Wer lange Zeit mit Pflanzenschutzmitteln gearbeitet hat, lebt mit einem erhöhten Risiko, Parkinson zu bekommen.
Parkinson-RisikoGewerkschaft warnt Beschäftigte einiger Branchen auch in Rhein-Erft

Parkinson durch chemische Pflanzenschutzmittel ist als Berufskrankheit anerkannt.
Copyright: IG BAU
Die IG Bauen-Agrar Umwelt (IG BAU) macht auf die Risiken von beruflichen Tätigkeiten im Grünen aufmerksam. „Wer im Rhein-Erft-Kreis auf den Feldern oder in Gewächshäusern arbeitet, den kann es treffen: Ein erhöhtes Risiko, Parkinson zu bekommen. Und zwar immer dann, wenn er über Jahre häufig mit Pflanzenschutzmitteln zu tun hatte“, sagt Mehmet Perisan von der IG BAU.
Das Parkinson-Syndrom durch Pestizide sei als Berufskrankheit anerkannt. Betroffene müssten allerdings nachweisen, dass sie in ihrem Berufsleben mindestens 100 Tage mit chemischen Pflanzenschutzmitteln gearbeitet hätten – also jeweils entweder mit Fungiziden (zur Bekämpfung von Pilzkrankheiten), Insektiziden (zur Bekämpfung von Insekten) oder Herbiziden (zur Bekämpfung von Unkraut), so die IG BAU Köln-Bonn.
Unterstützung von gesetzlicher Unfallversicherung möglich
„Dann bekommen Beschäftigte, die an Schüttellähmung erkrankt sind, Unterstützung von der gesetzlichen Unfallversicherung: Die Hilfe der Berufsgenossenschaft reicht von guter medizinischer Versorgung bis zu Geldleistungen“, betont Perisan.
Das gelte für Menschen, die in der Landwirtschaft gearbeitet haben, aber etwa auch für Beschäftigte im Gartenbau und im Forst. Gefahren lauerten zudem in der Floristik und auf dem Bau: „Denn auch bei Sanierungsarbeiten wird mit Pestiziden gearbeitet. Vielen ist gar nicht bewusst, wo überall Pestizide zu finden sind. Gerade im Sanitärbereich kommen häufig Baustoffe mit Anti-Schimmelmitteln zum Einsatz. Und die enthalten oft Pestizide“, sagt Perisan.
An die niedergelassenen Ärzte im Rhein-Erft-Kreis appelliert die Agrar-Gewerkschaft, Parkinson-Patienten gezielt anzusprechen, um abzuklären, ob es sich um eine Berufskrankheit handelt. Die gesetzlichen Krankenversicherungen fordert die IG BAU Köln-Bonn auf, Parkinson-Patienten anzuschreiben und zu informieren. „Immerhin haben Patienten, wenn es um eine Berufserkrankung geht, die Chance auf eine intensive Betreuung und gute medizinische Versorgung, für die die Berufsgenossenschaft steht“, so Mehmet Perisan.
Der Gewerkschafter rät Menschen, die in gefährdeten Branchen arbeiten, sich bei Fragen an ihre jeweilige Berufsgenossenschaft zu wenden. Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) hat ein Hilfstelefon unter 0561/78510350 eingerichtet, Informationen gibt es auch online.
