Der tödliche Angriff auf einem Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz verunsichert auch Fahrgäste in Brühl. Viele berichten von schlechten Erfahrungen.
Tödlicher Angriff auf ZugbegleiterFahrgäste am Bahnhof in Brühl fühlen sich unsicher

Mit einem unguten Gefühl stiegen einige Fahrgäste am Bahnhof in Brühl in den Zug.
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Der tödliche Angriff eines 26-jährigen Schwarzfahrers auf einen Zugbegleiter in einem Regionalexpress in Rheinland-Pfalz hat auch die Bahnkunden im Rhein-Erft-Kreis verunsichert. „Ich bin heute mit einem ganz komischen Gefühl zum Bahnhof gekommen“, erklärte Ursula Augel (66) am Donnerstagvormittag (5. Februar) am Bahnhof in Brühl. Sicher fühle sich das nicht an. Sie müsse immerzu an die Zugbegleiter denken, die auch schon mal in den Regionalzügen zwischen Köln und Bonn mitfahren.
„Aber oft sieht man sie nicht“, erklärte sie. Natürlich wisse sie auch, dass sich nicht alles vermeiden lasse. „Doch das Risiko, angegriffen zu werden, wäre bestimmt kleiner, wenn sie die Kontrollen nur noch zu zweit durchführen“, meinte Ursula Augel. Gut fände sie auch, wenn wenigstens an den größeren Bahnhöfen, an denen die Züge stoppen, auch Polizei anwesend wäre.
Brühl: Viele Fahrgäste berichten von schlechten Erfahrungen
Oft genug komme es vor, dass Fahrgäste richtig unangenehm werden und lautstark herumpöbeln. Sie selber habe sogar schon erlebt, dass ein Fahrgast regelrecht ausgeflippt ist. Laut schreiend und schimpfend sei er am Bonner Bahnhof durch den Zug gerannt und schließlich ausgestiegen und davongelaufen. Der Zugführer habe den Fahrgästen durch eine Lautsprecherdurchsage damals mitgeteilt, dass die Polizei unterwegs sei. „Doch als sie kam, war der Fahrgast weg“, erkläre Ursula Augel.
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„Wie kann so etwas passieren?“, fragte sich auch Elisabeth (67), als sie in den Nachrichten vom Tod des Zugbegleiters in Rheinland-Pfalz erfuhr. Richtig sicher fühle sie sich in den Regionalbahnen schon lange nicht mehr. „Ich achte deswegen auch immer darauf, wo ich mich hinsetze – und bleibe im Notfall sogar lieber am Ausstieg stehen“, erklärte sie.
Ich bin heute mit einem ganz komischen Gefühl zum Bahnhof gekommen
Doch gefährlich sei es ja nicht nur im Zug. „Es ist ja auch schon vorgekommen, dass Passanten einfach so auf die Gleise gestoßen wurden“, berichtete die 67-Jährige. Sie habee davon gehört, dass es in Frankreich Glaswände auf Bahnsteigen gebe, die erst dann im Boden versinken, wenn der Zug steht. Eine solche Technik würde auch Bahnreisende hierzulande schützen, meint sie. „Ich würde mich freuen, wenn wir sowas auch in Deutschland bekämen, oder aber einfach auch mehr Personal.“
Auch Mariette (68) aus Brühl hat sich, als sie von der tödlichen Attacke auf den Zugbegleiter hörte, eigene Gedanken zum Thema Sicherheit in den öffentlichen Verkehrsmitteln gemacht. „In Paris kommen nur Menschen mit gültigen Tickets auf den Bahnsteig.“ Ihr würde es gefallen, wenn es in Deutschland darüber hinaus auch Möglichkeiten gäbe, betrunkenen oder erkennbar unter Drogeneinfluss stehenden Fahrgästen die Mitfahrt zu verweigern. Sie selbst fahre häufig mit dem Zug oder der Straßenbahn. Dabei sei ihr auch aufgefallen, dass sich einige ältere Männer sehr dicht an jungen Mädchen gedrängt hätten. „Wenn ich das bemerke, dann dränge ich mich ganz bewusst dazwischen“, erklärte sie.
Unsicherheitsgefühl vor allem in den Stadtbahnen
„Fahrten mit der KVB versuche ich zu meiden“, sagte Angelika Schmitz-Münnecke (70). In den Regional- und Fernzügen der Bahn fühle sie sich hingegen noch ganz sicher. Gleiches bestätigten im Übrigen auch andere Fahrgäste. „Das Gefühl ist sehr subjektiv“, meinte dazu Rodina Morati (37). Deswegen fahre auch sie lieber mit der Regionalbahn als mit den Stadtbahnen der KVB. Betrunkene Fahrgäste, die lautstark im Zug randaliert und herumgepöbelt hätten, habe sie aber auch schon in der Regionalbahn erlebt. „Aber sie haben mir nichts getan“, merkte sie an.
Patrick Wild (46) aus Brühl-Schwadorf hat hingegen weder Angst noch Sorgen, die Bahn zu nutzen. „Ich fühle mich richtig sicher“, sagte er. Täglich erlebe er auch, dass sich die Menschen im Zug und um ihn herum völlig normal verhalten. Allerdings fände auch er es gut, wenn sich gerade in den Fernzügen mehr Personal – auch Zugbegleiter – zeigen würde.
„Leider habe ich auch die Erfahrung machen müssen, dass einige Zugbegleiter sehr unfreundlich sind, wenn man ihnen dann doch mal begegnet.“ Aufgefallen sei ihm das, als er vor ein paar Wochen mit seiner Familie nach Berlin reiste. „Ich würde mir wünschen, dass das gegenseitige Miteinander und der respektvolle Umgang untereinander einfach wieder besser wird“, erklärte er. Davon würden letztendlich alle profitieren – die Zugbegleiter und die Passagiere in den Zügen.

