Abo

Ernte gestartetWarum die Landwirte in Rhein-Erft derzeit das Wetter ständig im Blick haben

3 min
Zu sehen ist ein Mähdrescher.

Die Mähdrescher rollen wieder wie hier auf einem Feld bei Thorr über die Felder.

Bislang deutet sich eine gute Getreideernte an, doch noch immer bestehen Risiken.

„Die Ernte läuft gut“, sagt Landwirt Heiner Valder vom Thorrer Wiebachhof, der Gerste auf seinen Feldern zwischen Thorr, Ahe und Widdendorf auf rund 22 Hektar angebaut hat. Die Hitze mache der Gerste nichts mehr aus. „Sie ist ja schon reif“, sagt er. Wie Sohn Lennard (13), der die Feldarbeiter mit kalten Erfrischungsgetränken versorgt und auch schon mitarbeitet, ergänzt, sei Thema Gerste vermutlich schnell durch.

Noch warten will Michael Gülden, Landwirt in Angelsdorf. „Unsere Gerste hat noch 18 Prozent Wasser. Über 15,5 Prozent gibt es Abzüge beim Erlös“, weiß er. Er will erst in der nächsten Woche den Mähdrescher starten.

Hagelschäden beeinträchtigen die Erntemenge teils massiv

Von rund elf Prozent Verlusten durch Hagelschäden beim Gewitter am Freitag voriger Woche berichtet sein Escher Kollege Hermann-Josef Frimmersdorf. Dank Hagelschadenversicherung sei das zu verschmerzen. Karl-Josef Conzen, Elsdorfer Ortslandwirt vom Gut Brockendorf, weiß von Schlägen, in denen 50 Prozent des Getreides im Hagel umgefallen und dadurch unbrauchbar sei.

„Ziemlich bald muss auch der Weizen gedroschen werden“, sagt er. Der höre bei Temperaturen von über 35 Grad auf, Eiweiß und Stärke im Korn einzulagern. „Dann geht der Weizen verfrüht in die Reifephase“, erläutert er. Die rheinischen Landwirte und Landwirtinnen erwarten in diesem Jahr eine durchschnittliche bis gute Getreideernte. Wenn die Gerste eingeholt ist, folgen Anfang Juli der Winterweizen und abschließend der Raps.

Die Aussaat, die im Herbst vergangenen Jahres erfolgte, verlief für die wichtigsten Kulturen wie Weizen, Gerste und Raps unter idealen Bedingungen, so der Rheinische Landwirtschaftsverband (RLV). Auch im Winter und Frühjahr verhalf ausreichend Niederschlag den Pflanzen dabei sich gut zu entwickeln, während die Sonnenscheindauer etwas hinter den Erwartungen zurückblieb.

Die nun andauernde starke Hitze bereitet den Landwirtschaftsbetrieben sorge, denn die hohen Temperaturen könnten sich beim Weizen nachteilig auswirken. Hitze und Trockenheit könnten die Kornfüllung beeinträchtigen und damit Ertrag und Qualität mindern. „Wie die Ernte letztlich ausfallen wird, hängt maßgeblich von der Witterung der kommenden Wochen ab“, betont Christian Fuchs, Kreisvorsitzender der Kreisbauernschaft Köln/Rhein-Erft-Kreis.

Für den Winterweizen folgt nun die entscheidende Wachstumsphase

Der Winterweizen befindet sich derzeit in der für die Qualität wichtigen Kornfüllungsphase. In dieser Phase durchläuft die Ernte einen entscheidenden Prozess für Ertrag und Wertigkeit, da Eiweiß und Stärke in den Körnern eingelagert werden. Moderate Temperaturen und eine ausreichende Wasser- und Nährstoffversorgung stellen dabei optimale Bedingungen. Während sich die Wintergerste, laut LVR, in den hohen Temperaturen sehr wohlfühlt und durch diese schneller ab reifen kann.

Nicht nur der Witterung sind die regionalen Landwirtschaftsbetriebe ausgesetzt, auch aktuelle geopolitische Konflikte und wirtschaftlichen Entwicklungen stellen sie vor Herausforderungen. Denn während die steigenden Preise für Diesel und Dünger die Produktionskosten erhöhen, verharrt auf den internationalen Märkten der Getreidepreis auf niedrigem Niveau. „Sinkende Rohölpreise könnten dazu beitragen, die Ausgaben für Energie und Dünger wieder zu senken und damit die wirtschaftliche Lage der Betriebe zu verbessern. Darauf hoffen wir!“, erklärt Christian Fuchs.