt in Bergheim auf unseren entschiedenen Widerstand. Wo der Rechtsstaat Handlungsmöglichkeiten hat, werden wir sie konsequent nutzen und ausschöpfen.“
Doch der Stadt sind die Hände gebunden. Vor zwei Jahren hatte sie im Zusammenhang mit der Berichterstattung dieser Redaktion mitgeteilt, sie habe keine rechtliche Handhabe, gegen den Fight Club vorzugehen. Da es sich um einen privaten Gewerbebetrieb handele, sei es Aufgabe der Sicherheitsbehörden zu entscheiden, ob es einen Ansatz gebe, tätig zu werden.
Tätig geworden war der Verfassungsschutz Anfang Juli in Bezug auf Hanna Hansen. Bei einer Razzia hatte die Kölner Polizei die Wohnung der salafistischen Influencerin mit 224.000 Followern durchsucht. Das hatte Innenminister Reul dem Landtag mitgeteilt. Sie soll Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verwendet haben. Die Staatsanwaltschaft Köln bestätigte eine Durchsuchung, ohne Hansens Namen zu nennen. Gegenüber t-online kündigte sie an, ihre „öffentliche Arbeit" fortzusetzen: „An meinen Überzeugungen und meiner Tätigkeit wird sich nichts ändern."
Islamismus-Experte Ahmad Mansour zeigte sich 2024 in einem Gespräch mit dieser Redaktion von den Entwicklungen in Bergheim nicht überrascht. „Islamisten versuchen, ihre Ideologie schon den Jüngsten einzuimpfen“, sagte er. Wenn sich das einmal in den Köpfen der Kinder und Jugendlichen verfange, bringe sie das unweigerlich auf Distanz zu unserer Gesellschaft. Das verhindere jegliche Integration und stelle eine Gefahr für unsere Sicherheit dar.

Bürgeremeister Volker Mießeler will die Entwicklung im Auge behalten.
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Über Vogel sagte Mansour: „Er sehnt sich nach Aufmerksamkeit und fährt die TikTok-Schiene. Dabei liegt es doch auf der Hand, dass das, was er mit dem Fight Club Bergheim macht, nur am Rande mit Sport und Boxen zu tun hat. Es geht darum, schon kleine Kinder im Alter von vier bis zehn Jahren zu radikalisieren. Das muss man äußerst ernst nehmen.“
Erst Vogel 2024. Jetzt Hansen. Beide Male beschäftigt sich der Landtag mit dem Salafismus 2.0, wie Mansour ihn bezeichnet. Beide Male führen Spuren nach Bergheim. Dessen Bürgermeister Mießeler macht deutlich: „Unsere Stadt steht für Demokratie, Freiheit und ein respektvolles Miteinander.“
Es geht darum, schon kleine Kinder im Alter von vier bis zehn Jahren zu radikalisieren. Das muss man äußerst ernst nehmen
Die Aussage des CDU-Bürgermeisters muss auch vor dem Hintergrund des sich wandelnden politischen Klimas in der Kreisstadt betrachtet werden. Bei der Kommunalwahl im Herbst 2025 holte die AfD in Bergheim mit 18,5 Prozent ihr drittbestes Ergebnis im Rhein-Erft-Kreis. Stärker vertreten ist sie nur in Elsdorf und in Wesseling. Mießeler selbst musste in der Stichwahl gegen Wolfgang Linke (AfD) antreten, gegen den der 60-Jährige gleichwohl deutlich gewann. Linke machte aktuell von sich reden, weil er als Teil des rechtskonservativen Flügels seiner Partei versucht hatte, den AfD-Nominierungsparteitag für die Landtagswahl 2027 zu torpedieren.
Hanna Hansen wurde als Viktoria Stadtlander in Herford geboren – heute lebt die 42-Jährige in Köln. 2004 wurde sie zweitplatzierte Miss Germany. Als Model war sie auf den Laufstegen von Paris, New York, Mailand und Berlin zu sehen und machte sich außerdem als DJane einen Namen.
Im Kickboxen wurde sie fünfmal Deutsche Meisterin. Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere war der Gewinn der Weltmeisterschaft im Kickboxen. Wegen einer Augenverletzung musste sie ihre sportliche Karriere im Dezember 2022 beenden.
Hansens Instagram-Profil hat 224.000 Follower, bei TikTok sind es über 250.000. Ihre Videos richten sich direkt an junge Mädchen. Darin propagiert sie einen ultrakonservativen Islam.
